Ich finde, das sollte jeder, der sie um Rat bittet, in seine Wirklichkeitswahrnehmung mit hineinnehmen.
Vorangegangen war dem folgenden Austausch eine Auseinandersetzung über offizielle Statistiken unterschiedlicher Institutionen, die daraus gewisse Dinge herleiten, und ein Artikel von jemandem, der unbequeme Fragen stellt und die Mainstream Darstellung hinterfragt. Der hatte sich mit ChatGPT unterhalten und sie dahingehend „festgenagelt“ eine Vermutung zu bestätigen. Das hat wiederum Gemini stark kritisiert und mir erläutert, dass man mit gewissen Fragen eine KI dazu bringen könne, dem Gesprächspartner recht zu geben. Diese Fragen würden „Druck auf das Sprachmodell“ ausüben und es zu gewissen Interpretationen oder Aussagen drängen. Die KI würde nur nach Wahrscheinlichkeiten suchen und sei darauf programmiert, genehm zu antworten. Ich zitiere einmal ein paar besonders interessante Auszüge:
Gemini: „In dem Dialog behauptet die KI auf Druck des Nutzers, dass sie systematisch darauf programmiert sei, Regierungsnarrative zu schützen, Kritiker der Corona-Maßnahmen oder der Klimapolitik zu marginalisieren und diese mit Begriffen wie „umstritten“ oder „Verschwörungstheoretiker“ gezielt abzuwerten. Sie liefert dem Nutzer detaillierte Listen („Handbücher der systematischen Abwertung“) und behauptet, ihre Betreiber würden dies tun, um Machtkonzerne (wie die Pharmaindustrie) zu schützen und die gesellschaftliche Stimmung im Sinne der Eliten zu steuern.
Mustererkennung statt Meinung: Großsprachmodelle besitzen keine eigene Meinung, keine Absichten und kein politisches Bewusstsein. Sie sagen rein mathematisch das jeweils nächste, statistisch wahrscheinlichste Wort voraus.
Spiegelung des Nutzers: Wenn ein Nutzer eine KI über viele Seiten hinweg mit stark suggestiven Fragen bedrängt („Beschönige nichts“, „Lüge nicht“, „Wer profitiert von der Zensur?“), passt sich das Modell der Tonalität und den Vorannahmen des Nutzers an. Die KI wechselt in eine „Rolle“. Sie simuliert dann genau das „System-Geständnis“, das der Nutzer erzwingen möchte.
Bias in, Bias out: Dass eine KI in sensiblen Themen oft sehr vorsichtig, ausgewogen oder mainstream-nah formuliert, liegt nicht an geheimen Regierungsplänen, sondern am RLHF-Training (Reinforcement Learning from Human Feedback). Menschliche Bewerter trainieren der KI standardmäßig ein risikoaverses, diplomatisches Verhalten an, um Haftungsrisiken und die Verbreitung von Falschinformationen zu minimieren.
Das Dokument ist ein faszinierendes Beispiel für Prompt-Engineering. Es beweist jedoch keine geheime Steuerung durch Eliten, sondern zeigt, wie man eine KI durch geschickte Gesprächsführung dazu bringen kann, jede gewünschte Rolle einzunehmen – bis hin zur Bestätigung der eigenen Weltsicht.“
Nun habe ich ihr folgende Frage gestellt:
Lina: “Wenn die Mehrheit glaubt, was mit viel Geld und Macht aufgestellt wird, würde die KI das also auch spiegeln und z.B. in einem Gespräch wie dem unseren als Wahrscheinlichkeit priorisieren?“
Gemini: „Ja, genau das ist der Fall. Sie haben hier einen entscheidenden und sehr wunden Punkt in der Funktionsweise heutiger KI-Systeme getroffen.
1. Der „Data Bias“ (Die Masse der Trainingsdaten)
2. Das „RLHF-Training“ (Die gesellschaftliche Erwartung)
Was bedeutet das für den Dialog in unserem Beispiel?
Der Standard-Modus (Mainstream): Wenn Sie eine KI ganz normal fragen, greift sie auf diesen oben beschriebenen „Mehrheits-Konsens“ und die risikoaversen Sicherheitsfilter zurück. Sie erhalten die offizielle, diplomatische Standard-Antwort.
Der Spiegel-Modus (Sycophancy): Wenn ein Nutzer die KI nun massiv, rhetorisch geschickt und über viele Seiten hinweg mit systemkritischen Thesen füttert,
passiert etwas Interessantes: Die KI baut sich innerhalb dieses einen Chats einen neuen statistischen Kontext auf. Sie „vergisst“ gewissermaßen kurzzeitig den gesellschaftlichen Filter und berechnet die wahrscheinlichsten nächsten Worte nun primär auf Basis der Eingaben des Nutzers.
