Fenster

mein Fundstück im Juli

Fensterspiegel

ein schmiedeeisernes Fenster mit Spiegel. Mein Performance Projekt geht in die nächste Planungsphase.

Ein spannendes Detail ist der Spiegel im Fenster. In dieser Performance wird es also auch darum gehen, dass die gute Macht in jedem von uns wohnt.

Man findet sie auch, wenn man sich selbst in die Fenster der Seele blickt.

Hier  eine Interims-Dokumentation der Planung…

Fensterspiegel Textplanung

aktuelle Gedanken zum Fensterprojekt:
Ich möchte einen Film bei der ersten Straßenperformance machen, um das Projekt mit Fördergeldern zu ermöglichen.

Es geht, grob gesagt, um das Aufbröseln religiöser Grenzen im Kopf und das Ausrichten auf das verbindende Element aller Gläubigen (auch ein Nicht-Glaube ist ein Glaube)…

Mein Wunsch ist, aufzuzeigen, dass Integration möglich ist, wenn wir die menschen-eigenen Ängste vor dem „Fremden“ erkennen, beleuchten und umwandeln in Neugierde und Akzeptanz.

Denn wer erkennt, dass das Bedürfnis zum Glauben an das Gute die Menschen eint und somit auch verbinden kann, dem ist die Philosophie von Andersgläubigen nicht zuallererst suspekt sondern Inspiration, seinen eigenen Glauben zu hinterfragen und auch neuen Erkenntnissen anzupassen. Wir alle sehen immer nur Fragmente der Wirklichkeit.

Den Religionen dieser Welt fehlt die Bereitschaft zu einer fortwährenden Reformation, die dem Gesetz des Lebens und somit der ewigen Metamorphose Rechnung trüge.

Aber eine lebendig ausgelegte Glaubenspraxis ist durchaus gut, solange sie den Menschen hilft, ihre Ängste anzusehen und sich ihnen hinterfragend zu stellen; solange dieser Glaube Liebe säht und positive Impulse gibt, ist er ein gesellschaftlich bereicherndes Element und Grund zu Austausch und Interesse.

Hintergründe und Hörprobe:

Ich plane ein langfristiges Kunstprojekt.

Es geht bei dem Performance-Plan um ein Liedgebet.
Ich nenne die gute Macht nicht beim Namen. Ich selbst sehe Jesus, wenn ich es singe, aber für jemand anderen ist es vielleicht ein anderes inneres Bild vom Göttlichen, das er dabei anspricht. Unter diesem Text findest Du eine Hörprobe.
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Eigentlich war das erste Fenster, das derzeit noch auf meinem Dachboden weilt, für ein Kirchenhauptschiff gedacht.
Ich hatte bereits auch Kontakt zum Pastor der Kulturkirche in Hamburg aufgenommen. Es sollte in der Mitte des Ganges hängen, das Fenster. Die Buchstaben des Gebetes wollte ich aus Blei gießen und an Fäden aufhängen, so dass sie sich bewegen und lebendig werden. Zudem sollte jeder Besucher die Möglichkeit erhalten, in das Lied hineinzuhören.
Und dann kam, wie so oft im Leben, alles anders. Ein Stern fiel in mein Leben und forderte oberste Priorität ein. Nun ist sie fünf, und ich greife den Plan wieder auf, aber vorerst im Kleinen. Oder vielleicht sogar im Gegenteil: im weiter gewordenen Sinne.
Heute sehe ich zwar noch dieses Bild vor mir und wünsche mir auch, es würde eines Tages doch noch dazu kommen. Viel wichtiger ist mir aber, dass nicht nur in einer einzigen Kirche die Menschen dazu kämen, das Fenster zu sehen. Ich möchte auch jene ansprechen, die nie einen Fuß in ein christliches Gotteshaus setzen.
Ich möchte das Fenster an öffentliche Orte bringen, in regelmäßigen Abständen eine andere Stadt bereisen und eine Performance auf der Straße machen und dann das Fenster spenden – am liebsten an eine Institution, die sich für die Integration geflohener Menschen stark macht und frei zugänglich ist.

