shoobadoop morning song

Kennst Du das Problem mit der springenden Platte?

Ich mein jetzt nicht im wörtlichen Sinne eine aus Vinyl. Eher im übertragenden… Ich spreche davon, wenn die Lebensplatte springt.

Andere Protagonisten, andere Instrumente, vielleicht sogar ne ganz andere Tonart… Aber doch immer der selbe Sprung im Song.

Ein lieber Freund von mir würde es so beschreiben: „die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung.“

Sozusagen die gelebte Repeat-Taste…

Wie so ein Schluckauf, mit dem man nicht rechnet. Der kommt auch nicht, weil irgendwer grad an Dich denkt. Vielmehr weil jemand ne Weile zu lang nicht an Dich gedacht hat. Und dieser Jemand bist Du…

Wie Du vielleicht schon erahnst, geht es da um die Regie der Hormone, die nicht abwarten können, dass das Herz hinterher kommt. Schwups, hast Du zu schnell mit ihm Wein getrunken, hups ein Kuss und dann?

Du wachst auf und bist ganz glücklich, und vergißt, dass Du auf Droge bist. Du glaubst, dieses Glück währt ewig und Dein Herz vertraut diesem Gefühl, weil es so übermächtig schön ist… weil es sich schon so lang danach gesehnt hat: Magie…

Ja vollkommen unerwachsen, was dabei herauskommt, wenn man meint, man könne ja mal die Augen aufmachen, die Vorsicht beiseite legen und schlechte Erfahrungen in die Tonne tanzen.

So erwachsen und ernüchtert ist man, dass man glaubt, so ein bißchen Kissenwühlen könne nichts mehr daran ändern, dass man wüßte, wie der Hase läuft. Die vorsätzliche Abgebrühtheit hält sich selbst für ach so mutig.

Und da kommt Dir wer über den Weg gelaufen.

Ein wandelndes Klischee vielleicht, oder so einer, der fast nur schweigt, aber so eine interessante Brille aufhat. Die Brille umrahmt liebevolle Augen, aber vielleicht bildest Du Dir das ja auch nur ein…

Eine geteilte Nacht, dann geht man seiner Wege. Warum denn nicht… Oh, aber bitte nicht bei mir. Nur für den Fall, dass ich das Weite bevorzugen sollte. Man weiß ja nie.

Doch dann wurde da so ein Abend draus. Man sitzt auf dem Boden, hört Musik. Wasserfallaustausch… Neugierde. Die Zeit eilt. Doch das ist uns egal. Denn wir sind in einer anderen Sphäre gelandet. Was auch morgen an die Küsten branden mag, was auch verborgen hinter den rauhen Felsen, neue Wälle hochzöge, wenn´s irgendwann ernst würde.

Doch das wird es nicht. Das ist passé. Ich mein, Du weißt doch, irgendwann käme ein Stück, da geht´s nicht mehr zurück, da geht´s nur noch weiter oder die Nadel hoch. Aber wer will da schon aufstehen, wenn´s grad so gemütlich geworden ist? Das nervt irgendwann. Und wer kann schon einschätzen, ob er dieses Mal die nötigen Reserven und das nötige Sternenstaub Quäntchen im Bewusstsein haben wird, es sich dann anzusehen, diesen Sprung so lange auszuhalten, bis der Fehler im System gefunden ist?

Sei´s drum.

Der Sprung in der Platte, der kommt viel später, und so sagst Du Dir: „Ich denk jetzt nicht dran. Ich lebe. Ist doch eh passiert jetzt. Schon geschehen…“

Und Du wachst auf, irgendwie benommen und hochgradig sensibilisiert. Neben Dir, da sitzt das kleine Mädchen, das schon so lang von der Erwachsenen beschützt wurde, und grinst Dir frech ins Gesicht. Nase an Nase. Du hast so viele Sommersprossen vor Augen, dass sie gerieben werden müssen. Da liegt eine weibliche Person auf Deiner Seite des Bettes, die schon fast vergaß, dass es sie noch gibt. Die fast vergaß, wie erwachsen sie eigentlich schon ist. Würde nur das Männlein im Ohr mal die Klappe halten und Sie einfach machen lassen. Ha!

Letzte Nacht hatte das Männlein nicht den Hauch einer Chance, wohl aber der Mann, der da zerzaust den anderen Platz einnimmt… Welch ein Sieg über die Regie im Oberstübchen. Welch ein Augenblick! Das kleine Mädchen springt auf und tanzt, und die Frau weiß nicht so, ob sie jetzt auch schon aufstehen soll. Die Wohnung ist auf einmal hell. Der Raum wirkt größer als am Abend zuvor.

Eine Stunde später sind die Schuhe, die zuvor auf Kleidern Tango tanzten, wieder an den Füßen. Die unsichtbaren Blumen blühen noch auf dem Berg aus zerknautschter Bettwäsche. Ihre Farben sind überall.

Wir sind still geworden. Kaum ein Wort. Nur leises Grinsen. Und das Kind will quasseln. Und die Frau will es schützen und doch lässt sie es ein wenig gewähren. Der, vor dem sie es nicht zu verbergen bräuchte, wird sich zu erkennen geben. Und wer beide nicht zusammen lieben kann, dürfte verschwinden wie der Morgennebel auf den Feldern. Vorgefertigte Ideen von Sinnlich- und Persönlichkeiten werden nun auf Kompatibilität geprüft – am meisten wohl am Morgen, wenn der Rausch nachlässt und die Verletzlichkeit durchzuschimmern beginnt.

Wie ein glucksendes Küken, wie ein schwebender Schwan, wie eine Waldhexe, die die tief umarmende Sprache der Bäume verstehen kann. Tausend Sekunden in einer, und der Kaffee riecht. Und der Raum riecht auch und das Licht scheint durch dreckige Single-Fenster, und ein Handy macht einen polyphonen Ton. Da meldet sich die Zeit, die Welt, die Künstlichkeit im Außen. Alles, was uns ablenkt von den wichtigen Dingen… Unsichtbare Funkwellen durchschneiden die Luft wie eine Guillotine.

Er nimmt das Handy in die Hand.

Ein Kratzen auf der Platte…