Lina Hawk

Glyphosat und andere

Diese Infos kommen von Tagesschau.de
Obst und Gemüse, das man nicht schälen kann (Beeren, Trauben, Physalis Cherrytomaten etc.), sollte man nur in Bioqualität kaufen (Achtung auch TK).
Alles andere (Orangen, Äpfel, Zitronen, Mandarinen, Avocados etc.), was natürlich weniger kostet, sollte man nicht nur unbedingt schälen sondern auch VOR dem Schälen mit Spüli und einem Schwamm abschrubben und mit klarem Wasser spülen. Der Grund dafür ist, dass das Messer die Giftstoffe sonst in die Frucht hineinschneidet.

 
Kartoffeln, die mit einem Antitriebmittel behandelt wurden, sollte man nicht mit Schale verzehren, aber auch hier am besten Bio. Wer weiß, wieviel Gift sonst im Kochwasser landet und auf die Knolle übergeht.
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EU-genehmigtes Pestizid Chlorpyrifos – Gefahr fürs Gehirn
Bericht in der Tagesschau im Herbst 2018:
„Das Pestizid Chlorpyrifos steht im Verdacht, die Gehirnentwicklung beim Menschen zu schädigen. Seit 2006 ist es in der EU zugelassen – doch laut Recherchen des BR haben die Behörden dabei eine fehlerhafte Studie akzeptiert.
Von Eva Achinger und Lisa Wreschniok, BR
Es ist ein Bestseller, eines der in der Landwirtschaft am häufigsten eingesetzten Pestizide: Chlorpyrifos. Der Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel tötet Läuse, Fruchtfliegen und andere Schädlinge und wird beim Getreide- und Obstanbau eingesetzt. Seit Jahren steht Chlorpyrifos im Verdacht, die Gehirnentwicklung beim Menschen, insbesondere bei Ungeborenen im Mutterleib, zu schädigen. Die Folgen können zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen oder verminderte Intelligenz sein.
Eine wissenschaftliche Untersuchung, die BR Recherche exklusiv vorliegt, kommt jetzt zu dem Schluss, dass Chlorpyrifos in der EU zugelassen wurde, obwohl eine wichtige Studie zur Gefährlichkeit des Stoffes offenbar fehlerhaft war.
Unveröffentlichte Daten ausgewertet
Der Umweltmediziner Philippe Grandjean, Professor an der US-amerikanischen Universität Harvard, und der Wissenschaftler Axel Mie vom schwedischen Karolinska-Institut konnten Rohdaten einer bisher unveröffentlichten Studie des Herstellers Dow Agro Sciences einsehen, die Teil des europäischen Zulassungsantrags war. Dabei stießen sie auf gravierende Unstimmigkeiten.
„Wir haben in diesen Rohdaten deutliche Hinweise darauf gefunden, dass bei allen getesteten Dosen der Aufbau des Gehirns signifikant beeinträchtigt wird“, sagt Mie. „Aber es findet sich davon nichts in dem Report der Studie wieder.“
Laut den Wissenschaftlern geht aus den Rohdaten hervor, dass Chlorpyrifos in Tierversuchen den Aufbau des Gehirns schon bei geringer Dosierung schädigte. Dieser Effekt aber taucht im Fazit der Herstellerstudie von 1998 nicht auf.
Studie wurde nicht bemängelt
Genau diesen Widerspruch haben die Zulassungsbehörden nach Recherchen des BR nicht bemängelt, obwohl sie auch die Rohdaten eingereichter Studie überprüfen sollen. „Es ist schockierend herauszufinden, dass eine Studie, die Teil des Zulassungsantrags war, fehlerhaft ist, und dass die Behörden das nicht bemerkt und diese akzeptiert haben“, sagt Grandjean. „Mein Vertrauen in das Zulassungssystem, das eigentlich vor giftigen Stoffen schützen soll, ist zutiefst erschüttert.“
Chlorpyrifos ist seit 2006 in der EU zugelassen. Deutsche Landwirte dürfen Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff seit 2008 nicht mehr einsetzen – in 20 anderen EU-Mitgliedsstaaten wird der Wirkstoff aber weiterhin verwendet. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) werden in Deutschland jedes Jahr Rückstände von Chloryprifos in importierten Waren gefunden, beispielsweise in Orangen und Clementinen aus Spanien. Aus Ländern außerhalb der EU werden immer wieder Waren beanstandet, weil der Chlorpyrifos-Höchstgehalt überschritten ist, zum Beispiel bei Rosinen aus der Türkei.“
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Pestizide in der EU hochgiftig – aber zugelassen
 
