Achtung Männer! Dieser Artikel ist gnadenlos konfrontierend… Er richtet sich aber im Allgemeinen an uns alle und soll uns zum Nachdenken darüber anregen, wie wir in der aktuellen Zeit unsere weiblichen und männlichen Anteile besser in Einklang bringen können, damit die schweigenden inneren Kinder endlich Gehör finden und heilen können. Warum? Weil wir alle erst dann wirklich erwachsen werden können.
Also, warum sind so viele innere Kinder verwundet und bringen die Ausgewachsenen dazu, ungesunde Beziehungsmuster zu wiederholen?
Ist das innere Kind verletzt davon, dass jene, deren Pflicht es gewesen wäre, sich um seine Emotionen zu sorgen und sein Wohlergehen auf Seelenebene zu priorisieren, es stattdessen nur verwaltet und als seelisches Wesen mit dem Bedürfnis nach Kontakt und emotionaler Stabilität alleingelassen haben, entsteht eine Entwicklungsstörung – ein Konflikt, der das ganze Leben beeinflusst – und das solange der Erwachsene sich dieses Problems nicht annimmt und nachnährt, was im Mangel war: allein für sich aber auch gemeinsam in einer heilsamen Verbindung.
Manche inneren Kinder wurden für ihre Emotionen gar bestraft und existenziell abgelehnt. Manchen hat man ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit obendrein gänzlich abgesprochen. Diese Wunde sitzt sehr tief und macht einen großen Teil der menschlichen Sehnsucht nach Heilung aus.
Die Seelenanteile, die sich unsichtbar und unfühlbar machen mussten, als der Mensch noch klein war und langsam größer wurde, haben gelernt, keine Erwartungen mehr zu haben und sich entweder auf sich selbst und die Einsamkeit zu besinnen oder das eigene Innere genauso zu vernachlässigen, wie es vernachlässigt wurde.
Baut der erwachsene Mensch, der sein wahres Selbst leugnet, körperliche Nähe auf, sodass der Körper Bindungshormone aktiviert, fühlt sich das innere Kind bedroht, weil es nicht wieder verlassen werden möchte und sein Bedürfnis nach emotionalem Austausch nicht gesehen, geschweige denn erfüllt wird. (Da wirkt also die Angst vor Widerholung.)
Auf energetischer Ebene ist die körperliche Vereinigung ein hochspiritueller Prozess, der nicht nur zwei Menschen zusammenbringt, sondern ihre Familiensysteme – inklusive ungesunder Beziehungsmuster, verleugnetem Schmerz und transgenerativer Traumatisierung. Je ungleicher die Fähigkeiten zwischen beiden Intimpartnern verteilt sind, Gefühle zuzulassen oder zu vermeiden, Kommunikation anzustreben oder zu umgehen, desto mehr unsichtbare Lasten trägt der fühlende Partner auf seinen Schultern, über die dringend und rechtzeitig gesprochen werden muss, damit die Liebe ihren Zweck erfüllen kann: alles aufzudecken, was ihrem Fluss im Wege steht und den Menschen davon abhielt, sich selbst zu lieben.
Wird in der Kennenlernphase Schutz und emotionales Interesse vorgegaukelt und eine langfristige Bindungsabsicht vorgetäuscht, gerät das innere Kind des vertrauenden Menschen in eine Falle, aus der es sich nicht mehr retten kann, wenn es sich erst einmal emotional gebunden hat. Der fühlende Erwachsene, also der Mensch, der sein Herz öffnet und sich beziehen möchte, versucht, Sicherheit zu finden, um sich in der Bindung entspannen zu können. Wenn dann aber diese emotionale Sicherheit nicht eintritt, obwohl sich das Innere im Vertrauen auf das Vorgegebene bereits geöffnet hat, wechselt der fühlende weibliche Anteil in den Überlebenskampf und hyperventiliert. So entsteht das Traumabonding – eine ungesunde Abhängigkeit, die sich in klammerndem Verhalten oder übersprudelnder Kommunikationsbereitschaft zeigt. Der Mensch mit dem Bedürfnis nach Verbindung legt den Fokus zu sehr auf den anderen, der auf einmal das Versprochene entzieht, und verliert darin den Blick für all das, was mit sich selbst Sicherheit und Perspektive gab.
