Lina Hawk

Anschläge auf Kirchen und Synagogen in der öffentlichen Wahrnehmung

Scheinbar soll eine Angst davor verbreitet werden, den christlichen oder gar jüdischen Glauben zu leben. Die Medien behaupten, dass Islamisten uns diese Angst eingeben wollen durch ihre Gewalt. Der böse schwarze Muselmann ist immer Schuld daran.
Natürlich will niemand rassistisch rüberkommen, aber die vielen rechten Wähler sprechen eine eindeutige Sprache: 

die Botschaft ist angekommen im bürgerlichen Raum: die Muslime überrennen uns und unter ihnen die Bösewichte!!! Aber diese sogenannten „Bösewichte“, ob man sie nun bewusst oder unbewusst angelockt hat, spielt in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle, besitzen nicht ein Einstel so viel Macht wie unsere Medienhäuser. Das nennt man Framing.

Aber was folgern wir daraus? Lassen wir uns unbewusst durch diese Angst den Glauben abtrainieren und immer mehr durch den Glauben an das Geld ersetzen? Das kann man nämlich auch schon lange nicht mehr anfassen.
Wir sollten uns einmal Gedanken darüber machen, warum wir immer noch Gotteshäuser besuchen müssen, um den Glauben an eine gute Kraft gemeinsam zu leben. Es gäbe unzählige schöne Orte, an denen wir zusammenkommen könnten.
 
Gerade ist Ostern vorbei.
 
Ich brauche keine goldenen Kerzenständer auf einem Altar, um an Jesus zu denken. Ein Muslim aus Syrien lebt seinen Glauben, auch ohne dass sein Gotteshaus noch steht oder er es noch erreichen könnte, nachdem er fliehen musste. Der Glaube findet im Kopfe und im Herzen statt.
 
Nicht nur in christlichen Kirchen stürzt dieser Tage das Dach ein. In den Kriegen der letzten Jahre sind eine Menge Moscheen gefallen. Über die wird in unseren Medien nicht berichtet.
Die Menschen sollten aufhören, sich in unterschiedliche Räume und Rituale zu separieren, um zu glauben. Sie sollten sich darum bemühen, eine gesunde Neugierde und ein wohlgesonnenes Interesse aneinander zu entwickeln.
Was ist denn Religion?
Die Natur und unsere Körper sind der Tempel, der Raum, in dem sich die guten Potentiale der Menschheit entfalten können. Darum geht es doch eigentlich in jedem Glauben!
 
Wenn wir uns nicht mehr in bessere und schlechtere Kategorien unterteilen (oder uns vorschreiben lassen, dies zu tun), wenn wir an jedem Tag, zu jeder Gelegenheit an jedem Ort dem guten Potential in uns Glauben schenken, werden die Kulturen in den Herzen lebendig sein und trotzdem friedlich nebeneinander leben können.
Aber jeder, der weiterhin zu einer Arbeit geht, die Waffen in die Welt bringt, sollte augenblicklich nicht mehr hingehen.
Jeder, der dem Militär dient, sollte augenblicklich nicht mehr hingehen.
Jeder, der an Gaming Conventions teilnimmt, um durch das virtuelle Morden Anerkennung zu gewinnen, sollte damit rechnen, dass die Army auf ihn zukommen und ihn anwerben wollen wird, wenn er unter den besten ist: die Computerballerei ist nach Armeeprogrammen konzipiert worden. Die Gewinner von heute sind die potentiellen Killer von morgen. Waffenindustrie und Computerspielprofiteure gehen hier Hand in Hand.
Abgesehen davon leidet ein ganz entscheidender Teil des Gehirns von Heranwachsenden, wenn sie ständig am Joystick hängen und sich cool finden, wenn sie wieder zehn Leute am Nachmittag abgeballert haben: die Fähigkeit zum Mitgefühl, die Verknüpfung von Sinnlichkeit und Lerninhalten, der natürliche Bewegungsdrang, die Fähigkeit, eigene Phantasie zu entwickeln und in die Realität zu transportieren und das Gespür für ein gemeinschaftsfähiges Verhalten, das nicht auf Machtstrukturen sondern auf Empathie und Spiegelneuronen basiert. Die Parallelwelt im Bildschirm ersetzt die Welt der wirklichen Bewegung, der sozialen Auseinandersetzung, der Langeweile, aus der die Phantasie sich gebiert.
Das, was alle Religionen eint, ist der Glaube und das Bedürfnis, dass es eine wohlwollende Kraft gibt, die hinter allem steckt, was in Bewegung und dem Gesetz der Veränderung unterworfen ist und lebt.
 
Wir sollten uns nicht auf die Unterschiede fixieren sondern auf das, was uns eint.
 
Die Zerstörung und die Vergänglichkeit sind nicht das selbe.
Wut und Hass kommen aus dem Schmerz und aus der Angst.
Der Tod ist das, was eintrifft, wenn eine Blüte ihr Potential entfaltet und aus voller Lebenslust heraus gelebt hat. Mit ihren Blütenblättern fallen auch die Samen für das neue Leben auf die Erde und sähen einen neuen Anfang.
 
Blinde Wut, Projektion und Hass sind lebensfeindlich.
Sie kommen aus Verletzung, Kontrollsucht/Angst und Manipulation.
 
Wir können das überwinden durch das Mitgefühl und die Klarheit, die uns die Liebe schenkt.
 
Vielleicht sollten wir nicht den Glauben aber die Separation durch die Religion überwinden.
 
Wir sind tief im Inneren gleich. Wir haben die selben Bedürfnisse.
 
Niemand ist näher an Gott als der andere.
 
Niemand kann die Verantwortung für uns übernehmen: kein Rabbi, kein Imam, kein Papst…
 
Wir sind es, die erkennen müssen, dass jeder auf diesem Planeten ein Bruder für uns ist, ganz egal wie er lebt und woran er glaubt.
 
Mögen die Seelen der Getöteten ruhen. Mögen die Samen ihrer Seelen neu keimen und ein neues Bewusstsein in die Welt zurückbringen, das der Gewalt, die ihr Leben forderte, mit friedvollem Vertrauen ins Gesicht blickt, ohne die Lider zu senken.
 
Mögen die, die noch leben, sich nicht von Rachegefühlen und Hass leiten lassen. Mögen die Zeugen erkennen, dass ihre Angst und mit ihr das Bedürfnis, den Lauf der Zeit zu kontrollieren, keine guten Ratgeber sind, weil sie das Leben einschränken und die Gewalt weiter antreiben würden.
 
Vertrauen und Zuversicht, Glaube und Einigkeit stehen der Angst und der Kontrolle gegenüber.
 
Mögen alle Soldaten ihre Waffen niederlegen und Bäume pflanzen, wenn sie nach Hause kommen.
 
Mögen alle, die Waffenteile und Munition fertigstellen, sich in Zukunft verweigern. Es wird eine neue Aufgabe für sie geben.
 
Möge jeder, der an heilige Gebote, egal welcher Religion, glaubt, die Kraft haben, auch nach ihnen zu leben und auf Dinge zu verzichten, die Leid und Armut erzeugen.
 
Mögen die Menschen endlich den Mut finden, sich auf das Neue zu fokussieren und loszulassen, was das Alte nährte.
 
Mögen die Heiliggesprochenen, die einst ihr Leben für diese Idee ließen, uns ihren Geist schenken und uns beistehen, damit wir unser Potential entfalten.
Es kann nicht schaden, wenn wir uns an sie erinnern. Es kann nicht schaden, wenn wir die Heiligen der anderen achten, auch wenn wir an andere Heilige glauben.