über die Demokratie reden tun viele…

So sieht man aus, wenn man einige Nächte politisch interessiert und auch besorgt vor dem Rechner hockt und dann, um auch mal in die Bewegung zu kommen, an einer Demo für den Frieden teilnimmt, an der vierzig Altachtundsechziger und zehn jüngere Mitbürger ebenfalls teilgenommen haben, während hunderte Konsumenten an der kleinen Versammlung vorbeipilgerten und guckten, als hätten die Demonstranten einen an der Latte, wenn sie sich nicht zu fein waren, überhaupt einmal rüberzublinzeln.

Meine Güte. Da bin ich seit Jahren auf Facebook aktiv, tausche mich aus, sehe den flächendeckenden Unmut unter den Bürgern, lese wirklich auch den einen oder anderen klugen Kommentar, vor allem sehe ich den begrüßenswerten Austausch (an der gewaltfreien Kommunikation arbeiten wir noch!) unter Andersdenkenden. Hunderttausende Mitglieder in systemkritischen Facebookgruppen, die alle vom Leder ziehen und sich aufregen, als hätten sie den Robespierre gefrühstückt.

Doch die Straßen nach der Twitterdrohung eines Trump sind gähnend leer.

Ich frage mich, wieso? Die Friedensbewegung war vor den sozialen Medien viel stärker. Was meint ihr, was vor zehn Jahren los gewesen wäre, wenn der amerikanische Präsident dem russischen Präsidenten eine veröffentlichte Sms geschrieben hätte, in der er mit Raketen droht?

Ich habe mir gestern viele Gedanken darüber gemacht.

Rummeckern und austauschen kann und soll man sich gern weiterhin auf Facebook, vor allem in den Gruppen, die sich den politischen Widerstand auf die Fahnen schreiben. Die Recherche wird extrem vereinfacht, wenn wir unser Wissen teilen. Das ist ja gut.
 
Ich gebe jedoch Folgendes zu bedenken: die Mitglieder dieser Gruppen werden fein beobachtet und geben der modernen Stasi sogar wertvolle Hinweise auf Einzelpersonen, die es genauer zu beäugen gilt. Niemand ist unangreifbar. Je mehr sie aber werden, desto schwieriger wird die Überwachung!
 
Letztlich dürfen wir aber eines nicht vergessen: Wirklich bewirken kann man nur etwas auf der Straße. Das Entladen der Unzufriedenheit über politische Entscheidungen anderer auf Facebook verhindert!!!! den Widerstand, wenn´s beim Kommentieren bleibt.
Vor allem in den FB-Gruppen wie Frieden Rockt, die Anstalt, KenFM für Systemkritiker oder auch in der Tagesschau-Kommentar-Funktion wird der Friedensbewegung die Energie entzogen. Warum?
Denkt mal drüber nach, warum die noch online sind und von Maas noch nicht gelöscht wurden.
Ich ahne warum die Anstalt noch auf Sendung geht. Auch die Facebook Connection wird immer seltener benutzt, um sich im wahren Leben da draußen, wo der Bürger gesehen und gezählt wird, zu verabreden.
Man sollte meinen, das wäre andersherum. Ist es aber nicht.
Weil alle ihren Unmut schon losgeworden sind oder weglachen konnten, bevor sie ihren Hintern überhaupt bewegt haben.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf und habeauf FB eine Gruppe ins Leben gerufen, die zum Organisieren genutzt werden kann. Ich lasse mich wirklich gern eines Besseren belehren.
Also raus da!
Zeig dein Gesicht und lebe die Demokratie, solange es sie noch gibt.
Wenn du still und leise kritisch denkst, ohne ein Teil der Masse zu werden, die die Veränderung verlangt, wirst du zusehen, während alles den Bach runtergeht – ganz egal wie beliebt deine Posts bei den anderen Politikbesserwissern waren.
Am Tag danach, als in den frühen Morgenstunden Trump, Macron und May Syrien völkerrechtswidrig angriffen, waren es um 14 Uhr noch weniger Leute, die ihr Gesicht zeigten.
Am Bahnhof Sternschanze versammelten sich die Friedensbefürworter, um, so war der Plan, nach einer Kundgebung zum amerikanischen Konsulat zu laufen.
Man wartete eine Stunde. Doch mehr als dreißig Leute konnten sich scheinbar nicht aufraffen, um für den Frieden und das Völkerrecht zu demonstrieren, OBWOHL eine direkte Konfrontation mit Russland droht, der NATO-Bündnisfall einträte, wenn Putin, wie angekündigt, amerikanische Kriegsschiffe angreift. Wenn ein Krieg zwischen Russland und Amerika ausbricht, ist doch wohl allen klar, dass Deutschland akut bedroht wäre, da hier die Atomwaffen Amerikas stationiert sind. Doch das interessiert die Menschen nicht in diesem Lande. Sie gehen vorbei und hören nicht einmal zu. Den Weg zum Konsulat hat man sich dann gespart.
Armes demokratisches Deutschland…
Ich hoffe, dass wenigstens in Berlin ein anderes Bild gezeichnet wird vom Zustand unserer Demokratie.
Die Menschen fügen sich scheinbar in ihr fremdbestimmtes Schicksal.
 