Wird eine verschweigende, verschleiernde oder gar täuschende Kommunikation angewendet, um Intimität und Vertrauen zu erzeugen, ohne dass eine wahrhaftige Absicht besteht, Kontakt auf Seelenebene herzustellen und verantwortungsvoll zu erhalten und auszubauen, können getäuschte Erwachsene, die bereits an sich gearbeitet haben, im Kontakt mit ihren Gefühlen sind, Heilung anstreben und – im Gegensatz zu der kongnitiv kontrollierenden Persönlichkeit – schon ein gutes Stück auf ihrem Seelenweg vorankamen, durch diesen Betrug und Missbrauch so sehr retraumatisiert werden, dass sie den Halt im Leben, das Vertrauen in ihre Mitmenschen und die Hoffnung verlieren.
Öffnet sich ein Mensch, der als Kind emotionale Vernachlässigung oder gar Missbrauch erlebte, als Erwachsener der Liebe, möchte er ein neues gemeinsames Leben aufbauen, in dem die Kindheitswunde heilen kann. Ist das Gegenüber noch nicht in den Kontakt mit dem eigenen verletzten inneren Kind gekommen – hält es sich an der Persönlichkeit fest, die das innere Kind zum Schweigen bringt, erschafft der weibliche Wunsch nach Kommunikation auf Seelenebene so viel Druck, dass das kontrollierend Männliche konträre Vermeidungsmuster aktiviert. Diese Mechanismen wurden im Laufe des Lebens etabliert, um den Kindheitsschmerz zu überspielen. Entstehen geistige Nähe und Körperlichkeit, wächst beim weiblich-Fühlenden der Wunsch nach einer Bindung heran, innerhalb derer beide in Sicherheit sind und alle Liebe zur Verfügung steht, die nötig ist, um dem Prozess der Heilung einen schützenden Rahmen zu geben.
Der Einwand, jeder Mensch müsse zunächst einmal allein heilen, wird der Komplexität der menschlichen Psyche und der Bestimmung der Seele nicht ganz gerecht. Darauf gehe ich später noch genauer ein.
Das männlich Dominierende, welches Intimität nutzt, um das vom Gefühl abgespaltene Ego zu nähren, hat eine gegensätzliche Motivation: Es nutzt körperliche Verbindung, um seelische Trennung zu praktizieren – die mit Pornografie bespielte Phantasie trägt einen großen Teil dazu bei, Intimität zu missbrauchen und den weiblichen Aspekt bzw. das verbindende Gefühl zu unterwerfen. Zu diesem Thema möchte diesen Beitrag übersetzen und zitieren (etwas weiter unten in kursiv.
Pornosüchtige Männer, die manipulieren und lügen, nehmen keine Substanzen ein, sie (miss-) brauchen Frauen.
Die gesamte Rotlicht-Branche zerstört die männliche Fähigkeit, auf eine natürliche und gesunde Weise Beziehungen aufzubauen, die auf Wahrheit fußen, eine echte Intimität ermöglichen und die Fähigkeit zur Liebe im Herzen stärken. Die Intelligenz des Herzens wird verlernt, und die Menschen werden in Resonanz auf die Trennung von Körper und Seele immer hoffnungsloser.
Das Phänomen der „Male loneliness epidemic“ also der männlichen Einsamkeitsepidemie ist die direkte Folge davon, dass Menschen ohne Selbstbeherrschung und Ehrgefühl das andere Geschlecht wie Fast Food behandeln…
Zitat:
„Pornos schaffen Männer, die zwar den Orgasmus beherrschen, aber nicht wissen, wie sie eine echte Frau kennenlernen sollen. Es wird immer wieder behauptet, Dating-Apps hätten die Dating-Szene ruiniert, aber ich glaube nicht, dass es an den Dating-Apps liegt, es liegt an Pornos.
Der Konsum von Pornografie hat Männer darauf trainiert, mit minimalem oder gar keinem Aufwand maximale Belohnung zu erwarten. Das führt zu einer Epidemie von Männern, die sich nicht anstrengen und Frauen sexualisieren und objektivieren.“
Anmerkung: die Entladung kann ohne direkten menschlichen Kontakt und auf Knopfdruck herbeigeführt werden. Diese stetig praktizierte Stressregulation ist direkt an die Vorstellung einer unterwürfigen Weiblichkeit gebunden und koppelt eine Machthierarchie an eine kontrollierende Ausrichtung sexueller Lust. Der Konsument nutzt die auf die Begierde reduzierten Inhalte für den triebgesteuerten Stressabbau und die Verdrängung von inneren Konflikten und generalisiert in seinem Unterbewussten ein Frauenbild, das er dann auf jene Frauen im echten Leben überträgt, die die eingegebenen optischen Schlüsselreize bedienen. Dann sucht er den Kontakt in erster Linie deshalb, weil sein Trieb einen eigenen Film drehen möchte, nicht weil der Mensch eine exklusiv-geliebte Intimpartnerin sucht. Es existiert nur insoweit ein Interesse an ihren Vorstellungen von Nähe, dass eine Anleitung für den Gebrauch benötigt wird.)