Immer wieder werden Pestizide in der EU eingesetzt, weil die Prüfung zu lange dauert. Darunter sind nach Monitor-Recherchen auch hochtoxische Stoffe – ist das wirklich Zufall?
Von Stephan Stuchlik und Elke Brandstätter, WDR
Ulrich Elixmann ist 58 Jahre alt und Frührentner. Der ehemalige Gärtner leidet unter Parkinson und ist überzeugt davon, dass daran sein Beruf schuld ist. 40 Jahre lang hat er ständig mit Pestiziden gearbeitet. „Da wurde sehr leichtfertig damit umgegangen“, sagt er. Er kenne Leute, die hätten die Spritzbrühe mit den Händen angerührt. „Da hat nie ein Mensch daran gedacht, dass das solche Schäden hervorrufen kann.“
Der Verdacht, dass die Pflanzenschutzmittel, mit denen Elixmann in Berührung kam, für seine Parkinson-Erkrankung verantwortlich sind, werden von Studien der University of California in Los Angeles bestätigt. Hier wurden Pflanzenschutzmittel untersucht, mit denen auch Elixmann in Kontakt war.
Zulassung verlängert
Einer dieser Wirkstoffe dürfte eigentlich gar nicht mehr auf dem Markt sein, da seine Zulassung abgelaufen ist. Aber im Januar wurde die Zulassung verlängert, ohne dass der Stoff erneut geprüft wurde, wie nach EU-Recht eigentlich vorgeschrieben.
Der Grund: Nach einer Ausnahmeregelung der EU-Pflanzenschutzmittelverordnung darf der Genehmigungszeitraum eines Wirkstoffes verlängert werden, wenn Gründe vorliegen, die „der Antragsteller nicht zu vertreten hat.“ Mit anderen Worten: Wenn die Prüfung eines Stoffes zu lange dauert, bekommt der Stoff eine Ausnahmeverlängerung.
Eine Ausnahme, die mittlerweile fast zur Regel geworden ist. Nach Recherchen des ARD-Magazins Monitor bekommt in der EU mittlerweile beinahe jedes vierte Pflanzenschutzmittel eine solche Ausnahmeverlängerung. 112 von insgesamt 489 Stoffen sind demnach aktuell ohne die eigentlich vorgeschriebene Neuprüfung auf dem Markt.
„Toxisch für die Umwelt“
Das sei hoch gefährlich, warnen Fachleute. Einige Stoffe dürften nicht mehr in die Umwelt gelangen: „Diese Stoffe sind meines Erachtens überhaupt nicht mehr zulassungsfähig, weil sie extrem humantoxisch sind, für die Menschen giftig sind, und weil sie auch extrem toxisch für die Umwelt sind“, sagt der Toxikologe Hermann Kruse, der an der Universität Kiel jahrelang zu Pflanzenschutzmitteln geforscht hat.
Manche der Stoffe seien „toxischer als Glyphosat“. Dabei handele es sich um Stoffe, „die das Nervensystem der Menschen angreifen und zum Teil auch im Verdacht stehen, krebserzeugend zu sein.“
Zu lange Bearbeitungszeiten?
In einem EU-Audit von 2016 wurde die Bundesrepublik Deutschland dafür kritisiert, dass sie im Durchschnitt bis zu sechs Mal längere Bearbeitungszeiten für manche Verfahren brauche als in der Verordnung maximal vorgesehen. Damit gehört Deutschland in der EU zu den Spitzenreitern, was die Bearbeitungszeit im Zulassungsverfahren betrifft. Insgesamt sind in Deutschland vier verschiedene Behörden an diesem Prozess beteiligt.
Auf Anfrage von Monitor wies das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), dem die Koordination der Pestizidzulassung in Deutschland unterliegt, die Kritik an vielen Ausnahmeverlängerungen von Pestiziden wegen Fristüberschreitungen deutscher Behörden zurück: „Im Geschäftsbereich des BMEL“ sei „die Verfristungsproblematik gelöst.“
Doch daran gibt es Zweifel: Seit 2016 wurden 22 Stoffe in Zulassungsverfahren mit deutscher Beteiligung nur deshalb verlängert, weil die Behörden zu langsam prüften. Darunter befinden sich mindestens neun Stoffe, die laut Experten wegen ihrer Giftigkeit nicht mehr zugelassen werden dürften.
Grüne vermuten Vorsatz
Der EU-Abgeordnete Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen), der im Pestizidausschuss des Europäischen Parlaments sitzt, vermutet bei der Langsamkeit der deutschen Behörden Absicht: „Ich glaube, da ist viel Vorsatz dahinter“, sagt er. „Man stellt sich schützend vor die Industrie. Man sieht, da geht es um richtig viel Geld, wenn die Stoffe am Ende vielleicht vom Markt genommen werden.“ Angesichts der Größenordnung der Ausnahmegenehmigungen in der EU spricht er von einem „Skandal“.
Gärtner Elixmann kämpft jetzt darum, dass die Berufsgenossenschaft den Zusammenhang zwischen dem Pestizideinsatz und seiner Parkinson-Erkrankung anerkennt. In Frankreich gilt Parkinson bei Gärtnern und Landwirten bereits als Berufskrankheit. Zu den Pflanzenschutzmitteln, die nur mit Ausnahmegenehmigungen auf die Äcker gelangen, hat er eine klare Meinung: „Da die Forschungsergebnisse heute da sind, müsste das grundlegend verboten werden und diese Mittel sofort, von meiner Sicht aus, beseitigt und entsorgt werden.“
Krebserregend? Schuld am Insektensterben?
Faktencheck: Wie gefährlich ist Glyphosat?
Inzwischen sind in den USA mehr als 9000 Klagen wegen Glyphosat anhängig. Das bestätigte der Bayer-Konzern diese Woche. Dass es zu weiteren Glyphosat-Prozessen kommt, war abzusehen, nachdem ein Gericht im Sommer Monsanto zu einer millionenschweren Strafzahlung verurteilt hat. Der Mutterkonzern Bayer bestreitet den Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs und will das Urteil anfechten. Hier eine Übersicht, was wissenschaftlich über die Gefahr durch Glyphosat bekannt ist.
 
