Vergebung ist keine kognitive Entscheidung

 

Teil 2: frei gesprochen

 

Sie ist ein Prozess.

Nach psychischem, mentalem und/oder sexuellem Missbrauch, in dem ganz oft auch Lügen und Betrug eine Rolle spielen, musst Du zunächst den falschen Glauben an eine Realität konfrontieren und verarbeiten, die Dich ausgeliefert und dazu bewogen hat, gefügig zu werden und/oder aus Angst vor Verlust oder Strafe viel zu lange in dem zu verharren, was Dir seelisch oder körperlich schadete.

Hol Deine Energie zu Dir zurück, schaffe Dir einen ungestörten und sicheren Seelenraum und nähere Dich über die Enttäuschung an das an, was Du eigentlich brauchst und anstreben könntest. Dein Leben und Du seid kostbar, und wenn Du zu lange zugelassen hast, dass Dich jemand wie einen Fußabtreter behandelt und leiden lassen hat, braucht es vielleicht eine Weile, um Dich daran zu erinnern, dass Du wertvoll bist und Liebe verdient hast.

Wenn Dir jemand Unrecht tut und Deine an diese Person gebundene Realitätswahrnehmung an dem zerbricht, was Du dann erkennst, musst Du Dir eingestehen, dass Du einem Menschen vertraut hast, der in Wirklichkeit nie existiert hat. Dieser Mensch hat Dich bewusst verletzt, und Du musst Dich langsam an die tatsächliche Realität gewöhnen und die Traumareaktion darauf verarbeiten.

Du wirst Dir vielleicht auch Vorwürfe machen, weil Du es zugelassen und nicht erkannt hast, was wahr war. Hinterher fallen Dir all die Warnsignale auf, aber dann ist es zu spät, Dich in vergangenen Umständen selbst abzugrenzen und für Dich oder Deine Kinder einzustehen.

Sobald du den Zustand der Wut erreicht hast, bist du ein gutes Stück auf dem Weg der Heilung vorangekommen, denn dann beginnst Du, Grenzen zu setzen und Dich retrospektiv für Dich selbst gerade zu machen. Dann kann auch die Kraft zurückkommen, und Dein Selbstwert baut sich in Millimeterschritten wieder auf.

Kommunizierst Du innerhalb dieser Phase der Heilung mit anderen, wird Dir manchmal geraten, doch zu vergeben, damit es Dir besser gehen kann. Doch jene, die das sagen, wollen nur Deine authentischen Gefühle zum Schweigen bringen, damit diese ihre eigenen verdrängten Gefühle nicht spiegeln können.

Die Harmoniesucht kann bis zum Selbstverrat metastasieren und jegliche Integration von dem, was innerpsychisch real ist, verhindern. Die Folge sind dann Somatisierungen und/oder ernsthafte psychische Folgeerkrankungen oder Burnout.

Übernimm keine Verantwortung für die inneren Konflikte unempathischer Menschen, die nicht stark genug sind, für Dich da zu sein und – mit allem, was gerade in Deiner Realität angeschaut und mitgefühlt werden muss – für Dich einzustehen.

Tu ihnen keinen Gefallen, indem Du Deine Gefühle betäubst oder negierst und so tust, als würdest du vergeben können, was Du noch gar nicht auf Zellebene begriffen und durchlebt hast.

Du musst es zuerst vollständig anerkennen, um davon heilen zu können.

Wenn ein missbräuchlicher Mensch Dein seelisches oder existenzielles Wohl erneut bedroht, ist es erst recht keine Zeit für Vergebung, sondern für Strenge und notfalls auch rechtliche Schritte, besonders dann, wenn das Wohl eines Kindes ebenfalls bedroht ist.

Vergebung ist eine Gnade Gottes, die Dir dann zuteil wird, wenn Du vom Schmerz geheilt bist und diesen Menschen mit anderen, distanzierten Augen betrachten kannst. Aber sie ist überhaupt kein Muss. Manche Menschen ändern sich nicht und würden Dich immer wieder verleugnen, belügen, objektivieren und benutzen.

Die Vergebung kann und sollte nicht auf kognitiven Entscheidungen beruhen. Sie ist ein mystischer Prozess des Herzens und dieser braucht ein absolut entspanntes Nervensystem und emotionale Sicherheit.

Entweder die Vergebung kommt aus einem Mitgefühl heraus, das erst auf jener höheren Ebene zustande kommt, die durch einen sicheren geistigen und existenziellen Abstand und ein vollkommenes Losgelöstsein ermöglicht wird. Oder sie entsteht durch ein ehrliches Gespräch, in dem das Gegenüber aus einem mitfühlenden Herzen heraus ernsthaft darum bittet.

Solange es noch Anteile in Dir gibt, die sich die hypnotische Scheinzukunft und ein Leben mit dem Potenzial eines Menschen wünschen, der in der Realität alles tut, um all die Aufgaben zu vermeiden, die ihn dorthin bringen könnten, haftest Du noch an die Scheinrealität an.

• Solange Du noch irgendeine Erwartung hegst, bist Du nicht losgelöst.

• Solange Du den Schmerz noch meidest, bist Du nicht genug bei Dir, um allein mit dem, was ist, zu wachsen.

• Solange Du noch einen Vorteil davon hast, eine scheinheilige Harmonie zu manifestieren, ist Vergebung das Letzte, über das Du Dir Gedanken machen solltest.

• Solange Dein Nervensystem noch in Alarmbereitschaft ist, Du täglich mit der Vertrauensfrage haderst und Cortisol- sowie Adrenalinschübe Dir die Leichtigkeit und vielleicht auch den Schlaf rauben, bist Du noch angebunden an die ungelöste Ursache für das Trauma.