„In der realen Welt erfordert sexuelle Intimität normalerweise Anstrengung, Vertrauen, Flirten und den Aufbau einer emotionalen Bindung. Pornos umgehen all das – Männer, die süchtig danach sind, bekommen auf Abruf einen Dopaminrausch, ohne dass sie etwas dafür tun. Studien haben gezeigt, dass ein starker Konsum dieser Inhalte mit einem geringeren Einfühlungsvermögen, einer eingeschränkten Fähigkeit zur sexuellen Bindung an Partner sowie mit Problemen wie Erektionsstörungen einhergeht.
Es wird darüber gesprochen, dass es mit Dating-Apps mittlerweile endlose Möglichkeiten gibt. Und deshalb wollen Männer sich nicht festlegen oder ständig alle Optionen durchforsten.
Aber ich denke, Pornos sind wie Steroide, die das männliche Gehirn auf einen ständige wachsenden Bedarf nach neuen Reizen umprogrammieren. Männer jagen also immer größeren Höhen hinterher, um zum Höhepunkt zu kommen … sie suchen die Abwechslung, anstatt zu bleiben, Tiefe aufzubauen und die nötige Motivation aufzubringen, die es für den Aufbau von Tiefe und Intimität braucht.
Pornos bringen eine Generation von Männern hervor, die glauben, Beziehungen sollten sich wie Pornhub anfühlen:
Sofortiger Zugang, immer mehr Stimulation, keinerlei Aufwand und Verantwortung und eine Frau, die sich jeder männlichen Laune beugt.“
Fassen wir den oben zitierten Beitrag einfach einmal unter folgendem Begriff zusammen: ungesunder Konsum frisst Intimität. Man mag jenen, die das kritisch hinterfragen, entgegenrufen, sie würden moralisieren und ihre prüden Ideale auf andere übertragen wollen. Ich aber fühle, dass es hier nicht um Moral, sondern um Ethik geht.
Es geht nicht darum, körperliche Bedürfnisse zu kastrieren, Es geht darum, sie mit Liebe und Intimität auf eine höhere, menschliche Ebene zu heben und ihnen ihre wahre Bestimmung zurückzugeben: die Fähigkeit, sich beseelt zu vereinen und gemeinsam etwas Drittes zu erschaffen, in dem die Liebe wirken und uns zu besseren Menschen machen kann.
Das Männliche und das Weibliche gehören zusammen und zwar auf Augenhöhe. Das männlich Dominierende aber konsumiert die weibliche Bereitschaft, Kontakt herzustellen und Lebensenergie zu schenken, hält jedoch seinen versprochenen Teil nicht ein, den gemeinsamen Raum zu schützen und mit männlicher Zuwendung, die weibliche Würde zu behüten. Der konsumierende Mann will viele Optionen und verschweigt dies meist, sodass das zugewandte Weibliche in eine Derealisation einer nicht existierenden gemeinsamen Wirklichkeit hineingerät und sich auf ein Phantom bezieht. In diesem Zustand kann der freie Wille nicht mehr gelten. Die gegenseitige Priorisierung wird von der einen Seite nur vorgetäuscht, sodass die andere ins offene Messer läuft.
Je mehr sich dann im männlich dominanten Tun die wahrhaftige Motivation zeigt und die Kommunikation, in der Nähe und Intimität erschaffen wurden, als unwahr entlarvt wird, desto mehr hyperventiliert das Weibliche und geht mit seinen Gedanken und Worten in die Problemanalyse. Es rutscht in das Männliche – den Verstand – hinein, anstatt sich im Gefühl fallenlassen zu können und vom Männlichen, das sich klar entschieden hat und widmen möchte, aufgefangen zu werden und in diesem Sein dann wiederum jene Energie spenden zu können, die das Männliche nährt. Der natürliche Kreislauf wird unterbrochen, sodass es keine Einheit, kein gesundes Gleichgewicht mehr geben kann. Alles, was dann folgt, ist entweder eine fortwährend unwahre Bindung, in der sich beide Partner nie bis in die Tiefe lieben können, oder dem abrupten Zerfall geweiht.
Die inneren Kinder aber leiden so oder so: ob laut oder still – in jedem Fall brutal. Wer verdrängen kann, ist dann im Vorteil. Es sollte so nicht sein, doch das ist leider nicht maßgeblich.
Wenn Herzen brechen, sehen nur die Aufmerksamen, dass jemand eine Umarmung bräuchte. Die meisten beurteilen nur die äußeren Merkmale.