Krebsgefahr durch Glyphosat – warum gibt es so widersprüchliche Aussagen?
Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC – eine Unterbehörde der WHO – stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ebenso wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt zum Ergebnis, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.
Das ist größtenteils nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn die Institutionen verfolgen unterschiedliche Ansätze und Definitionen: Die einen (IARC) fragen, ob Glyphosat grundsätzlich Zellen so schädigen kann, dass Tumoren entstehen können. Das scheint der Fall zu sein – bei extrem hohen Dosierungen, vor allem in Tierversuchen. Die anderen (BfR, EFSA) fragen: Wie groß ist das tatsächliche Risiko, dass jemand durch Glyphosat Krebs bekommt? Hier kommt es natürlich darauf an, welchen Mengen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind – und sie sagen: Die Mengen, um die es wirklich geht, stellen keine realistische Gefahr dar. 2016 kam übrigens eine weiteres internationales Gremium – das JMPR, das die Gefahr durch Pestizidrückstände befasst – zum Ergebnis, es sei so wörtlich: unwahrscheinlich, dass von Glyphosat eine Gefahr für Verbraucher ausgeht.
Unverzichtbar für viele Landwirte, gesundheits- und umweltgefährdend sagen hingegen viele Umweltverbände. Wer hat recht?
 
Spezialfall Lymphdrüsenkrebs: Non-Hodgkin-Lymphom durch intensiven Glyphosateinsatz
Gefahren für Verbraucher sind das eine, davon zu unterscheiden sind Risiken für Anwender: Landarbeiterinnen oder Gärtner, die ohne ausreichende Schutzkleidung Glyphosat regelmäßig auf Felder oder Gärten ausbringen. Hier gibt es es Studien, die ergeben haben, dass genau solche Menschen eine bestimmte Krebsart – das Non-Hodgkin-Lymphom, also Lymphknoten-Krebs – signifikant häufiger bekommen. Diese Studien erkennt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung an, verweist aber darauf, dass jüngere Langzeitstudien zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen und keine derartige Krebshäufung feststellen.
Auch der Kläger im aktuellen Fall in den USA, dem ein Gericht die hohe Schadenssumme von umgerechnet 78 Millionen zugesprochen hat, ist genau an jener Krebsart erkrankt – dem Non-Hodgkin-Lymphom. Auch er hat regelmäßig glyphosathaltige Mittel angewendet und machte geltend, dass Monsanto auf die Krebsgefahr hätte hinweisen müssen. Im März beginnt ein weiterer Prozess. In diesem Fall klagt ein US-amerikanischen Paar, die beide über Jahrzehnte den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup eingesetzt hatten – und beide ebenfalls an Lymphdrüsenkrebs erkrankten.
Hat das Bundesinstitut für Risikobewertung seine Stellungnahme bei Monsanto abgeschrieben?
