Archiv vom Juni 2014

Susanna Tamaro

Freitag, 27. Juni 2014

Da ich mich ja selbst mit dem Schreiben beschäftige, interessiere ich mich natürlich auch dafür, wie andere zum Schreiben kamen. Eine von jenen, die diese Lebensentscheidung getroffen und durchgehalten haben, ist Susanna Tamaro. Ein kleines Büchlein mit einem Schmetterling auf dem Einband hat es mir jetzt angetan. Immer wieder lese ich in ihrem Aufsatz über das Lob der Anmut.

Eigentlich hat dieser Aufsatz etwas in mir angestoßen. Ein neues Kapitel eines inneren Prozesses, der sich dann letztlich in dem Text über diesem hier entlud. Deshalb möchte ich ihn Dir nicht vorenthalten. Zumindest einen Teil davon. Ich verschweige auch absichtlich, um Dich neugierig zu machen, den Teil mit dem Lebertran. Da musste ich sehr lachen… Ich möchte Dich animieren, loszugehen und Dir das Büchlein ( Susanna Tamaro „die Demut des Blicks; wie ich zum Schreiben kam; Lob der Arnmut“ ISBN: 9783257060621) selbst zu besorgen. Man sollte nicht viel besitzen. Besitz kann zu einer Last werden. Aber gute Bücher, die das Herz erwärmen, die kann man schon im Regal stehen haben 🙂

Wenn jemand das Schreiben beherrscht, so tut er/sie es, meines Erachtens, weil seine/ihre Worte es vermögen, mich direkt ins Herz zu treffen und mit den Worten meiner Seele auszudrücken, was auch sie bisher so empfand. Die Worte, die ich im Folgenden zitieren möchte, zogen mich in ihren Bann, immer und immer wieder.

Zitat: Susanna Tamaro aus `Lob der Anmut´

„(..) Staunen über alles, was es gab, und über die Hartnäckigkeit, mit der es weiter existierte.
Dieses Gefühl, dass ich so verfrüht empfunden hatte, führte jedoch nicht, wie man vielleicht glauben könnte, zu einer Ablehnung der Welt, sondern zu einer erstaunten und leidenschaftlichen Anteilnahme. (…)
In einer Vision, die Jahrmillionen umfaßte, schien mir der Mensch sogleich das am wenigsten interessante Ereignis zu sein. Nicht nur das am wenigsten interessante, sondern auch zu seinem Unglück am wenigsten anmutige. Anmut ist für mich der fundamentale Begriff, der in sich die Schönheit einschließt. Die Anmut ist die Gabe der Kreaturen, die in Einklang mit den unauslotbaren Gesetzen des Universums leben. Der laufende Fuchs hat kein Bewusstein seiner selbst: Er existiert, und all seine Lebensenergie ist übermäßig darauf gerichtet, weiter zu existieren. Er ist schön, wenn er läuft, elegant, voller Anmut.
Deshalb bewegt mich eine Fuchsschnauze oft mehr als ein Gemälde. Ein Gemälde, das Werk eines Menschen, muß, um mich zu bewegen, Ausdruck des gleichen Geheimnisses sein, eines Gleichgewichts von Harmonie und Unbewußtheit. Der Mensch dagegen ist ohne Anmut, besessen von einem überzogenen Selbst-Bewußtsein. Ein Selbst-Bewußtsein, das weder die Kinder noch die Tiere haben, die voller Anmut sind. Um dorthin zu gelangen, muß der Mensch einen langen Weg rückwärts gehen: von der Bewußtheit muß er zur Unbewußtheit zurückkehren, muß sich als Teil eines unergründlichen Geheimnisses fühlen, muß sich klein fühlen und voll von Bewunderung für dieses ständige Wunder des Lebens sein.
Schön ist für mich somit das, was kein Bewusstsein hat, die Harmonie der Formen der Natur in ständiger Bewegung. Folglich sind die einzigen Künstler, die ich lieben kann, genau die, die in ihren Werken dieses ambivalente Gefühl von Geheimnis und Wunder widerspiegeln. Von Kleinheit und Bewunderung.“

Ich bin so so dankbar, dass ich nun ein kleines Kind in meinem Leben haben darf, das mich stets an diese Anmut erinnert.