Wer von Demokratie redet und die Politiker dafür verurteilt, sie zu verraten, sollte zuallererst bei sich selbst anfangen, und seine demokratische Pflicht als Bürger auch erfüllen.
 
Dabei fühlt man sich nach einer Demo besser als vorher, selbst wenn die Anzahl der Demonstranten deprimierend gering ist. Warum?
Weil man die Apathie überwunden hat.
Was der Sport für den inneren Schweinehund, ist die Demonstration für die innere Hoffnungskillermilbe, die sich mit ihren Entschuldigungen und negativen Glaubenssätzen in das eigene Selbstverständnis hineinfrisst und den Bürger, der vergessen soll, dass er ein gleichwertiger Mensch ist, von innen aushöhlt.
 
Die Seele leidet unter diesem ganzen Mord und Totschlag.
Ja, das stimmt. Und wie das stimmt!!!
Aber diesen auszublenden, obwohl die Seele ihre natürliche Fähigkeit zum Mitgefühl zeigt, und sich selbst vorzumachen, es gäbe ihn nicht, den Mord und den inszenierten Totschlag, um dann den völkerrechtswidrigen Angriff zu legitimieren, ist so, als würde man glimmende Asche unter den Teppich kehren.
Irgendwann fängt es an, zu stinken.
Je mehr man das verdrängt, desto mehr entfernt man sich vom menschlichen Erden-Kollektiv und isoliert sich in der eigenen Parallelwelt eines Landes, dass Waffen an Mörder verkauft, dritte Weltländer ausbeutet und sich mit Angriffskriegern verbündet.
Wenn du auf der Straße warst, hast du deinen Unmut authentisch mitgeteilt. Du hast deine Identität als BürgerIn gelebt. Du warst deinen Überzeugungen treu. Du wurdest gesehen und hast nicht nur dabei zugesehen, wie man die Werte, an die du glaubst, in deinem Namen verrät.

Der beste Spruch, den ich bezüglich dem Zustand unserer Demokratie oder besser der bürgerlichen Bereitschaft, die Demokratie zu leben, gehört habe, ist:

„die Leute, die der Kriegsgefahr Ihre Aufmerksamkeit schenken, geben dem Ganzen nur zusätzliche Energie und sorgen somit dafür, dass die Bewegung gen Krieg erst Fahrt aufnimmt.“

Mit anderen Worten: wer auf eine Demo gegen den Krieg geht, macht sich am Krieg mitschuldig. Dass ich da noch nicht selber drauf gekommen bin!!!

Die demokratische Totalverweigerung findet also auch quantenphysikalische Begründungen.

Meine Freundin Katrin und mein Freund Sadik und ich haben heut Abend geredet.

Es ging darum, warum die Friedensbewegung seit den sozialen Medien kaum noch den Weg auf die Strasse findet.
 
Können wir unsere Hoffnung in die junge Generation setzen?
Wie kann man sich alternativ für die Friedensbewegung stark machen, wenn die Beschäftigung mit dem weit entfernten Grauen und der ach so nahen Ignoranz da draußen einen zu sehr runterziehen?
Mich beschäftigt auch privat seit ein Paar Tagen, wie wenig manche Menschen, die gern von spirituellen Themen und von Bewusstseinsschulung sprechen, in ihrem alltäglichen Umgang bewerkstelligen, vom Guten im anderen auszugehen, dafür aber hinterm Rücken reden oder ihre Worte so benutzen, dass sie herabsetzen oder verletzen – ohne mit der Wimper zu zucken.
 
