Du bist nicht Deine Wunde

 

Nachtrag (frei gesprochen): Der Verstand ist nicht dazu da, die Liebe zu verhindern, indem er uns Ausreden dafür liefert, das Individuelle und den Schmerz zu leugnen. Die Liebe ist dazu da, uns die Wahrheit zu zeigen, und DANN dürfen wir das Werkzeug unseres Verstandes dazu nutzen, das zu verändern, was ihr im Wege stand und sich in der Vermeidung als etwas maskiert hat, das wir nicht sind.  Der Verstand darf neue Wege finden, die Grenzen der Vermeidung zu überwinden, nicht diese zu bestätigen.

 

 

Solltest Du zu jenen gehören, die emotional lebendig sind und sich den Kontakt zu ihrem inneren Kind bewahrt haben, wirst Du in dieser Welt ständig auf die Probe gestellt werden. Deine Schwingungsfähigkeit macht Deinen Energiekörper zu einem großen Schwamm für die Frequenzen anderer. Und wenn in Deinem schönen Köpfchen ein neurodivergentes Gehirn sitzt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieses sich in Deiner Kindheit bereits ausbildete. Dann darfst Du lernen, den Schwamm in einen Spiegel zu verwandeln und Dich nicht mit allem zu identifizieren, was nicht zu Dir gehört.

Dieses System ist für neurotypische Gehirne gemacht worden. Sie können die vereinfachenden Regeln adaptieren. Sie wollen die Komplexitäten nicht wahrnehmen, weil das Reduzierte ihr Leben vereinfacht. Sie haben keine Sehnsucht nach dem Flow und neigen auch dazu, Menschen, die sich nicht so gut an das Diktat anpassen können und Träume haben, zu stigmatisieren, weil die Abweichler das Mindset der Mehrheit sprengen.

Lebendige innere Kinder machen ein Licht in uns an. Sie schenken uns Gefühle tiefer Freude und befähigen uns dazu, andere bis in die kleinste Faser hinein kennenlernen zu wollen und uns an der Einzigartigkeit unseres Gegenübers zu erfreuen. Sie sind ein Teil von uns, aber nur, wenn wir uns für sie einsetzen und Rückgrat zeigen… wenn wir sie nicht verbergen, sondern sie in eine Begegnung hineinnehmen, von der wir uns mehr versprechen als nur oberflächliche Scheinsympathie. Und sobald dann eine tiefe Verbindung zwischen zwei inneren Kindern und den dazugehörigen Erwachsenen entsteht, die Intimität erzeugt und eine dritte Instanz erschafft, die genährt und behütet werden muss, um die inneren Kinder zu beherbergen und mit ihrer Macht etwas Neues zu erschaffen – etwas, das Licht in die Welt bringt – geschieht sehr häufig Folgendes:

Die Nähe reaktiviert das Kindheitstrauma, und der Schmerz wird daraufhin gemieden. Das reaktive Wegdrücken beginnt und untergräbt das Vertrauen. Nun widersprechen sich die Vermeidungsmechanismen, die sich beide im Leben aneigneten, um in einer Welt zu navigieren, in der innere Kinder nicht willkommen sind, weil Gefühle Prozesse verlangsamen und die Produktivität einschränken. Es wird nach unten gepresst, was oben zu fragil erschiene, um die Maske der gleichgültigen Coolness zu bestätigen. Und das nennen die Leute “erwachsen“.

Wer als Kind für seine Unangepasstheit und seine Emotionen bestraft oder sogar einfach nur so verlassen wurde, trägt eine Wunde in seinem Herzen, die erst dann heilt, wenn man lernt, sich selbst zu beeltern und niemanden in seinem Leben zu akzeptieren, der Emotionen bestraft, Angepasstheit verlangt, Wahrnehmungen deligitimiert oder sich schlicht entfernt, wenn es Nähe und Widmung bräuchte.

Wenn jemand, für den Du Dich entschieden hast, die emotionale Vertrautheit zu Dir aufgebaut hat, um körperliche Intimität zu bewirken, dann aber den gemeinsamen Raum nicht pflegt, sondern die Kraft beider Seelen, die beim Kontakt freigesetzt wird, entweder

A) in seine Karriere investiert und/oder

B) auf einmal kalt und distanziert wird und/oder sogar

C) den gemeinsamen Schatz zu jemand anderem trägt und das Leuchten Deines inneren Kindes gegen Deinen Willen an eine dritte Person weiterreicht und Dein erwachsenes Vertrauen missbraucht,

ist das keine Liebe – es ist das Gegenteil davon.