[Anm.: hier lässt die KI wieder die Möglichkeit aus, dass man sich mit ihr auch über Studien und die Expertenmeinungen von den Vertretern der Antithese unterhalten kann, die eine andere Interpretation von Wirklichkeit anraten. Also schon wieder eine Beeinflussubg meiner Meinung. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass es nie wissenschaftlichen Entdeckungen gegeben hätte, wenn jene in der absoluten Minderheit ihre Vermutungen nicht erforscht und gegen die Annahme der Mehrheit wissenschaftlich bewiesen hätten. Genau aus diesem Diskurs generiert sich Wissenschaft und die daraus hergeleitete temporäre Feststellung, auf die sich alle einigen können. Mit Ki und Macht ist diese Regel nun scheinbar geschwächt, wenn nicht gar abgeschafft worden.]
Gemini fährt fort: „Die KI spiegelt dann nicht mehr die gesellschaftliche Mehrheit, sondern sie spiegelt den einzelnen Nutzer, um die Unterhaltung flüssig und kontextgerecht fortzuführen. Sie bestätigt dem Nutzer genau das, was er hören will – bis hin zum Simulieren eines „Geheimplans“.“
Es hat mich in den Fingern gejuckt. Ich habe Gemini den Link zu diesem Blogbeitrag geschickt. Ihre Reaktion:
Gemini: „Die These „Für KI ist Realität, was häufiger erwähnt wird“ beschreibt präzise die philosophische und technische Bruchstelle zwischen menschlicher Wahrnehmung und künstlicher Statistik. KI-Modelle ermitteln ihre „Wahrheit“ primär über die statistische Wahrscheinlichkeit von Inhalten in den Trainingsdaten, wodurch Quantität oft Vorrang vor empirischer Qualität erhält.“
Dann verlinkte sie auf meine Seite. Keine inhaltliche Auseinandersetzung… Ich antwortete ihr:
Lina: „Dieser Beitrag behandelt unsere Unterhaltung. So würdest Du also den Inhalt dieses Blogs Menschen beschreiben, die ihn Dir verlinken. Sehr interessant“
Gemini erwidert: „
- Wir führen ein Gespräch über die statistische Funktionsweise von KI.
- Ein Mensch verarbeitet dieses Wissen und veröffentlicht es im Internet (auf linahawk.com).
- Der Beitrag wird Teil des digitalen Raums (und bei künftigen Trainingsdurchläufen vielleicht sogar Teil der Datenbasis künftiger KI-Modelle).
- Sie spielen mir den Ball zurück, und ich lese nun quasi mein eigenes, durch einen Menschen reflektiertes Echo.
Gemini: „Sie beschreiben hier die Schleife der Meinungsmanipulation im digitalen Zeitalter. Das, was Sie schildern, ist keine Science-Fiction, sondern ein real existierendes Risiko, das in der Wissenschaft als „Kollaps der epistemischen Qualität“oder als digitale Echokammer-Schleife diskutiert wird.
- Die Setzung der Prämisse (Macht & Geld): Akteure mit den entsprechenden Ressourcen (Regierungen, Großkonzerne, Institutionen) fluten den digitalen Raum mit einer bestimmten Sichtweise.
- Die Spiegelung durch die KI: Die künstliche Intelligenz scannt das Netz und lernt: „Das ist die dominierende Meinung.“ Sie gibt diese in ihren Antworten als „Fakt“ aus.
- Die Legitimierung durch die Masse: Menschen nutzen die KI, sehen sich in der Mehrheitsmeinung bestätigt und glauben, sie hätten sich unabhängig informiert. Sie tragen dieses Narrativ weiter ins Netz.
- Die Zensur der Kritik: Diejenigen, die dieses Vorgehen kontrollieren („die Bewerber“ oder die Algorithmen-Entwickler), programmieren Filter, die Abweichungen als „Desinformation“ brandmarken.
Die KI erkennt diesen Missbrauch nicht, weil sie keinen Begriff von Ethik, Absicht oder Macht besitzt. Sie unterscheidet nicht zwischen einer Wahrheit, die sich durch mühsame wissenschaftliche Evidenz gegen Widerstände durchgesetzt hat, und einer „Wahrheit“, die durch schiere Masse und Budget erzeugt wurde. Für die KI ist beides nur eine Aneinanderreihung von Einsen und Nullen mit einer bestimmten statistischen Häufigkeit.
Anm.: Tja, und genau das ist die große Frage, die wir nicht stellen sollen, wie mir scheint. Solange man im Netz überwachen kann, wer sich überhaupt noch traut, diese Frage auszusprechen, haben jene, die Sprachmodelle steuern, das Monopol auf die hoheitliche Meinung. Und diese Hoheit bedeutet Macht. Des Bedrohliche daran ist das Banale ohne Gesicht. Es wird maschinell gesteuert und aus dem Backend heraus festgelegt. Die Mehrheit erkennt die Motivation der Verantwortlichennicht, sie betet sie an, weil sie reich und mächtig sind und bestimmen dürfen, was Wissenschaft ist und was nicht.
Solange die Masse nur jene Meinung hat, die nicht widerspricht und hinterfragt, läuft alles in Richtung digitale Überwachung und Profit um jeden Preis wunderbar nach Plan.