Wer Freunde hat, die zuhören, wo andere den Kontakt verweigern, sollte tief dankbar sein.
Zurück zur Problemanalyse…
Ein Mann, der nie gelernt hat, sich sich selbst zu widmen, wird sich auch nicht seiner Partnerin widmen wollen. Es erschiene ihm nicht als kostbares Geschenk, die Möglichkeit zu haben, diese Intimität zu pflegen und seinen Geist darin zu schulen, auf die Seele zu lauschen, sein Herz zu weiten und sein Leben mit Sinn zu füllen. Es wäre ihm zu anstrengend und vielleicht sogar bedrohlich.
Davon, sich abzuwenden, bringt einem vermeidenden Mann zu viele Vorteile, als dass er ohne Not beginnen müsste, sich zu konfrontieren. Das dominierend Männliche suggeriert seinem Gegenüber keinerlei Gesprächsbereitschaft mehr, weil es die oberflächliche Intimität (den Preis, mit dem sein Ego vor sich selbst prahlen kann) bereits gewonnen hat. Es verliert das Interesse und pathologisiert den Ausdruck der seelischen Not im weiblichen Spiegel. So wie das Gefühl in sich selbst abgelehnt wird, lehnt es nun das Gefühl im Gegenüber ab und reaktiviert die Kindheitswunde des Menschen, dessen Vertrauen es sich zuvor noch erobert hat.
Die Ursache ist eine fehlende innere Klarheit und auch eine vor dem männlichen Ego legitimierte Übergriffigkeit, die Gründe dafür findet, Menschen für den eigenen temporären Vorteil in die Irre zu führen. Die objektivierende Lust kann in eine sehr destruktive Machtgier hineinmutieren, in der das zarte, feine Pflänzchen, das mit Zuneigung heranwuchs, schnell zertrampelt wird. Einen anderen Menschen in die absolute Hingabe hineinzutricksen und danach fallenlassen zu können, verschafft eine Dominanz, die auch dem eigenen inneren Weiblichen eine klare Botschaft sendet:
„Schau her! Schau genau hin! So endest Du, wenn Du Dich auf die Liebe einlässt. Wir bleiben lieber auf der anderen Seite der Realitätswahrnehmung. Wir haben alles im Griff und bleiben auf der nonchalanten Gewinnerseite. Ein paar schöne Erinnerungen nehmen wir mit. Die können wir jederzeit auf Knopfdruck abrufen, denn unsere Gedanken kann uns niemand verbieten.“
Jemand, der Gefühle von sich abspalten kann, hat keine Vorstellung davon, was ein Vertrauensbruch im fühlenden Gegenüber für Schäden anrichten kann. Ob dies bewusst geschieht oder unbewusst, macht für die Folgen dieser Konsumhaltung keinen Unterschied.
Wir alle brauchen gesprächsbereite Partner, die empathisch und erfahren genug sind, unseren Redebedarf richtig einzuordnen und die Verantwortung voller Stolz und Würde ernst zu nehmen, damit die Wunden unserer inneren Kinder heilen können und das kreative Potenzial im Menschen geweckt werden kann.
Dysfunktionale Dynamiken heilen nicht durch die bloße Analyse. Es braucht dafür den gelebten, gesunden Kontakt, in dem wir uns nahbar machen und gemeinsam verlernen, was antrainiert wurde, um Lieblosigkeit zu überleben.
Wir brauchen dafür die unermüdliche und konstante Begegnung im wohlgesonnenen und loyalen Gegenüber, das wie wir danach strebt, das Vermeidende mit dem Begegnenden zu überschreiben und zu bejahen, was zuvor abgelehnt wurde: das Gefühl und das Bedürfnis dahinter.
Vieles können und sollten wir mit uns allein lernen. Doch eine gesunde Beziehungsfähigkeit kann nur im Kontakt praktiziert und erlernt werden.
Es gibt Aspekte in den Wunden der Herzen aller inneren Kinder, die nur in wahrhaftiger Intimität heilen und den ungesunden Hang zur Vermeidung ausschleichen können.
Menschen, die als Kinder alleingelassen oder für ihre wahrhaftigen Gefühle abgelehnt wurden, tragen eine große Verletzung im Herzen. Man erlaubt ihnen nicht, eine gesunde Herz-Hirn-Kohärenz zu entwickeln. Man trainiert sie darauf, nur ihrem Verstand zu vertrauen und ihre Herzen zum Schweigen zu bringen. Es werden im sozialen Umgang aber auch für das existenzielle Fortbestehen im System Worte wie “Mehrwert“ oder “Effektivität“ über das Mitgefühl und die Feinfühligkeit gestellt. Die Ausrichtung strebt nach Gewinn und ordnet Menschen danach ein, welchen Vorteil sie uns bringen, anstatt danach, ein Geben und Nehmen zu etablieren, das uns auf Herzebene berührt und stärkt.