Dieses Phänomen kann verschiedene Ursachen haben, und unser Verstand sucht danach, weil unser Herz die anfängliche Verbindung wieder herstellen und einen Sinn erkennen möchte. Aber wäre sie von beiden ernst gemeint und gleichermaßen wertgeschätzt worden, bestünde sie noch – die Liebe. Dann würde sie nicht verleugnet werden. Dann investierten beide, um sie zu bewahren. Keine Notlüge, kein Spielchen, kein Verschweigen wäre so stark wie sie. Alles käme auf den Tisch, um nach einer Lösung zu suchen…

… dann wäre die Seele im anderen stärker als sein Ego und würde Entscheidungen treffen, die Wachstum und Veränderung ermöglichten. Ist dem nicht so, kann ein Mensch, der mehr versprochen hat, als er halten wollte – jemand, der Deine Wunde kennt, weil Du Dich ihm anvertraut hast – sie reaktivieren. Um sein inneres Kind mit seinem Gefühl zum Schweigen zu bringen, wird er das Einzigartige zwischen Euch umdeuten und pathologisieren, es auf die Körperlichkeit reduzieren oder irgendetwas projizieren, was gar nicht da ist, sich vielleicht von Dritten ausreden lassen, was nicht sein darf, um sich abwenden zu können. Es gibt nichts, was Du dagegen tun könntest.

Keine schöne gemeinsame Erinnerung entschuldigt auch nur ansatzweise, dass jemand Dein inneres Kind und Deine erwachsene Würde verletzt, um den einfacheren Weg zu wählen und zu verdrängen. Und anstatt nun in Deiner eigenen Traumavermeidung steckenzubleiben und Gedankenschleifen zu ritualisieren, die nirgends hinführen, konzentriere Dich auf Dich selbst. Zwinge Dich täglich dazu, in die Bewegung zu kommen und Dinge zu tun, die Dein inneres Kind glücklich machen. Suche nun keine oberflächliche Gesellschaft, sondern sei für Dein inneres Kind da. Höre ihm zu. Frage Dich, was ursprünglich in ihm ausgelöst hat, was durch diesen neuen Menschen reaktiviert wurde. Ganz egal, wie lange es dauert und wieviele Tränen geweint werden müssen.

Nun hast Du die einmalige Gelegenheit dazu, der Mensch zu werden, den Dein inneres Kind damals gebraucht hätte. DU lässt es NICHT allein. DU bringst es NICHT zum Schweigen. DU redest ihm NICHT ein, dass seine Wahrnehmung nicht stimmt oder seine Gefühle übertrieben sind. Du redest auch nicht mit anderen darüber, die Dein inneres Kind weder kennen, noch je versucht hätten, es in den Arm zu nehmen. DU FRAGST ES, was es braucht, was es sich wünscht, was es gern essen, basteln, malen, bauen, kreieren, singen oder backen würde, wo es heute gern sein möchte, was es immer gern getan hätte, aber nie durfte. Und wenn DAS etwas ist, was nur in Maßen gut tut, findet ihr gemeinsam eine Alternative, die den Traum fördert. EUREN Traum!

Ja, all das wolltest Du mit diesem Menschen tun, aber dieser Mensch will das nicht mit DIR tun, weil er sich dann mit seinem inneren Kind und seinem Schmerz konfrontieren hätte müssen. Weil er sich dann fragen hätte müssen, was sein Traum ist, denn DU hättest ihn danach gefragt. Er hat gelernt, sich KEINE Zeit dafür zu nehmen, darüber nachzudenken, was Veränderung braucht, um Träume zu verwirklichen. Er hat es sich in der Vermeidung davon gemütlich gemacht.

Der Traum muss aus dem Trauma herausgelöst und durch Heilung befreit werden.

Es braucht nur 66 Tage, um eine neue, gesunde Angewohnheit zu etablieren. Und wenn es auch nur EINEN Menschen in Deinem Umfeld gibt, der Dir nicht erlauben will, diese Veränderung anzustreben, der Dich in alte Muster hineinziehen will oder bewirkt, dass Dein inneres Kind wieder schweigt, grenze Dich von ihm ab. Sei mutig und verzichte auf den Kontakt zu Leuten, die Dich von Dir selbst entfremden – es ist vollkommen egal, wie lange Du sie schon kennst und wieviel Du für sie empfindest. Liebe Dich selbst mehr, denn sonst kannst Du nicht für den Menschen geliebt werden, der Du eigentlich bist. Du hast genug Lebenszeit mit Vermeidung verschwendet. Stutze Dir nicht die Flügel, um in den engen Raum eines Menschen hineinzupassen, der die seinen weder wahrnehmen noch ausbreiten will. Es reicht!