Meine Tochter erzählt oft, wie jemand repitiere: „Glauben kann man in der Kirche.“

Mit diesem zynischen Wortwitz ist dieser Mensch sicher nicht allein.
Der gelebte Glaube aber braucht keine kunstvoll verbauten Steine.
Sicher, glauben kann man in der Kirche.
Was damit wohl aber gemeint ist: „Glauben sollte man nicht, wenn man nicht naiv sein möchte. Denn Wissen, das ist die wahre Macht und Sicherheit.“
Nun, ich sehe das anders: glauben kann man überall. Der Glaube kann Dir helfen, das Unmögliche zu versuchen, über Dich selbst hinauszuwachsen.
Wenn Du selbst nicht mehr weiter weißt, gibt es immer eine gute Macht, die Dir wohlgesonnen ist und durchaus empfänglich für Deine Fragen und Sorgen. Du hast offene Fragen. Die inneren Rezeptoren müssen geöffnet werden, um die Antworten zu erhalten.
Es gibt Momente, da darf man sich an diese Kraft wenden. Es ist die höchste Form von Mut, sich an sie zu wenden.
Sie, die Kraft – nicht Er, der Gott.
Natürlich ist Vater Sterne eine männliche Kraft. Mutter Erde aber ist weiblich und genauso wichtig.
Wendet man sich nur an die Sterne, verliert man den Boden unter den Füßen. Verdrängt man die Natur, indem man sie asphaltiert, das Weibliche mit dem Schlangenetikett behängt und ein Jünger vom Mediamarkt wird, hat man leider keine Wurzeln geschlagen, die die Kraft der Natur, deren Teil wir sind, zum Herzen leiten könnten. Die Wurzeln, die die Nahrung im Konsum suchen, werden immer nach Außen dringen und niemals das Innere befrieden können. Sie können immer nur kurzfristig einen inneren Mangel befriedigen, langfristig nähren sie ihn aber nur. Es gibt ausgefeilte Manipulationstechniken, die uns weißmachen sollen, wir brauchten all diese Güter, um zufrieden zu sein. In Wahrheit aber engt uns der Besitz nur ein und macht uns zu Menschen, die dem „Mein“ verhaftet sind und Angst haben, zu teilen.
Doch das Teilen ist für mich der eigentliche Sinn im Leben. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Liebe verdoppelt sich, wenn man sie teilt. Es klingt abgedroschen und banal. Aber es ist wahr. Für mich ist der achte Sinn das Teilen, und Erfüllung findet man genau dort, wo dieser Sinn lebendig werden darf. Denn wo man teilt, ist man nicht allein. Die Verbundenheit ist das, was alle Menschen zutiefst ersehnen.Zurück zum Einssein. Die Sehnsucht ist nichts als die Erinnerung daran, woher unsere Seelen kommen und irgendwann hingehen werden.
Menschen, die in unser Land kommen, haben zum Glauben oft einen vollkommen anderen Bezug – andere Bilder, andere Rituale, andere Namen, andere Bücher, andere Kulturen… Und doch ist es eine gute Macht, der sie sich zuwenden. In all der Verzweiflung, das eigene Land, die eigene Geschichte, geliebte Menschen, identitätsformende Werte loslassen zu müssen, gibt es eine unerschütterliche Größe, die einen Gläubigen tragen kann.
Die persönlichkeitsformenden Wurzeln zerfallen zu Staub, wenn die Seele am Ende eines Lebens zu den Sternen reist. Doch Zeit Deines Lebens sind diese Wurzeln scheinbar alles, was Dein Wirken in der Welt tragen kann. Oder gibt es noch mehr?
Warum sind wir hier als fleischliche, endliche Wesen? Was ist die Chance als Mensch, zu dieser Zeit, an diesem Ort, einen liebevollen Einfluß zu nehmen? Und wenn es auch nur ein kleiner Einfluß ist.
Worauf können wir uns fokussieren? Wenn man alles verliert, wofür der Verstand einst kämpfte und glaubte, zu leben, was bleibt?
Flüchtende Menschen stellen sich diese Frage, weil sie gezwungen sind. Sie haben tatsächlich alles verloren, was ihnen einst Halt gab. Und jene von uns, die da kein Mitleid empfinden, scheinen seelisch vollkommen verloren. Es ist unendliche Traurigkeit hinter einem Pegida-Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Unendliche Leere und Perspektivlosigkeit. Enge. So traurig und unfassbar herzlos.
Doch was ist eigentlich dieser Leidensdruck? Dieses Verlangen, alles für sich allein beanspruchen, nicht teilen zu wollen?
Was ist los mit uns? Priviligiert?
Ich glaube nicht. Es ist nur eine andere Seite der selben Medaille.
Wir sind alle Brüder und Schwestern. Menschen auf der Flucht, Pegida Wähler, Frauen, Männer, Kinder, Alte, Reiche und Arme, Raffgierige, Aussteiger und Aussätzige. Wir sind alle auf der selben Speziesmedaille. Das wird heutzutage gern außer Acht gelassen.