Wer nicht spurt, wird ausgegrenzt. Der Rubel, oh, Verzeihung, Euro muss rollen.
 
Wie hart müssen wir denn noch werden, um in dieser Gesellschaft funktionieren zu können und harte Zeiten durchzustehen?
 
Ich für mich merke immer mehr: lieber reduziere ich, was ich materiell brauche, als mich menschlich weiter auf dieses Niveau herabzulassen. Ich ziehe mich zurück und kontaktiere die Menschen, die achtsam mit mir sind, meide die Orte, die mir nicht gut tun und pflanze Blumen in Balkontöpfe.
 
Und ich beobachte, dass viele Menschen die ich sehr schätze, sich aus diesem Grund von der Politik zurückziehen. Wer per Twitter Kanonen ankündigt und mit Raketen zurückdroht, wer daraufhin nicht einen kritischen Satz über die Lippen bringt und im entscheidenden Moment den Kopf einzieht, kann nicht von den Menschen verlangen, dass sie ihn/sie noch ernst nehmen.
 
Die meisten sind komplett überfordert damit.
 
Sadik und ich haben über die Vertrauenswürdigkeit von Amerika, China und Russland, über die Gleichschaltung der Europäischen Regierungen mit der U.S.Amerikanischen gesprochen.
 
Erste Feststellung war, dass es nötig wäre, dass Europa sich von den U.S.A. wirtschaftlich emanzipiert, sich nicht von Russland/China umgarnen lässt, sondern selbst eine Verhandlungsgröße wird, die mitbestimmt, anstatt sich diktieren zu lassen, auf welcher Seite (Ost oder West) es stehen soll.
 
Zweite Feststellung war, dass es längst alternative Energieformen gibt, die unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen beenden könnten, würden die Entscheider in Industrie und Politik es nur voranbringen, diese auch aufs Laufband zu bringen.
 
Dritte Feststellung war, dass wir auf der Erde endliche Ressourcen und fossile Schätze haben, die unter allen Erdenbewohnern nachhaltig und gerecht aufgeteilt werden sollten, damit die Kriege darum nicht mehr notwendig sind.
 
Vierte Feststellung war, dass es sch…egal ist, ob du Moslem, Jude, Christ, Buddhist, Ungläubiger oder Alienanhänger bist: solange du Mensch bist, hast du ein gleichberechtigtes Recht auf Leben und Sicherheit wie jede/r andere auch auf dem Planeten. Der Genozid an den Muslimen muss aufhören.
 
Wenn man die Geburtenrate betrachtet, sterben die Christen irgendwann aus. In den wohlhabenderen Ländern, geht die Geburtenrate zurück.
 
Wir brauchen ein weltweit gerecht verteilendes Finanzsystem, eine gemeinschaftliche, dezentrierte Wirtschaft, die Entmachtung der Waffenindustrie, ein Dach, ein Bett, Nahrung und Bildung für jede/n von uns..
 
Momentan bestimmt das Konkurrenzdenken die kleinen und auch die großen gesellschaftlichen Prozesse. Wenn wir nur einmal darüber nachdenken, was möglich wäre, wenn wir uns zusammentäten und unsere Stärken zusammenlegten…
 
Reichtum sollte zum Geben verpflichten. Die Gesellschaft und die kapitalismusgeschulten Köpfe sollten neu denken und die Unmöglichkeit des ewigen Wachstums akzeptieren. Wenn viel Geld bedeutet, dass woanders weniger davon da ist, müssen wir über die Automatismen diskutieren.
Wie also schaffen wir es, gerecht zu verteilen und Leistung anzuerkennen, ohne die Bewertung der Leistung zu staffeln? Altenpfleger, Mütter, Kindergärtner, Künstler, Tischler, Kassierer, Automechaniker, Lehrer, Ärzte, Psychologen sollten nicht wegen des höheren Gehaltes einen Beruf erlernen, sie sollten es tun, weil es ihrem innigsten Wunsch entspricht, jeden Tag zu dieser Arbeit zu gehen und ihre Aufgabe zu erfüllen. Und KEINER von ihnen sollte Angst um die Chancen seines Kindes oder die eigene Rente bzw. würdevolle Pflege fürchten.