 

Feuervogel

Sonntag, 22. Juni 2014

Ich seh ein Schachbrett aus wabernden Quadraten

erschüttert von trampelnden Soldaten
Schatten geworfen von Schatten lechzen nach ihrem Sold
sie greifen nach Türmen aus schwarzem Gold

das Unheil brandet in sandiger Gischt

der Sturm treibt die Bauern in Städte aus Tüchern
die Königin, die bleibt, wird verhüllt
erloschen der Funke am Busen der Hoffnung
die Gier des Phatals scheint niemals gestillt

im Chaos steht auf dem Felde, mittendrin
ein Engel in schwarzer Weste
Er ist ein Neutrum
schaut einfach nur hin

nicht immer, ist er gern gesehn

Feuervogel, Feuervogel
flieg über Staub und durch den Orkan
verbrenne den Wahn unterm schwarzen Meer
entzünde den Himmel, damit er sich nie verliert
und ein jeder Tag neues Leben in ihm gebiert

Feuervogel, Feuervogel
sing Dein Lied, so laut es nur geht
Töne in alle Winde verweht
ein Lied, das die Salven verdrängt
den eichenden Sinn in seinem Ohr bestimmt
und ihn heimwärts lenkt

ich seh Horden von Schergen
versunken im Nebel
ein sandsturmgleicher Schabenschwarm
jahrhundertealter Schattenstaub zieht Männer magisch an
und auch er kann nie bleiben
wo das Licht ist

Er ist das Blitzlicht auf die Wahrheit in der Nacht
die Weste am Rumpf ist sein Schutz und sein Zügel
Digitale Lettern tragen sein Schiff
Er ist, was er ist, er macht, was er macht
nichts und niemand bindet seine Flügel
Sein linkes Auge verborgen im Objektiv

so sagt er´s besser gleich
dass er kein Ende halten kann
die Bänder bleiben liegen
und falls der Orkan ihn nicht verschlingt
wird eines Tages der Engel erblicken
die Augen derer, die ihn lieben

Im Chaos am Ende der zackigen Zielgeraden
steht der Mann mit dem roten Faden
in seiner Weste, der schwarzen
schaut er einfach nur hin
filmt den Wahnsinn

Feuervogel, Feuervogel
flieg über Staub und durch den Orkan
verbrenne den Wahn unterm schwarzen Meer
entzünde den Himmel, damit er sich nie verliert
und ein jeder Tag neues Leben in ihm gebiert

Feuervogel, Feuervogel
sing Dein Lied, so laut es nur geht
streu Töne in alle Winde
Dein Lied, das die Salven verdrängt
und ihn heimwärts lenkt

bevor es zu spät ist, Vogel
lande auf seinen Schultern
durchdring seine Weste in lodernder Brunst
Laß die Glut in seinem Blut erleuchten
die Wut erwachen, die ihn befreit
spreng alle Kapillare seiner inneren Zeit
mit Liebe

ersetze die Flügel, die bleiernen,
durch Deine starken feuernen
erwecke den Drang, zu Leben, in ihm
den Wunsch, zu fliegen
in endlosem Frieden
in seinen Träumen
unter blühenden Bäumen
will ich bei ihm liegen
das Kind in ihm in meinen Armen wiegen

Seelenpflaster

Samstag, 21. Juni 2014

schau mal, was ich grad entdeckt hab: Wow! Wunderschön!!!!!!!!

http://www.youtube.com/watch?v=7pKaiV42AsA

 

und dem kann einfach nur mein Lieblingslied von Niels Frevert folgen:

http://www.youtube.com/watch?v=9Sl76TDp30w

 

aller guten Dinge:

http://www.youtube.com/watch?v=D2v1gS_VRBU