Und ich möchte nicht fortsehen, auch wenn es mich fast zerreißt, wie ein Vater in Syrien um seine Kinder trauert. Nicht wegsehen, aber auch wirken. Was kann ich denn tun? Im Kleinen, denn was bin ich schon? Ein Staubkorn.
Und doch bin ich hier.
Ich fühle so viel Liebe, wenn ich mich auf Jesus fokussiere. Aber jemand, der sich auf Mohammed konzentriert und liebevoll an seine Mitmenschen denkt, anderen nur das Beste wünscht, hat die selbe Kraft im Herzen.
Und was der Papst dazu sagt? Was soll er mehr wissen als ich? Er ist mir sympathisch, ja. Er ist aber auch nur ein Mensch. Wie ich. Wie Jesus einer war.
Ich kenne ihn nicht persönlich, den Papst.
Aber ich bin hier, oder?
Und ich habe ein Lied. Es ist schlicht. Es ist einfach. Aber es ist ehrlich. Und vielleicht ist es das Kostbarste, was ich habe.
Es wäre vermessen, zu behaupten, ich hätte etwas „erreicht“. Sowas! Als wären die Worte, die mir zufielen, patentierbar.
Ich meine, Monsanto patentiert Mais!!!! Hallo? Genau! Das ist absurd.
Mensch zu sein, das ist eine Herausforderung, eine Aufforderung.
Existieren wir? Glauben wir? Wissen wir? Haben wir wirklich eine erstrebenswerte Kontrolle über unser Leben?
Oder gibt es noch etwas viel Wichtigeres, das über das Persönliche hinausgeht? Gibt es ein Erleben, das Sinn und Sinne benetzt? Ich denke und fühle: ja.
Es ist unbegreiflich. Es ist ein Wunder. Es ist schmerzhaft, oft einsam. Es ist unglaublich grenzensprengend endlos, das Leben.
Und irgend etwas Gutes soll von mir ausgehen. Das wünsche ich mir wirklich. Irgend ein „Danke“ an das Licht. Ein Teilen mit allen.
Ich kann es so schwer beschreiben. Es gibt vielleicht keine Buchstaben, die es könnten: meine Liebe für meine übergeordnete Familie.
Die Menschen.
Natürlich sind sie unfassbar grausam, die Menschen, wenn sie verloren sind in Angst und Hass.
Ich würde mir niemals anmaßen, zu behaupten, ich hätte einen Weg gefunden, der allgemein gültig ist.
Doch haben wir an jedem Tag die Möglichkeit das Fenster, das aus Angst und Vorurteilen gemacht ist und unser Herz verriegelte, zu öffnen.
Ich weiß, es gibt eine gute Kraft, die liebevoll auf uns blickt und IMMER da ist, wenn wir sie ansprechen.
Sie wirkt in uns, wenn wir uns trauen.
Das Gebet „Fenster“ ist ein ebensolches Ansprechen. Es ist ein mutiger Schritt auf das Göttliche in mir zu.
Das Fenster ist noch mehr. Es ist ein Schlüssel zur Selbstverantwortung.
Natürlich ist es leichter, an eine Macht von oben oder von außen zu glauben, Hilfe zu erbitten.
Die erschreckende Wahrheit ist aber: man braucht den Mut, sein eigener Gott zu sein, um wirklich zu erkennen, dass Gott Dir nicht helfen kann, wenn Du das Göttliche nicht in Dir selbst erkennst.
Kirchensteuern, Helfersyndrom, Terroraufopferung – im Schatten wie im Licht: die Verantwortung an Gott abzugeben, wird uns nirgendwohin führen. Weder die Vorstellung von Jungfrauen noch jene der Sorglosigkeit im Himmel werden uns JETZT weiterbringen und etwas verbessern, was irdisches Leid verursacht.
Das verbindende Element zwischen uns allen, das wir nur finden können, wenn wir es in uns selbst beginnen, zu suchen, ist die Liebe und zwar die bedingungslose.
Kein „gehen sie über Los und beten sie einhundert Vaterunser am Tag“ wird uns helfen, praktisch zu leben, ohne dabei anderen zu schaden. Der gelebte Glaube sollte uns nicht die Lebenszeit rauben. Er sollte uns helfen, unsere Lebenszeit bewusst zu nutzen.
Nur das Verbinden mit der guten Kraft. Das könnte Hilfe sein. „Zeige mir das Fenster in das wahre Leben.“
Das ist der Tenor meines Liedgebets. Der Glaube soll mich nicht ideologisch weit weg bringen von meinen Ängsten und Sorgen. Er soll mich nicht retten. Ich möchte mich nicht verstecken. Ich bitte vielmehr die gute Kraft, mir zu helfen, meine inneren Fenster zu öffnen und meine begrenzten Vorstellungen zu überwinden. Und ich glaube, dass dies jeder Mensch nötig hat. Wir alle sind bis zum Lebensende auf dieser Reise, niemals fertig damit.
Jeden Tag können wir alle uns erinnern, dass nur wir selbst, nicht Gott, etwas ändern können, er aber sehr wohl dabei helfen kann, uns zu verändern und loszulassen, was unsere Angst einst fütterte.
Damit die Liebe wachsen kann und auch das Vertrauen.