Das werfen Glyphosat-Gegner immer wieder dem Bundesistitut für Risikobewertung (BfR) vor. Richtig ist: Es gibt etliche Textpassagen in der Bewertung des BfR, die deckungsgleich sind mit den Berichten von Monsanto. Das lässt sich aber zum Teil erklären. Die Situation ist ja die: Monsanto beantragt die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat. Die Behörden fordern in einem solchen Fall vom Antragsteller, Studien zum Beispiel zur Giftigkeit des Stoffes vorzulegen oder auch zur möglichen Krebsgefahr. Das hat Monsanto getan und hat diese Studien vorgelegt. Man kann dieses Verfahren kritisieren, denn Monsanto ist ja, wenn es Studien erstellt und einen Bericht darüber schreibt, zwangsläufig nicht objektiv sondern parteiisch. Die Affäre um die Monsanto Papers hat das Misstrauen gegen die Firma zuletzt noch einmal verstärkt. Dennoch: Doch Vorgaben zur Wirkstoffgenehmigung sind in der EU nun einmal gesetzlich so festgelegt. Die Behörden sparen sich dadurch Arbeit und Geld, wenn der Antragsteller selbst die Studien vorlegen muss.
Viele Studien zu Glyphosat wurden vom Hersteller Monsanto finanziert


Das BfR hat sich also diese Studien angeschaut und zu einem erheblichen Teil Passagen übernommen. Das ist erst mal legitim – und man kann fragen: Warum soll sich das BfR die Mühe machen, einen Text umzuformulieren, wenn es inhaltlich daran erst mal nichts auszusetzen hat. Transparenter wäre es allerdings sicherlich, diese übernommenen Passagen auch als solche zu kennzeichnen. 
Allerdings muss man auch sagen: Im Bericht des BfR finden sich durchaus auch ergänzende Bewertungen und Hinweise auf Studien, die nicht von Monsanto stammen. Also es ist nicht so, dass die gesamte Bewertung von Monsanto übernommen wurde, aber die Studien von Monsanto sind zu einem erheblichen Teil eingeflossen – neben anderen.
Ist Glyphosat am Insektensterben schuld?
Nach bisherigen Erkenntnissen spielt Glyphosat dabei eher eine untergeordnete Rolle. Die genauen Ursachen des Insektenschwundes sind zwar noch nicht geklärt. Die intensive Landwirtschaft dürfte dabei schon eine Rolle spielen – auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zum Beispiel die inzwischen berüchtigten Neonicotinoide, die ja genau dafür eingesetzt werden, um Pflanzen vor Insekten zu schützen. Denen wird schon eine Mitschuld am Insektensterben gegeben – und was die Bienen betrifft, gibt es dafür auch sehr handfeste Belege.
Glyphosat dagegen wird nicht gegen Insekten eingesetzt, sondern gegen alle möglichen Pflanzen, die Landwirte nicht auf dem Acker haben wollen und die sie deshalb als Unkraut bezeichnen. In der Vergangenheit galt Glyphosat dabei sogar als ein vergleichsweise insektenschonendes Herbizid. Allerdings gibt es inzwischen auch Hinweise darauf, dass Glyphosat in hoher Dosierung die Darmflora von Honigbienen angreift und sie anfälliger für Krankheiten macht. Unklar ist noch, ob diese Ergebnisse auf andere Insekten übertragbar ist.

Richtig ist: Ein Totalherbizid wie Glyphosat vernichtet auch Kräuter und Pflanzen, von denen sich Insekten ernähren könnten. Trotzdem kann man aber schlecht dem Glyphosat die Schuld daran geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen. Entscheidend für das Insektensterben ist eher, dass Insekten insgesamt zu wenig Nahrung in unserer immer monotonen Agrarlandschaft finden – immer weniger Grün, immer weniger Ackerrandstreifen und so weiter. 
Der Einsatz von Glyphosat ist somit eher symptomatisch für diese Art der Landwirtschaft, aber man kann schlecht sagen, dass speziell dieser Wirkstoff Insekten tötet.