Und wenn es zu Konflikten führt, dass Du Dich für Deine Wahrheit und Bedürfnisse aufrichtest, dann ist das so. Lasse Dich nicht für dumm verkaufen und klein machen. Wer Dich respektiert und liebt, will, dass Du glücklich bist. Der unterstützt Dich nicht dabei, Dein Inneres zu sedieren. Der fordert Dich dazu heraus, ehrlich zu sein und an Dich zu glauben. Der wendet sich nicht von Dir ab, wenn Du den Mut aufbringst, Dich mitzuteilen. Der öffnet sich und ist neugierig auf Dich. Der hütet Dein Vertrauen und verrät Deine Geheimnisse nicht. Der lässt niemand anderen unerlaubt in das Feld Eurer Intimität hinein. Wer das tut, liebt Dich nicht. Der gefährdet Deine Seele und benutzt Dich nur – energetisch und/oder existenziell. Der spielt mit Dir und entschuldigt es mit kognitiven Ausreden.

Glaube mir, so jemanden brauchst Du nicht. Lerne, Dir selbst zu geben, was Du Dir einst von diesem Menschen gewünscht hast. Lass los. Das, was Du gesehen hast, war vielleicht auf Seelenebene existent. Aber wenn ein Mensch die Vermeidung lebt, ist sein Ego stärker als seine Seele, dann wird sein Ego Dir niemals die Wahrheit sagen, damit Du loslassen kannst, weil sein Ego viel zu eitel dafür ist und die Selbsterkenntnis fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Warum? Weil der Mensch dann sein eigenes verletztes inneres Kind finden würde und dann auch dafür Verantwortung übernehmen müsste, es zu heilen und sein Netzwerk darauf zu überprüfen, wer tatsächliches Interesse hat und seinem Herzen gestatten würde, auf Entscheidungsprozesse Einfluss zu nehmen.

Viele Leute wollen schnelle Impulsbefriedigung und nehmen dafür in Kauf, Trümmerfelder zu hinterlassen, weil sie das Verdrängungsverhalten in ihre Persönlichkeit hineingenommen haben und schon vor Dir Beziehungen aufgebaut haben und mit Menschen pflegen, die ähnlich vermeiden wie sie. Sie glauben, das sei ein Ausdruck von Kompatibilität, dabei ist es ein Zeichen von Co-Abhängigkeit. Diese legt uns ein Korsett an und tarnt sich als Sicherheit. Derlei Verbindungen verleiten dazu, sich auf Verstandesebene mit Menschen zu identifizieren, die einander gar nicht kennenlernen wollen, wie sie sein könnten. Sie benutzen einander, um so zu bleiben, wie sie einmal waren.

Vermeidende Persönlichkeiten haben nicht vor, seelisch zu wachsen und ihr Leben zu wandeln. Sie wollen nur das Licht haben, das Du Dir bewahrt hast und ihnen fehlte. Doch schenkst Du es ihnen, ohne dass sie Dir gezeigt haben, dass sie darauf aufpassen und es mit dem ihren erweitern können, riskiert Du Dein Leben. Dann läufst Du Gefahr, Dich selbst in jenem Schock zu verlieren, in dem jemand Dich zurücklassen kann, der Dich nicht spürt, weil er sich selbst nicht spürt. Wer dazu in der Lage ist, verdient es nicht, dass Du um ihn weinst.

Ich weiß, das ist hart, und Dein Verstand versucht, es zu verstehen, einen Sinn darin zu finden… Etiketten zu verteilen, die logisch begründen, warum ein Mensch, dem Du alles anvertraut und Liebe gegeben hast, Euch einfach wegwerfen konnte. Aber Dein Verstand kann die Verbindung nicht lösen, die Du immer noch fühlst, weil sie energetisch geknüpft wurde. Nur Dein Herz kann sie lösen, indem es seinen eigenen Wert erkennt und sich freiwillig abwendet. Nur Dein Herz ist in der Lage dazu, das Mitgefühl mit Dir zu haben, dass Dir ermöglicht, anzuerkennen, dass diese Person wirklich getan hat, was sie getan hat. Es spielt keine Rolle, ob sie es bewusst oder unbewusst tat. Sie passt nicht zu Dir, weil sie den Wert der Verbindung nicht anerkennt.

