Wie das Dunkle sich reinschleicht

 

Menschen sehen sich selbst immer gern im besten Licht. Und sie wünschen sich die Bestätigung von außen um so mehr, desto ausgiebiger sie sich von ihrer wahren Identität entfernt bzw. sie nie gänzlich entwickelt haben.

Alles, was das Wahrhaftige meidet, ist synthetisch und benötigt Sprit, um aufrecht erhalten zu werden.

Die Energie, die man einbringt, um das Synthetische am Leben zu erhalten, ist endlich. Es braucht materielle und persönliche Ressourcen, die uns an das Hamsterrad binden: Geld, Mittelchen zur Selbstoptimierung oder zumindest zur Aufrechterhaltung des Schummelns, Anhimmelei – also die geistig-verblendete – da vom Synthetischen getäuschte – Zuwendung anderer, sichtbare Beweise für den Erfolg und eine Struktur, die gemanaged, also vermarktet werden muss. Es bindet Energien, das synthetische Image aufrecht zu erhalten.

Wer all das allein hinkriegt, braucht immer wieder einmal nen Kick, um diesen Kraftakt zu stemmen. Und wenn das andere für einen tun, ist man auch noch abhängig – existentiell wie egobezogen.

Das Problem ist nur, dass der Seifenblasenknall jederzeit die artifizielle Firnis zerreißen und die brüchige Farbe darunter freilegen könnte. Und deshalb wird man korrumpierbar. Nur das Echte ist nicht käuflich. Und ohne Selbsterkenntnis und Wahrheit verschrumpelt die Liebe wie eine Weintraube in der Wüste. Das Unterbewusstsein weiß das alles, auch wenn das künstliche Ich es nicht wahrhaben möchte. Über diesen verdrängten inneren Konflikt schleicht sich das Böse ein, nagt an der Seele und stielt den Betroffenen den kostbaren Sand in ihrer Lebensuhr…

Die Jahre rinnen dahin, und anstatt man das Theaterspiel mal in den letzten Akt hineinführt, müssen ganze Bataillone innerer Soldaten auf das Scheinwerfergerüst hinaufklettern und sich am Vorhang festkrallen, damit er nicht fallen kann.

Wofür? Für ein Leben, das anderer Leute Erwartungen bedient. Für ein Leben gegen das verdrängte Gefühl. Für ein Leben, das einem Hologramm gleicht – um dem Schmerz zu entkommen und sich selbst etwas vorzumachen. Für ein Leben eines Menschen, der man eigentlich gar nicht wirklich ist. Man verkörpert ihn nur, aber man ist nicht von ihm durchdrungen. Man spürt ihn nicht, weil man – angebunden an die synthetische Persönlichkeit – kein Kanal für die frei zugängliche und frei fließende Lebensenergie mehr sein kann.

Die strömt nämlich nur da, wo der Kanal auch offen ist.

Das Sein erstickt in der Enge des Korsetts. Dieses ist an das alte System gebunden.

Das Synthetische hat sich über die wahre Natur im Menschen gestülpt. Und um sich darin nicht einsam zu fühlen, braucht es ähnlich ausgerichtete Mitstreiter – stumme Verträge. Alle einigen sich auf ein Skript und messen einander daran, wie perfekt sie so tun können, dass ihnen all das mit Leichtigkeit gelänge.

Dann erzählen sie sich Geschichten über die wenigen, die es wagen, auszubrechen und auf ihr Herz zu vertrauen. Keine dieser Geschichten ist stimmig vor Gott, weil die Storylines flach bleiben und lediglich dazu dienen, das eigene kontrollierbare Weltbild aufrecht zu erhalten. Je hanebüchener und plakativer die Dramaturgie, desto leichtgläubiger werden die Zuhörer. So gelingt es, auf jene herabzublicken, die die Bühne und auch den Zuschauerraum mittlerweile freiwillig meiden.

Es braucht die Enten, um die eigene Grütze nicht konfrontieren und abtragen zu müssen. So ist das bequemer. So kann man kalkulieren und das synthetische Konstrukt weiterhin bedienen, egal wieviele Sehnsüchte und Träume man dafür in das unsichtbare Kästchen einsperren muss, von dem niemand etwas wissen darf.

Ich glaube keine Geschichten über andere mehr. Entweder ich bilde mir mein eigenes Urteil, oder ich befasse mich nicht mit dem, was mich nichts angeht.

Die Leute reden, um es sich leichter zu machen und den möglichen Seifenblasenknall zu verdrängen. Und das ist giftig. Es ist ungesund.

Lass sie reden… denn die Freunde, die Gott um Dich haben will, sind garantiert keine Tratsch-Junkies. Die haben Wichtigeres zu tun. Außerdem nimmt er Leute raus aus Deinem Leben, die hässlich reden, wenn Du es nicht mitbekommst. Er hört jedes Gespräch, und er bemerkt auch, dass jemand, dem Du vertraust, den Mund hält, wenn er für Dich einstehen sollte. Selbst wenn Du es niemals glauben würdest: Manche spielen ein falsches Spiel mit Deinem Herzen und halten Dich für naiv. Aber lieber eine Träumerin als ein Sklave des Matrix‘schen Baukastens.

Tratscher haben keine Phantasie. Sie kreieren nichts Neues, sondern wiederholen und langweilen sich nur – zukünftig dann halt ohne Dich.

Auch das Gute braucht Raum. Und es interveniert, wenn es noch mehr Platz in Deinem Leben braucht.

Dann kannst Du Dich weiterentwickeln, und genau darum geht’s. Jene, die den Weg mit Dir gehen sollen, hören nicht nur auf ihr Herz, sie folgen ihm auch. Und das ist der einzige Weg.