Das musikalische Gebet, so ist meine Idee, soll verpackt sein in ein von mir gemaltes Fenster, das man hinstellen kann, indem man es öffnet.

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Wer möchte, kann ein kleines Teelicht davorstellen.

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Es gibt eine Version mit und eine ohne Gesang darauf und man kann mitsingen oder schweigen. Ganz egal, was Du meinst, zu sein: Christ, Buddhist, Moslem, Jude, Hindu, Indianer…

Wenn Du Attheist bist, dann singe die Liebe an. Sie wird Dich hören.
Das wäre mein Beitrag für mehr Frieden in der Welt.
Denn der Frieden beginnt in uns selbst.
Das gute Licht, egal in welchem Gewand es sich auch zeigen möchte, macht da keine Unterschiede. Die Liebe ist universell.
Lasst uns den Fokus auf das richten, was wirklich zählt und der Angst den Sauerstoff zum Lodern nehmen, denn die Liebe braucht alle Luft, die sie kriegen kann, um wieder zu atmen.
Es brennt auf der Welt. Und die Liebe soll ein Feuer entfachen, das sich entgegen stellen kann.
Übrigens ist dies eine Technik, die durchaus auch bei Waldbränden eingesetzt wird. Feuer gegen Feuer.
Wir sollten die Schatten annehmen. Wir können sie nicht ausmerzen. Die Dualität ist das Leben.
Doch das Gleichgewicht zwischen den Polen ist aus dem Ruder. Es ist ein Prozess, es wieder herzustellen.
Das schaffen wir nur gemeinsam.
 
Du bist wichtig. Glaube wieder an Dich. Und glaube an die gute Macht. Nimm Kontakt auf zu der guten Macht.
Sie braucht keinen Namen. Sie ist ein Teil von Dir.
 
Deine Lina

Fenster


Hol das Sehn in meine Augen
Schein das Licht in meinen Stern
Form das Glück aus alten Sorgen
Lenk mein Leben in die Bahn
Dann zeige mir die Weite in den Worten und
hol mich in dein Land
die Erde in der Hand
Lehre mich, den Augenblick zu lieben
Jedes Korn im Sand
Und dann zeige mir das Fenster in das wahre Leben
Gib mir Zeichen, setz die Weichen
Hol mich ab von wo ich steh
Mach mich unsichtbar für Geister
Weih den Weg, auf dem ich geh
Dann zeige mir die Liebe in den Herzen und
lehre mich Vertraun, mich nicht mehr umzuschaun
Erinner mich ans Fliegen
Lehre mich das Siegen
und verwende mich
Dann zeige mir das Fenster in das wahre Leben
Führ mich durch die Nacht der Zweifel in das Morgenrot
Bring das Neue in mein Sein
Sprich zu mir in Reimen
Bring mich in den Garten
Ich kann nicht länger warten
Dort scheint mein Seelenlicht direkt in mein Gesicht
Ich fühle meine Flügelschwingen
die Freude mich durchdringen
Kaleidoskope Farben heilen alle Narben
Hier im wahren Leben bin ich bereit zu geben
Das Fenster hängt schwebend in der Zeit
weit geöffnet