Das männlich Dominante zwingt dem weiblich Fühlenden die Flucht nach innen auf, obwohl es eigentlich von größter Notwendigkeit und längst überfällig wäre, das Mitgefühl zu üben, innezuhalten, die Probleme in der Welt zu benennen und in liebevoller, hingebungsvoller Widmung zu lösen. Doch die Ursache für diese Probleme liegt meines Erachtens in der oben beschriebenen Dynamik. Wo das männlich Dominante das weiblich Empfangende nur benutzt und objektiviert, herabwürdigt oder einfach nur nicht ernst nimmt, Kontakt und Kommunikation verweigert und auch vom Gegenüber Selbstverleugnung und Abspaltung erwartet, werden wir den Kollaps nicht verhindern können.
Das Leben ist keine endlos auszuquetschende Zitrone.
Das weibliche Prinzip – und somit auch das Fortbestehen des beseelten Menschen – kann nur auf Dauer existieren, wenn man universelle und Natur-Gesetze einhält und die Würde des Menschen achtet und nährt.
Wer die Seele ignoriert oder gar absichtlich übergeht, schadet der Würde seines Gegenübers.
Doch wie soll das Männliche lernen, dass die natürliche Definition von Männlichkeit und kognitiver wie körperlicher Stärke nicht von Mühe und Einsatz zu trennen sind, wenn die Matrix des schnellen Konsums auf Knopfdruck sie dafür belohnt, oberflächlich, raffgierig und respektlos zu sein?
Das System trainiert die Jungs darauf, Gefühlen so wenig Raum wie möglich zu geben. Untereinander beweisen sie sich und lernen, ein dominant-soziales Verhalten mit einer gesunden männlichen Kraft und Stärke zu verwechseln.
Kognitive (männliche) Anteile im vernachlässigten Kind buhlen um Aufmerksamkeit: durch Leistung oder Witz, um – zumindest für die falschen Gründe – bemerkt und respektiert zu werden und die Schwere aus dem Leben zu nehmen.
Kinder beziehen sich auf ihre Eltern. Sie lernen durch Imitation. Jugendliche beziehen sich auf Gleichaltrige, die sich zuvor auf ihre Eltern bezogen haben. Heute nimmt die soziale Programmierung im digitalen Raum eine erschreckend präsente Vorbildfunktion ein. Die imitierenden Anteile klammern sich am Denken (dem männlichen Anteil) fest, passen sich an und verschließen ihre Herzen – sogar vor sich selbst, weil jene, die im Leben zuerst da waren, die Bedürfnisse ihrer Herzen ignorierten. Hier kann eine Ursache für den Kontrollverlust in die Kontrollsucht hinein liegen.
Was meine ich mit Kontrollverlust für Kontrollsucht?
Wenn das beseelte Selbst die Kontrolle an die vermeidende, künstliche Persönlichkeit verliert und diese dann – über die hochleistungsbereite Kognition → die Kontrollsucht – das Steuer übernimmt, entsteht der Kontrollverlust des Menschen, der sein eigenes Potenzial entfalten könnte. Er verliert den Willen, ein authentisches und seelisch erfüllendes Leben zu leben und schenkt seinem Ego die Alleinherrschaft.
Geht die Methode der antrainierten Persönlichkeit in der Begegnung mit dem heilenden Weiblichen aber nicht auf, weil Menschen, die einen wahrhaftigen Kontakt zum beseelten Selbst anstreben, nicht genügend emotionale Sicherheit im Kontakt finden, sich vielleicht sogar vom männlichen Ego manipuliert und unwohl fühlen, hinterfragen und wegen der fehlenden Gesprächsbereitschaft die Bestätigung verweigern, kann die kontrollierende Persönlichkeit in ihrem Wunsch nach Kontrolle die Chance auf wahrhaftige Begegnung und Heilung im Kontakt torpedieren und sich zurückziehen. Gibt es hier kein seelisches Verantwortungsgefühl für andere, wird – zusammen mit unbeantworteten Fragen und seelischem Schmerz – verbrannte Erde hinterlassen. Das Weibliche trägt hier dann nicht nur den eigenen Schmerz und das transgenerative Schmerzmuster der eigenen Familie, sondern auch jene Aspekte, die das Männliche im eigenen Feld leugnet und über die energetischen Fäden im verkörperten Weiblichen liegen ließ. Diese Fäden entstehen durch sexuellen Kontakt.