Niemand hat das Recht dazu, Dir einzureden, dass es Dir schaden würde, anzunehmen, dass Du in einer Opfer-Täter-Dynamik steckst. Wo Ohnmacht und Hilflosigkeit in sozialen Bindungen den Fokus beherrschen und den Ausnahmezustand zur Regel erklären, ist das Victim-Blaming noch schlimmer als der Missbrauch selbst.

Du musst nicht vergeben, um wieder glücklich zu werden, schon gar nicht, wenn der Täter keinerlei Mitgefühl mit Dir zeigt oder Verantwortung übernehmen will.

Das einzige, was Du tun solltest, ist endlich ehrlich zu Dir selbst zu sein und Dich mit all Deinen Wahrnehmungen ernst zu nehmen.

Auch nicht für das religiöse Ideal Deiner Familie solltest Du Dich verleugnen. Verstelle Dich schon garnicht vor Gott. Er kennt doch sowieso die Wahrheit. Also wozu?

Wenn du versuchst, loszulassen und weiterzumachen, musst du dem emotionalen Schmerz die Zeit, den Weg und den Raum geben, den er braucht. Und Du musst erkennen, wie Dein Gehirn und Dein Körper auf Traumata und Missbrauch reagieren. Sozialer Verrat kann zum Beispiel posttraumatische Belastungsstörungen verursachen. Dann machen Entspannungsübungen und Traumatherapie mehr Sinn als eine Vergebung zu affirmieren, die Dein Unterbewusstes nur als Selbstverrat deuten würde.

Du kannst nicht heilen, wenn Du denkst, Du könntest einfach beschließen, den Schmerz nicht mehr zu spüren, weil Du mit der Ursache kognitiv abschließt.

Wer bewusst Deinen Frieden gestört, Dein Urvertrauen geraubt oder Deinen Selbstwert geschädigt hat, muss auch daraus lernen können, dass die Frequenz, die er aussendet, in irgendeiner Form zurückstrahlen und ihm spiegeln wird, dass jede Frequenz auch eine Resonanz hat. Das ist Ursache und Wirkung und die göttliche Regel des Universums.

Niemand, und schon gar nicht Leute, die anderen bewusst schaden, um sich irgendwie geartet an ihnen zu bereichern, sollte vor den Wirkungen seiner ins Feld gegebenen Ursachen verschont werden. Warum?

Wir sind alle hier, um zu lernen und uns von Dämonen zu befreien, die uns daran hindern, zu den Menschen zu werden, die göttlich in uns angelegt sind.

Indem Du so jemandem die Last abnimmst, verringerst Du die Wahrscheinlichkeit, dass er alle Konsequenzen tragen muss und seine Lektion lernt. Dann kann er in seine altbekannte Bequemlichkeit zurückkehren und spürt keine Notwendigkeit mehr, den Schmerz mitzufühlen, den er verursacht hat, geschweige denn seinen eigenen Schmerz einmal zu konfrontieren.

Alles Übel wurzelt in der Vermeidung.

Es diesem Menschen leicht zu machen, um Konflikte zu vermeiden, wird ihn tendenziell viel schneller in die alten Muster verfallen lassen, als wenn Du auf eine restlose Aufklärung und auf eine Änderung in Deinem Leben bestehst, die eine Wiederholung des Missbrauchs verunmöglicht, notfalls eben auch für Dich allein.

Wer allein heilt, wird eine vollkommen neue Ära einleiten.

… und übrigens: Gott möchte, dass Du ehrlich bist.

Ein strafender Gott, der uns immer brav und unterwürfig sehen will, der von uns verlangt, den Schmerz zu deckeln und rosa anzupinseln, existiert nur in den manipulativen Köpfen derer, die davon profitieren, wenn wir nicht in unsere authentische Kraft hineinkommen und unser Feuer unterdrücken.

Das Göttliche weiß, was du brauchst und fühlst. Und diese Instanz ist diejenige, die dafür verantwortlich ist, die Menschen von ihrer Schuld zu heilen.

Schuld und Scham sind sehr niedrig schwingende Frequenzen. Wer Mist baut, anderen schadet und so tut, als sei nichts passiert, wird es wieder tun, weil seine Frequenzen viel zu oft von anderen geschluckt werden. Das ist aber gegen das Naturgesetz.

Würden die Täter sich mit ihrer niedrigen Frequenz konfrontieren müssen, kämen sie auf die Idee, ihre Strategie anzupassen.

Es wäre wesentlich zuträglicher, die Störfrequenzen zurückzusenden, denn dann wären die Kliniken nicht mit den Opfern von Narzissten gefüllt, sondern auch mit Narzissten, die nirgendwo mehr andocken können und aus ihrer falschen Selbstwahrnehmung in das Mitgefühl mit ihren inneren Kindern hineingezwungen würden. Schaden könnte das nicht.

Es ist nicht Deine Aufgabe, irgendjemandem die Absolution zu erteilen. Das ist die Aufgabe Gottes.

Du solltest Dich auf die Heilung konzentrieren. Dies ist harte Arbeit, und Du hast damit genug zu tun – für Dich, für Deine Ahnen und die zukünftigen Generationen. Denn alles, was Du jetzt auflöst, bringst Du im System in die Erlösung.

Und das ist nicht nur deshalb wundervoll, weil es Konflikt in Frieden wandelt, sondern auch, weil es Dein Potenzial befreit.

Gut so, weitermachen!

Die oktroyierte Vergebung taugt nichts