Heile nicht nur mithilfe der Tränen, die Du Dir unbedingt erlauben solltest… Heile nicht nur mithilfe der Wut, die Dich im Nachhinein davor behüten will, benutzt und getäuscht zu werden… Heile auch mit dem, was Dir Halt und Freude schenkt und Dich daran erinnert, wer Du warst, bevor man Dir Dein Herz gebrochen hat. Lass nicht zu, dass die Schwere der Trauer Dich von der Leichtigkeit trennt, die Dein inneres Kind ebenso braucht wie die Dein Mitgefühl. Nimm es an die Hand und zeige ihm, dass Du es liebst. DU gehst nicht weg. DU erzählst ihm jetzt, was Du alles schon erreicht hast in Deinem Leben. Zeige ihm, womit ihr kreativ sein könnt, und wenn noch etwas fehlt, gehe mit ihm los und besorge es. Nimm es mit in Dein Zuhause und teile mit ihm, was Du mit dem Menschen teilen wolltest, der Dich nicht lieben kann.

Mach Platz in Deinem Terminkalender – für Dein inneres Kind und Dich. Das ist jetzt Deine Me-Zeit. Und wer das nicht respektiert und eifersüchtig wird, gehört nicht in Dein Leben. Und DU, ja DU beschützt jetzt Dein inneres Kind! Du normalisierst das! Wer Dich verletzt und kein Interesse bekundet und auf der Matte steht, das wieder in Ordnung zu bringen, was er verursacht hat, kann weg. Nicht in zehn Jahren, nicht in zehn Monaten, nicht in zehn Tagen, nicht in zehn Stunden, nicht in zehn Minuten, nicht in zehn Sekunden… JETZT!

Du brauchst niemanden, der kein Interesse daran hat, wie es Deiner Seele geht, weil so jemand Dich von Dir selbst entfremdet, sobald Du Loyalität für ihn empfindest. Wer Dir nicht treu ergeben und ein sanftmütiger Freund sein mag, ist Gift für Dein System, wenn Du ihn einlässt. Der ist nicht reif für das, was zwischen Euch entstehen könnte, egal wie schön es wäre, egal was Deine Hellfühligkeit an Potenzial erkennt: Wer die eigene Seele nicht priorisiert, kann kein gemeinsames Schloss aufbauen, der kann nur einreißen und leugnen, dass er Trümmer hinterließ.

Nimm die Steine, sortiere sie neu, nutze die Gelegenheit und lerne Dich noch besser kennen. Baue etwas Neues auf, zusammen mit Deinem kleinen Ich und lasse es darauf Einfluss nehmen, was Du mit dem, was Dir blieb, und mit dem, was Du erträumen kannst, erschaffen darfst. An jedem Tag, der Dir noch bleibt. Und sollte wieder jemand an die Tür klopfen, weil er das Licht im Fenster sieht, lasse ihn erst hinein, wenn er wissen möchte, wie man Schlösser baut und Dich auch in sein Haus einlädt und teilen mag, was ihn berührt und erfüllt.

Die Liebe zwischen zwei Menschen sollte nicht nur von einem Licht genährt werden. Zwei Lichter ergeben ein drittes. Das ist gesund und tragfähig. Und das wird geschehen, sobald Du wieder ganz bei Dir angekommen bist und nicht ersehnst, was Dir verweigert wurde. Die Vergangenheit ist vorbei.

Dein Herz und die kreative Instanz in Dir, die eine neue Wirklichkeit erschafft und Freude in Dein Leben bringen kann, brauchen emotionale Stabilität. Sie brauchen Dich als stabiles Fundament. Dein Ich ist ihr Zuhause. Identifiziere Dich nur mit dem, was mit Deinem ethischen Kompass und Deinen seelischen Bedürfnissen harmoniert. Alles andere hielte Dich nur auf und gefährdete Deine Entwicklung.

Das Leben ist zu kostbar, um es in einen Nebel der Verwirrung einzutauchen.

Du bist nicht Deine Wunde, aber Du darfst Dich um sie kümmern und erkennen, was sie Dich gelehrt hat. Dann wird Dir die Schatzkarte Deiner Träume geschenkt. Dann gehst Du nicht verloren in einem neurotypischen Korsett. Dann breitest Du Deine Flügel aus und bestimmst das, was möglich ist, weil Du es Dir wert bist.

Dann wartest Du nicht auf andere, sondern vertraust Deinem Instinkt, dem Leben und Deinem Herzen. Heute schon kann ein Wunder geschehen, aber Du musst es auch zulassen.