Eine patriarchisch-konditionierte Persönlichkeit, die in der aufkeimenden, intimen Liebe die Reaktivierung von Schmerz aus der Kindheit nicht aushält, wird wahrscheinlich einer Kommunikation auf Herzebene gänzlich aus dem Wege gehen und die Begegnung mit dem weiblichen Aspekt im Außen reduzieren oder gänzlich verhindern wollen, um den eigenen weiblichen Anteil weiterhin verdrängen zu können. Obwohl genau in diesem Kontakt das größte Potenzial auf Heilung des Menschen liegt, spürt die Person, dass das mangelbehaftete Ego immer weniger Raum bekäme, je mehr der beseelte Mensch es zuließe, wahrhaftig geliebt zu werden.
Der weibliche Teil, der vielleicht auch nach der Kindheit immer wieder für seine Fähigkeit, zu fühlen, verlassen und in die Tiefe des Herzens hinein verletzt wurde, versucht – in der Angst vor Nähe und erneuter Verletzung – über eine ehrliche Kommunikation emotionale Sicherheit zu erschaffen. Dies ist ein Ausdruck von Eigenverantwortung und eigentlich zutiefst natürlich, erscheint dem Ego des männlich Dominanten aber als anstrengende und überfordernde “Schwäche“. Diese oft unbewusst gewählte weibliche Form der Kommunikation ist ein seelischer Test für das Männliche:
„Werde ich gesehen und wahrhaftig geliebt, oder bin ich nur ein Armcandy für mein Gegenüber?“
„Dient meine Fähigkeit mich zu widmen, nur dem Ego meines Gegenübers, das sich an meiner Liebe aufladen möchte, oder beruht das Gefühl und die dafür einstehende Ernsthaftigkeit auf Gegenseitigkeit?“
„Wird der gemeinsame Raum, in dem frühere Verletzungen überschrieben werden können, von beiden Seiten gehalten oder nur von der weiblichen Seite genährt, solange sie aber Bitteschön keinerlei Bedürfnisse, Erwartungen und Ansprüche äußert?“
Die oben beschriebene Dynamik bezieht sich sowohl auf innere männliche und weibliche Anteile als auch auf die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Erwartet das Männliche, dass das Weibliche den Schutzraum für das Gemeinsame bietet und aufrechterhält, ohne selbst dafür einzustehen und sich auch offen zu dieser Exklusivität zu bekennen, überträgt es seine Aufgabe dem Weiblichen und nimmt selbst die weibliche Rolle ein. Es handelt unbewusst zudem aus dem verletzten inneren Kind heraus und macht die Frau entweder zur Mutter oder zur Dirne. Denn eine Frau, die fürchten muss, verlassen zu werden, wenn sie zu ihren Bedürfnissen steht und für ihr eigenes inneres Kind einsteht, während sie sich aber um ihn und seine Befindlichkeiten kümmern soll, muss dafür entweder einen guten Grund (z.B. ein Versprechen also Vertrauen) oder Hoffnung auf Besserung haben, damit sie die ungleichen Verhältnisse vor sich selbst und ihrer eigenen Logik und Selbsterhaltung vertreten kann.
Wo im Außen nur ein oberflächlicher Kontakt besteht, durch den die kurzfristige Widmung zwar gestattet wird, um die Einsamkeit zu vermeiden und der Langeweile im abgespaltenen Feld zu entkommen, gleichzeitig aber auch der Vermeidung von Schmerz zu frönen, dient das Gegenüber nur dem Zeitvertreib. Wird sich ein Mensch, der von der wahrhaftigen Wertschätzung des Gegenübers ausging, darüber bewusst, dass er keinerlei Bedeutung für den anderen hat, die über die temporäre Befriedigung und den Egoboost hinausginge, reißt das die Wunde auf, die vielleicht schon Jahrzehnte der liebevollen Widmung benötigte, um zu verschorfen.
Muss ein Mensch anerkennen, dass er nicht viel mehr für sein Gegenüber ist als ein bewegliches Möbelstück, das man ab und an vorzeigt, stürzt das Haus der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft ein. Auf einmal verhöhnen die zuvor gelobten Attribute das Unsichtbare im individuellen Sein: Je hübscher, gebildeter und leise-angepasster der vertrauende Mensch ist, desto mehr dient er der Eitelkeit des Egos, wenn man ihn am Arm spazieren führt: Hauptsache, sie nimmt nicht zu viel vom Scheinwerferlicht weg. Glänzen will er alleine, weil er durch seine fehlende Selbstliebe von der Bestätigung in der Welt im Außen abhängig ist. Das Leben ist ein Baukasten, in dem die Regeln und Struktur seinem kontrollierenden Verstand unterworfen bleiben müssen, damit er sich darin sicher fühlen kann. Die Vorhersehbarkeit besetzt den Raum der seelischen Spielfreude und Offenheit. Das Innere Kind darf nicht spielen. Der Jäger beherrscht das Spielfeld. Jedwedes Geschehen dient der Matrix seines Mindsets, und wer sich nicht fügt, wird ausgetauscht.
