Vom Perlenjäger zum Wächter der Quelle – Krafttier Pferd

Wie würde die Welt der Menschen aussehen, wenn Mütter nicht zu sehr damit beschäftigt wären, ihr Herz zu heilen? Wie würde es sein, wenn alle Kinder so mit ihren Müttern sprechen könnten wie das wunderschöne Wesen in diesem Film – wenn Bewusstsein gleich mitgegeben würde?

In dieser Wirklichkeit hätten die Frauen so viel Selbstachtung, dass sie sich niemals zur Verfügung stellen würden, wo man nur von ihnen nehmen wollte. Sie wären irritiert und abgestoßen davon, wenn andere nach ihren Perlen griffen, um sich selbst damit zu behängen. Sie wüssten, wie kostbar ihre innige Lebensenergie ist. 

Sie würden keinen Illusionen mit Phantomen nachjagen, sondern ihre eigenen Schlösser bauen, zusammenhalten und ihre geistige Kraft auf ihre Träume richten. Um sie herum wirkte Klarheit, und eine friedliche Liebe hielte das Feld. Immer. 

Jeder würde seinen Teil dazu beitragen, dass der gemeinsame, energetische Raum wie ein fließendes Quellwasser alle erfrischt und sämtliche Fragen beantwortet, die der Seelenreise dienen. Die Unklarheit würde angegangen werden, um jedweden Zweifel auszuräumen.

Das Ungewisse, das in Beziehungen die Bindung untergräbt, würde als das schleichende Gift für das Selbst erkannt werden, das nimmersatt die Lebenszeit verschlingt. Und deshalb würden sich die Menschen darum bemühen, es sanft aufzulösen und jedem die Klarheit zu schenken, die sein freier Wille braucht, um zu entscheiden, was sich richtig anfühlt.

Jedem wäre das trübende Durcheinander der alten, fremdgesteuerten Hierarchie ein Aufruf, in die Bewegung zu kommen und sich – mit Feuer im Herzen – für das Richtige einzubringen.

Niemand bliebe alleingelassen und missverstanden. Alle könnten einander annehmen, wie sie wirklich sind, und würden die Veränderungen, die sich aus dem Authentischen heraus ergeben, gemeinsam annehmen.

Nur jene, die wissen, wie man gibt, etwas Konstruktives beitragen und ihre hoffnungsvollen Gedanken mit einbringen, hätten Zutritt zum Schutzraum einer jeden Frau, denn ihre Essenz ist das kostbarste Gut des Lebens. Nur wer das Weibliche achtet und behütet, darf an der mystischen Macht ihres beseelten Leibes teilhaben, das Geschenk ihrer Freude annehmen, ihre Tränen küssen, in ihrer warmherzigen Nähe verweilen und etwas Gemeinsames mit ihr aufbauen.

Denn nur, wer versteht, dass das Vertrauen einer Frau der männlichen Bestimmung in ihrer archaischen Würde erst Substanz verleiht, weiß, dass die Wahl seiner Gefährtin niemals ein Machtinstrument für das Ego oder den Status eines Mannes sein darf. Die männliche Kraft priorisiert den freien Geist und richtet ihren Fokus darauf, wahre Intimität zu leben. Das drängende Gefühl wird nicht gemieden, sondern angestrebt, da es den Weg weist.

Die Ehre eines Mannes ist nicht an den äusseren Schein, sondern an die innere Gewissheit seiner Ausrichtung gebunden. Das Netz der würdelosen Seelenfresser könnte den geheilten Krieger nie locken, denn es strahlt eine eisige Kälte aus, die das innere Kind schockgefriert.

Ein wahrer Held greift stets die Hand des Jungen, der er einmal war. Er behält ihn immer im Blick und gibt ihm, was er braucht. Und er verstreut seinen begierigen Blick nicht in alle Winde. Er richtet ihn ausschließlich und voller Liebe auf das, was sein Herz erwählt. 

Sein Verstand ist ihm niemals ein ängstlicher Regent, sondern stets sein zielgerichtet Instrument.

