Lina Hawk

Ich glaube an Human Connection.

Was es an Facebook zu bemängeln gibt, haben die Macher von Human Connection gleich weggelassen.
Dieses Netzwerk wäre eine Revolution. Lasst uns helfen, es aufzubauen.

Seit drei Jahren bin ich aktiv auf Facebook, weil ich mich dafür einbringen möchte, dass sich etwas ändert in dieser Welt. Wieviele Artikel und Links Leute in Foren und in meiner Freundesliste gepostet haben in dieser Zeit, sich dabei aufgeregt und diskutiert haben… Das ist schon beachtlich. Jeder zweite hat einen unsichtbaren Orden am Shirt.
Ich kenne das auch; hätte ich das Schreiben nicht, wäre ich in den letzten Jahren ein Fall für die Klapse geworden. Wie soll ein Mensch das ertragen, wenn er auch nur ansatzweise gecheckt hat, was hier eigentlich läuft auf der Welt in diesem sich selbst abfeiernden demokratischen System?
Das kann man nur ertragen, wenn man externalisiert, was man darüber denkt, wenn man sich austauscht und merkt: „nein, ich bin nicht verrückt, das liegt nicht an mir, andere sehen es auch, und es ist verdammt krank, was die Mächtigen da mit uns allen machen, weil sie es können und sie niemand daran hindert.“

Nun aber ein Silberstreif am Horizont: da kommt eine Alternative zu Facebook auf den Schirm, in der jedes Mitglied Ideen aufgezeigt bekäme, um selbst Verantwortung zu übernehmen und die Vernetzung positiv und aktiv zu nutzen. Nicht nur der innere Moralapostel (Freud nannte den das Über-ICH) hätte da Bock drauf.
Wisst ihr noch, wie Facebook zu Anfang gehypt wurde? Bei Human Connection zu sein, wäre cooler, als bei Facebook zu sein. Wir haben alle soviel Dreck am Stecken, wenn wir ehrlich sind und betrachten, was unser Konsumenten-Fussabdruck bislang auf unserem Planeten angerichtet hat.
Stell dir einmal vor, das allgemeine Interesse ginge weg vom schlechten Gewissen hin zu: Wow! Das ist die Alternative? Da könnte ich stattdessen mitmachen, würde nette Leute kennenlernen, meine ersten Erfahrungen posten können und dann auch noch dafür gelobt werden? Klingt irgendwie cool, oder?
Genau das fehlt, meiner Meinung nach.
Motzen ist leicht, besser machen geht besser, wenn man nicht allein ist sondern System dahinter und Anerkennung drin steckt. Jetzt wären einmal alle gefordert, die rummaulen und es gerne anders hätten…

Aber die Zahl der Crowdfunding Unterstützer lässt mich stutzen.

Allein die Facebook-Gruppe „Frieden rockt“ hat 23.000 Mitglieder.
Natürlich haben viele von denen kein Geld mehr übrig, und das verstehe ich. Man kann die Idee ja auch anders unterstützen und darauf aufmerksam machen.

Schauen wir doch einmal auf die Anzahl der Unterstützer.

Deutschland hat wieviele Einwohner noch gleich?

Mmmh…

Human Connection hat bislang um die 3000 finanzielle Unterstützer.
Wenn man sich einmal ansieht, wieviele Menschen in Deutschland wieviele Euronen für Sylvesterböller raushauen…

Oh Mann.

Nimmt man jetzt einmal nur die eine Facebook Gruppe, wäre die Anzahl der Humanconnection-Unterstützer gerade einmal 10 Prozent von denen.
Aber Deutschland besteht ja nicht nur aus einer Facebook-Gruppe. Es soll ja Leute geben, die Facebook total bekloppt finden, und ich unterschreibe diese Anschauung zu 98 Prozent…
Was ist mit all den KenFM-Unterstützern, den Friedensaktivisten, den Russland-Freunden, den Xavier Naidoo-Fans, den Politik-Kritikern, den Free21-Abonnenten, den TTIP-Demonstranten und den Ramstein-Gegnern? Sind das alles gerade einmal Dreitausend Leute? Haben die alle keine Lust, das Steuer gemeinsam rumzureißen? SInd das alle Hartz Vier Empfänger? Das kann doch nicht sein.
Aber das größte Armutszeichen ist doch eigentlich, dass sich kein Steinreicher finden lässt, der an diese revolutionäre Idee glaubt. Und das, meine Lieben, sagt eine Menge über den Stand unserer „demokratisch – freiheitlichen“ Welt aus.
Der Cayenne Turbo S, in dem, wie gerade kürzlich herauskam, ein Audi Motor steckt, kostet, laut Focus-online, hierzulande 117 573 Euro.
EIN AUTO!!!