Existiert keine tiefe seelische Offenheit im Partner, bleibt die Motivation zur Bindung langfristig nur oberflächlich. Möchte das Weibliche in die Tiefe hinein lieben und geliebt werden, wäre die freiwillige Bindung an so einen Menschen pure Lebenszeitverschwendung und sowieso nie eingegangen worden, hätte es zu Anfang schon Transparenz und Ehrlichkeit gegeben.
Viele Menschen sind in Beziehungen gefangen, die weder das eine (die körperliche Nähe) noch das andere (die seelische Geborgenheit) in Gänze erfüllen. In dieser Art von Beziehung ist man einsamer als man es in einem bedingungslos annehmenden Alleinsein wäre.
Ein Mensch, der so durchs Leben geht, kann keine Selbstliebe lernen und bleibt abhängig von einer Bestätigung im Außen, die aber niemals das echte, beseelte Selbst meinen kann, weil der kontrollierende männliche Anteil die beseelten (fühlend-weiblichen) Anteile im eigenen Inneren ablehnt und verbirgt.
Was das Kind von den erwachsenen Bezugspersonen gespiegelt bekam, übernahm die Person im Umgang mit sich selbst, sodass der fühlende Aspekt des Menschen sich nicht nur nie ganz entwickeln, sondern auch nicht entfalten konnte. Gefühle werden in das Unbewusste hinein verdrängt.
Wo sich Druck aufbaut, wenn Gefühle keinen Ausdruck finden, wirkt dieser im unbekannten inneren Feld und erzeugt – zusammen mit vermeidendem Verhalten und ungesundem Konsum – Konflikte, Unruhe und Krankheiten.
Es entstehen widerstrebende innere Anteile, die sich gegenseitig hochschaukeln. Das Männliche lehnt das verletzte Weibliche ab, braucht es aber auch, um Lebensenergie zu generieren. Denn ohne Gefühl, keine Lebendigkeit.
So perfekt und geordnet die kontrollierende Person auch sei, soviel Bestätigung und Zuspruch sie vielleicht auch erfährt, weil sie viel Leistung erbringt und durch einen antrainierten Humor und eine abrufbare Fröhlichkeit das Bedürfnis nach Leichtigkeit in anderen befriedigt, so einsam fühlt sich der traurige Mensch in dieser Hülle, der nie wahr- und ernst genommen wurde – der Mensch, der nie sein Potenzial freigelegt hat.
Um die Ablehnung von Gefühlen in sich selbst und anderen zu normalisieren und sich jene Persönlichkeit schönzureden, die die Kontrolle über den fühlenden Kern legitimiert, legt sich die Person in sozialen Kontexten manchmal Kommunikationsweisen zu, die den Anschein machen, wirklich einfühlsam und verantwortungsbewusst mit anderen umzugehen. Solange diese eine gewisse Tiefe im Kontakt nicht anstreben und die Begegnungen noch in kleine Zeitfenster hineinpassen, werden diese vom Ego nicht als Bedrohung empfunden und werfen dem inneren Kind Brotkrumen zu. So kann die Hoffnung des inneren Kindes aufrechterhalten werden, sodass es nicht gänzlich taub wird. Von derlei Dynamik lebt meines Erachtens die gesamte New-Age-Blase: kurzzeitige Highs unter Zeugen ermöglichen unserem Gehirn, sich “spirituell“ zu bilden und die Egozentrik des Egos zu verschleiern.
Wenn sich Menschen aber einer Kommunikation verweigern, die authentisch ist und auch dem Schatten mit seinem Schmerz Raum gibt, gerät das innere Kind, das sich auf sich selbst besann und in inneren Welten Halt fand, in große Not, weil es sich wieder auf jemanden beziehen wollte und erneut alleingelassen wurde. Das Entwicklungstrauma wird reaktiviert und beherrscht die Wahrnehmung von Wirklichkeit. Das AlleingelassenWerden stülpt sich über alles andere und lähmt die Lebendigkeit, macht blind für Perspektiven und stellt den Selbstwert existentiell infrage.
