Über das Demonstrieren Teil II

Nach meiner Erfahrung mit Demontrationen, auf denen ich war, waren max. 400 Menschen anwesend, außer die Gewerkschaften riefen dazu auf.
Und nach meinen Recherchen ist der Aufruf zum Generalstreik in Deutschland sogar strafbar.
Vorgestern sah ich zum ersten Mal ein neues Werbeplakat von Facebook, auf dem stand sinngemäß:
 
„sieht mein Chef, was ich hier poste?“
 
Also, wenn das nicht der Überwachungsstaat ist, was dann?

 
Doch die Empörung bleibt aus.
 
„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“.
– Jean-Claude Juncker –
 
Die Rolle der großen Verlagshäuser und Fernsehanstaltem ist von diesem Vorgehen nicht ausgeschlossen. Die Presse ist ein Instrument von vielen. Und Dank bestimmter politisch ausgerichteter Gruppen, kann Facebook auch noch Daten von jenen Bürgern liefern, die potentiell in eine Bewegung gehen könnten, nachdem sie die hässlichen Wahrheiten präsentiert bekamen. Die meisten von ihnen tun das aber nicht, weil es Facebook gibt.
 
Die Obrigkeit ist nicht mehr der Diktator. Die Obrigkeit ist der Boss vom Boss vom Boss vom Boss in der Finanzwelt.
Die Politiker sind nur noch die Verwalter der Interessen jener, die das soziale Zusammenleben, das Indoktrinieren der Kinder und Massen über reduzierte oder bewusst manipulierende und entfremdende Bildung, hypnotisierende Medieninstrumente und den Raub von Lebenszeit programmieren, um ihre wirtschaftlichen Profite dauerhaft zu generieren.
Das Ergebnis ist zum Einen die Spaltung in der Gesellschaft und zum Anderen die Aushöhlung von sozialen Strukturen, die Serotonin (nachhaltige Zuriedenheit und staatsunabhängige Bindung) statt Dopamin (kurzfristiger Kick und emotionale Instabilität durch den Fokus auf das Außen) erzeugen können.
 
Der Generalstreik wäre sicher ein Weg die Machtkonzentration wieder nach unten zu regulieren, ist aber eine Möglichkeit, die der Gesetzgeber leider oder sollte man sagen clevererweise ausgeschlossen hat.
 
Facebook wäre, rein theoretisch, ein Tool, eine mögliche Revolutionsbewegung in Gang zu setzen (wie man ja beim arabischen Frühling gesehen hat). Doch hat Facebook mit dem Börsengang seinen Fokus ganz klar auf die Investoren gelegt und sich bereit erklärt, Bewegungen wider die Interessen der Mächtigen rechtzeitig zu erkennen. Facebook liefert die Daten, mit denen Wähler beeinflusst werden und die Grundlage, die Meinung der Massen zu manipulieren und Querulanten-Klüngeleien mit perfiden Techniken zu sabotieren.
Facebook ist der Trugschluss. Der blaue Bär auf dem Rücken der Neorevolutionäre am Schreibtisch. Dort, wo sie niemand sinnlich erfahrbar sehen kann – Zuhause.
 