Vielleicht war die Crowdfunding-Zeitspanne zu kurz? Es fehlt noch eine Menge von dem, was notwendig ist, um so ein Mammut zu programmieren. Ich hoffe, es geschieht noch ein Wunder. Wo zum Beispiel ist Herr von Budni jetzt, wenn man ihn braucht? Sonst redet er doch auch von sozialer Gerechtigkeit und der wichtigen Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.
Ich möchte diesem wunderbaren Planeten etwas Schönes hinzufügen, den Kindern dieser Welt eine Zukunft als Eltern und Großeltern ermöglichen und dabei helfen, dass Menschen im Inneren das Nichts heilen beziehungsweise erkennen, was sie durch Konsum versuchen, zu übertünchen.
Das Weltwirtschaftssystem braucht neue, lebensbejahende Parameter und Prioritäten.
Wir bräuchten in jedem Land zumindest eine wirklich groß aufgezogene Printmedie, die journalistisch frei und gut recherchiert ist und sämtliche Sauereien öffentlich macht aber eben auch die Alternativen benennt, die es bereits gibt. Dass kaum ein Deutscher den Namen Julian Assange kennt, ist ein absolutes Unding.
Natürlich gibt es die free21 und andere. Aber die liegen nicht neben der Bild am Kiosk. Das würde erst einmal viel kosten, aber es dürfte eben nicht durch die Russen oder die Werbung von faschistisch strukturierten Großkonzernen finanziert werden sondern durch Unternehmer, die ihrer sozialen Verantwortung auch gerecht werden wollen. Ich glaube, dass es diese Menschen durchaus gibt. Aber warum tun die nichts, um die Massenhypnose zu beenden?
Mit Human Connection bräuchten wir so eine Printmedie nicht. Wir hätten das alles online, inkl. Selbsmitwirkungsmöglichkeit. Raus aus der passiven Zeugenrolle, rein in die aktive Demokratie.
Die Medien haben die Macht, das öffentliche Meinungsbild zu beeinflussen. Wenn sie parteiisch sind und kriegsmaschinelle Interessen wahren, haben die Bürger schon verloren, weil die meisten blind glauben, was man ihnen an schwarzen Petern liefert. Es ist einfach zu verführerisch, als das schlichte Gemüter nicht darauf hereinfielen. Die AFD und Donald Trump sind der beste Beweis dafür, wie leicht auch gebildete Leute sich von dem eigentlichen Rassismus dieser Tage ablenken lassen.
Also bitte, nur ein einziges Blatt, dass nicht diesen fünf Familien gehört sondern vielleicht einem, der gerade noch rechtzeitig aufgewacht ist und gern mit einem guten Gewissen sterben möchte.
Ja, das wäre schön.
Aber… soll sich eine ganze Nation davon abhängig machen, dass ein Milliardär erleuchtet wird?
Öffentliche Anerkennung sollte gewährt werden, wenn Menschen ökologische und humane Verantwortung übernehmen und sich einbringen für eine heilere Welt. Ein Star zu sein, weil man einen aufgepumpten Po hat oder toll fussballspielen kann, ist ja ganz nett und nicht lebensgefährdend für andere.
Aber Instagram, Twitter, Facebook und Gala vermitteln hier ein menschliches Ideal, das mit Humanismus, Menschenwürde und Fortschrittlichkeit nichts zu tun hat.
Wir sollten eine neue gemeinsame Sicht auf das Erstrebenswerte entwickeln.
Zugleich sollten Menschen moralisch und gesellschaftlich Missachtung und Misserfolg erleben, wenn sie menschenverachtende, zerstörerische Entscheidungen treffen. Es müsste viel mehr Möglichkeiten geben, die uns den Raum schenken, um in einen gesellschaftlichen Diskurs zu gehen, der die Erfolgreichen und Mächtigen im Auge behält und an ihre vorbildliche Verantwortung erinnert.
Human Connection könnte so eine neu formulierte, allgemeingültige Instanz werden. „Ethik ist hip, Alter. Voll geiler Shit, Digger, Facebook ist doch voll Kacke. Lass ma wechseln.“ Und dann wären die Kids aus dem Block, die Studenten von der Uni, die zukünftig armen Rentner und auch alle, denen der Abstieg droht, wenn wieder ein Großunternehmen verkauft wird, um die Anleger zu befriedigen, in einem Boot.
Natürlich hat man da immernoch eine Menge profilneurotische Leute dabei, die ihren eigenen Marktwert so steigern wollen. Aber wollen wir nicht alle einfach nur die Aufmerksamkeit, die man uns als Kind nicht genügend gab 😉
Die Werbung nutzt diese Tatsache schamlos aus.
Wie wäre es, wenn wir zu Anfang auch mal so gerissen wären?

Das wäre sowas von klasse und in gewisser Weise doch auch recht amüsant. Viel wichtiger aber ist doch… Das Denken würde sich verändern, weil immer am Bildschirm-Rande aufploppen würde, dass der momentane Stand veränderbar wäre durch das eigene veränderte Verhalten, das aktive Konsumieren und das Weglassen vom Bling, stattdessen das gemeinschaftliche Gefühl und das wachsende eigene Sinn-Erfahren, das wächst und wächst und wächst.
Das wäre doch mal klasse!!!
Es braucht eine kollektive Wiederbelebung des inneren Erlebens von Würde und Ethik und ein Aufbruchsgefühl, das positiv ausgerichtet ist.
Wir müssen an unser gutes Potential glauben und danach streben – als Weltengemeinde.
Zynismus ist echt langweilig.
Lasst uns mutig sein und etwas Neues ausprobieren…