Die Fähigkeit zu träumen ist das größte Tor in eine gesunde Resilienz hinein und stellt den Kontakt zu einem Leben her, das möglich wäre und sich aus äußeren Zwängen und von ungesunden Bindungen gelöst hat. Erst in diesem Feld kann der Mensch sein wahres Potenzial heben und wahrhaftige Liebe erfahren.
Die Bereitschaft, der Stille im Herzen zu begegnen, die sich einstellt, wenn man berechtigte Tränen weint, ist unendlich kostbar und geht all jenen ab, die ihre Tränen nicht nur wegdrücken, sondern auch die Wut ablehnen, die sich irgendwann zeigt, wenn man die Traurigkeit ignoriert. Verbietet man sich auch diese, ist eine komplexe Abspaltung die Folge und resultiert in Depressionen und/oder körperlichen Alarmsignalen.
Spalten sich Seelenanteile gänzlich von der Person ab, entsteht ein inneres Vakuum, das von dunklen Wesenheiten okkupiert werden kann. Dies ist meines Erachtens eine Ursache für den um sich greifenden Narzissmus. Zugrunde liegt der Abspaltung die oben beschriebene Dynamik, in der das sakrale Energiezentrum des Energiekörpers auf (Re-)Traumatisierungen reagiert.
Die Heilung läge hier im Ausdruck des Gefühls und in der so befreiten Wahrnehmung wahrhaftiger Seelenbedürnisse. Um das Weibliche (das Gefühl) zu vermeiden, werden Vermeidungsmuster etabliert, die jede Fähigkeit zu träumen und das Schöne zu kreieren, sich würdevoll zu widmen und das Individuelle gebührend zu ehren, unterdrückt.
Der Mensch wird von der Person versklavt und kommt nicht mehr zu Wort.
Manche nutzen für die Vermeidung Substanzen oder Beschäftigungen. Andere (be-)nutzen dafür Menschen, nicht selten sogar Menschen, die nichts anderes wollten, als ihnen wahrhaftige Liebe zu schenken.
Ob das Männliche sich noch freiwillig dem Weiblichen zuwenden wird, ehe sich der kontrollsüchtige Homo Sapiens in den Transhumanismus hineinverführen lässt?
Wählt der Mensch den schmerzvolleren Weg, wenn die asphaltierte Straße mit ihren Bequemlichkeiten und temporären Hochgefühlen lockt, um seinen ureigensten Weg der Seele wiederzufinden?
Wird es wieder Helden geben, oder siegen die Fake Player Charaktere, die das Weibliche verachten und sich für ihre Dopaminsucht an den Körpern und Seelen anderer bedienen?
Werden die inneren Kinder wieder lachen und eine Menschen-Welt kreieren, in der es sich zu leben lohnt?
Wird in der Zeit des Wandels, in der alte Strukturen eingerissen und verdrängte Gefühle orchestriert projiziert, und eine zutiefst unmenschliche Kommunikation Verachtung und Hass normalisiert wird, am Ende doch die Liebe all derer gewinnen, die ihrem Herzen erlauben, das Risiko nochmals einzugehen und zu vertrauen?
Wo wir Menschen nicht mehr vertrauen können, gibt es immer noch Gott.
Wir werden diese Fragen vielleicht bald beantworten können, spätestens aber dann, wenn dieses Leben endet und wir im Raum der Bilder stehen und uns ansehen, wie wir in Beziehungen mit anderen umgegangen sind, und ob wir gelernt haben, wie man sich selbst und andere authentisch liebt.
Erlaubt Dir Deine Komfortzone, wahrhaftige und ungemütliche Gefühle zu verdrängen, ist Deine künstlich erschaffene Selbstsicherheit nicht mehr als ein Gefängnis, das Dich von Deiner Seele trennt.
Ein Leben, das die Seele ausgrenzt, um darstellen zu können, was unverletzlich erscheint, Bestätigung, Geld und Macht generiert, ist ein abgespaltenes Leben. Es ist unecht.
Dieser Zustand macht krank. Er ist unnatürlich.
Keine Medizin kann dagegen etwas ausrichten. Nur das Herz in Kohärenz mit einem freien Geist kann diese pathologische Fehlfunktion heilen.
Es ist eine Errungenschaft, das männliche und weibliche Prinzip im Inneren auszugleichen. Aber von guten Mächten einen Menschen geschickt zu bekommen, der ein perfekter Spiegel für unseren Schmerz aber auch unser Potenzial ist, sollte als großes Glück verstanden und angenommen werden.
Ungesunde vererbte Beziehungsmuster heilt man nicht durch Vermeidung von Nähe und Intimität. Man heilt sie in der direkten Praxis.