Wie wäre die Welt der Menschen beschaffen, wenn die Männer die Energie der Frauen nicht besitzen, sondern beschützen wollten, weil sie deren Körper als das, was sie sind, erkannten? – als den Tempel ihrer Seelen… als den Ursprung aller unverfälschten Lebendigkeit…

In einer gesunden Zivilisation haben wir Respekt vor dem Geist des Lebens – vor dem Wert des Verletzlichen. 

Mama Gaia wirkt in allem, was mit ihrem Spirit durchdrungen ist, und jeder darf ihn in sich selbst – im eigenen Sein – erspüren lernen, das Leben achten und für immer bewahren. 

Wir sind dazu aufgerufen, die beseelte Natur in uns und um uns herum vor dem Wahn der falschen Götter zu verteidigen. Die Vermeidung des Schmerzes ist der trojanische Gaul, dem wir mit dem Geist des Krafttiers Pferd den Garaus machen.

Das muskulöse und zugleich anmutige Tier öffnet die Türen aller schimmernden Kerker mit einem einzigen wilden Nicken. 

Es duldet keine Scheinpersönlichkeiten in seiner Nähe, denn es ist hellfühlig und wählerisch.

Für das Pferd gibt es keine halben Wahrheiten, und auch die lähmende Starre hat bei ihm keine Chance. Sein Bewegungsdrang und die Sehnsucht nach dem Horizont sind viel zu groß, als dass es sich prunkvoll behängen und in abgesteckten Gattern vorführen ließe.

Mit seinen bebenden Nüstern wittert es die List der Eitelkeit und leitet den Odem des Universums mit der Kraft seines sanften Herzschlags nach innen und nach außen.

Es trägt den erwachten Reiter durch den Nebel hindurch und bäumt sich auf, wo man sich seinem Freiheitsdrang in den Weg stellt.

Auf seinem starken Rücken ist immer Platz für den großen und den kleinen Anteil im Menschen. Im Rhythmus seiner schlagenden Hufe verbinden sich sein Spirit, der Erwachsene und das innere Kind zu einer lebensbejahenden Instanz.

Das Pferd tritt an das Bewusstsein des Menschen heran, um alte Glaubenssätze und vererbte Suggestionen zu hinterfragen. Mit seiner Medizin endet die Flucht vor der eigenen Wahrheit.

Wo die Seele aus Furcht vor dem Schmerz zu den Sternen flog und die Starre des Scheins den freien Willen besetzte, bringt die Präsenz des Pferdes den heilsamen Impuls, auszubrechen und sich genügend Lebenszeit zurückzuerobern, um auf ihm die Weite der inneren Felder zu erkunden.

Mit seinen tiefen Augen entlarvt es die falschen Ideen, hinter denen der Verstand sich tarnt, um aus dem Verborgenen heraus jede Regung zu steuern. Das Pferd erinnert uns an unseren Urinstinkt und an die Klugheit unseres Herzens. Es wählt stets die Menschen aus, die sein sanftes Wesen behüten und ihm auf Augenhöhe begegnen.

Das Pferd scheut nicht vor dem Schmerz. Es gibt ihm Raum, nimmt ihn an und stürmt durch ihn hindurch – es verwandelt das Verdrängte in eine annehmende Lebenskraft.

Der Geist des Pferdes bringt uns jene unbändige Wildheit, die sich weder fremdbestimmen noch herzlos konsumieren lässt – und es lehrt uns zugleich, sanftmütig auf das Verletzliche in uns zu schauen und es als Zentrum unseres Seins anzuerkennen.

In seiner Nähe verwandelt sich der bedürftige Jäger in einen aufrechten Hüter.

Schaust Du mit den Augen eines Pferdes auf Dich selbst, richtet sich Dein Blick unerschütterlich auf das Wahre aus. Das Ego, welches den falschen Göttern dienen will, um den Weg der Erkenntnis abzukürzen, wird entthront und darf sich dem höheren Wohl der Seele verschreiben.

Das Pferd bringt uns die absolute Klarheit, die in der Stille wohnt und nur in Worte gekleidet werden kann, die sich ihr anheimgeben.

❤️

Bis jetzt,

Eure Lina