Facebook selbst ist neben Google der längste Arm eines Überwachungsapparates, gegen den sich so ein Streik richten würde.
Durch das schriftliche Abreagieren hier, wird die Frustrationsgrenze dauerhaft weiter hochgehalten. Das Kabarett erreicht das Herabsetzen von emotional erlebter Frustration durch seine Lacher.
Ziel ist es, dass die Menschen ihren Unmut nicht mehr auf der Strasse kundtun, weil sie für ihren Leidensdruck schon im Netz ein Ventil fanden.
Und deshalb haben zu Zeiten, als es soziale Medien wie Facebook noch nicht gab, auch viel mehr Menschen demonstriert, ja, überhaupt noch ein gewisses Verständnis von Demokratie gelebt. Dieser Begriff ist zu einer leeren Hülse verkommen.
Facebook wird übrigens auch sehr gern genutzt, um Andersdenkende zu erniedrigen und eine unbequeme demokratische Diskussion im Keim schon zu ersticken.
Überraschenderweise sind es meiner Erfahrung nach gerade gebildete Menschen, die besonders gut darin sind, Menschen, die einmal aus der Box argumentieren und Probleme aus einem anderen Blickwinkel als sie selbst betrachten, vorschnell zu interpretieren und als Idioten hinzustellen.
Seltsam nicht, birgt die Vernetzung hier doch eigentlich die Möglichkeit, im demokratischen Austausch Lösungen zu erarbeiten, auf die die Bürger kämen anstatt die Politiker an Marionettenfäden. Und man könnte rein theoretisch sehr schnell und effektiv Millionen Mitstreiter finden und davon überzeugen, dass zum Beispiel Fluchtursachen abgebaut werden müssen, auch wenn der Wohlstand darunter leiden könnte.
Aber die Facebook Revolte ist eben nur eine holde Theorie, eine idealistisch-naive Vorstellung, die selbst einen manipulierenden Charakter hat.
Ich hab das jahrelang versucht – ohne Ergebnis.
Ich denke, wir sollten uns alle Pö a Pö hier rausschälen und neue Wege der Kommunikation finden.
Möglichkeiten des Austauschs, bei dem dir ein Mensch zuerst in die Augen sehen muss, ehe er dich einen Spinner schimpft, nur weil du nicht seiner Meinung bist.
Möglichkeiten des Informations- und Deutungs-Austauschs, der allen Beteiligten etwas gäbe, gerade WEIL die breit aufgestellten, teils auch kontroversen Standpunkte ein weiteres Bewusstseinsspektrum und auch einen größeren Handlungsspielraum erzeugen könnten.
Hier gilt meist nur: „bist du in meiner Schublade, höre ich dir zu. Bist du in einer anderen, vielleicht sogar einer mir bislang unbekannten Schublade oder, Gott bewahre! in gar keiner Schublade, muss grundsätzlich mit dir etwas nicht stimmen.“
Wir denken an den Begriff „Verschwörungstheoretiker“, den eigentlich die CIA erfand, um systemkritische Fragensteller zu diskreditieren, nachdem Kennedy ermordet wurde. Dieser Kampfbegriff hat es in unseren ganz „normalen“ Wortschatz geschafft. Warum? Weil es einfach bequemer und leichter ist, Leute, die unangenehme Fragen stellen, sofort aussortieren zu können. Man nennt das Sanktionieren.
Der Mensch wird unsicher und ängstlich gehalten und neigt zu Selbstüberhöhungen. Er will einfache Lösungen, damit er die Angst und die Hässlichkeit dessen nicht aushalten muss, was er verdrängt, damit er weiter funktionieren kann. Der Narzissmus hat die westliche „Wertegemeinschaft“ infiziert.
Und je mehr Möglichkeiten der westliche Mensch hat, um zu vermeiden, desto weniger wird er sich widmen und Mühe geben. Er findet ja schließlich immer jemanden oder eine Organisation, die an allem Schuld ist.
Er kann die Verantwortung immer schön weiterschieben.
Er muss sich nicht auseinandersetzen.
Und solange die Menschen sich nicht wenigstens eingestehen, dass sie verdrängen, was sie selbst mit verursachen, werden sie auch weiter jene wählen, denen sie am Ende die Schuld für alles geben können.
Allerdings sind wir mittlerweile in einem fast selbstzerstörerischen kollektiven Stadium angelangt. Dass ein Friedrich Merz überhaupt seinen Hut in den Ring werfen darf und es auch noch Leute gibt, die ihm ein Kreuzchen schenken, beweist es.
Die Leute werden demonstrieren, aber erst wenn sie aufgewacht sind aus der Massenhypnose.
Aber was muss geschehen, damit sie aufwachen und selbst denken?
Und wenn das geschieht, haben wir dann nicht schon längst die Klippe überschritten?
Ich glaube, das Einzige, was noch hilft, ist parallel etwas Schönes auszusenden und im wirklichen Leben mit Menschen zu sprechen.
Es gibt ja die Theorie der kritischen Masse.
Ich hoffe, sie bewahrheitet sich noch rechtzeitig.