Heute habe ich einen inspirierenden Beitrag gesehen, der mich sehr beeindruckt hat, weil er hundertprozentig meinem Gefühl entspricht.
Die These, die darin aufgestellt wurde, ist folgende:
Die höhere Instanz, die das Leben erschuf, wollte nie, dass wir uns selbst sehen können. Sie hat nie beabsichtigt, dass wir uns von außen sehen. Sie wollte, dass wir uns von innen spüren und aus diesem Sein heraus andere betrachten.
Die Camera Obscura ist ein dunkler Raum mit einem Loch in der Wand. Und seitdem sie erfunden wurde, haben Menschen versucht, die Energie, die in anderen strömt und sie das Leben erspüren lässt, in deren Gesichtern zu fixieren, sie sodann einzufangen und auf ein Medium zu brennen – ihren Zauber in einen Rahmen hineinzusperren und so in Besitz zu nehmen.
Schönheit ist für die Schamanen eine Tugend. Aber sie meinen die Schönheit der Seele, keine identischen Gesichtshälften.
War die Schönheit je dazu bestimmt, ausgestellt zu werden? Oder ist sie eher wie der Duft einer Blume gemeint gewesen – etwas, dass wir nicht greifen, sondern nur genießen sollten?
Die ungreifbare Schönheit, wird von innen anders wahrgenommen als von außen. Das, Antlitz auf dem Bild kommt der Vision näher, die derjenige sieht, der auf den Auslöser drückt, als dem Seinszustand, von dem der abgebildete Mensch in sich selbst durchdrungen ist.
Jemand anderes schaut aus seiner eigenen Perspektive auf Dich, filtert, was er sieht, durch seine eigene Programmierung – also seine individuelle Brille, die alles um ihn herum einfärbt, auch Dich. Egal, ob er das für sein flüchtiges Schauen tut oder mit einer Kamera in der Hand.
Das, was er da sieht, könnte viel mehr in seinem Kopf existieren als wirklich dem entsprechen, was Du spürst, wenn Du Dich selbst im Inneren betrachtest, WENN Du Dich denn selbst betrachten WILLST bzw. KANNST.
Du siehst Dich auf dem projizierten Foto oder Gemälde und erkennst die Sicht des anderen auf Dich. Du schaust in den Spiegel und blickst dabei auf einen Menschen, den Dein Gehirn im Außen abscannt. Du suchst nach Fehlern, weil Dir durch das System Makellosigkeit als „Schönheit“ verkauft wird. Du wirst unsicher, wenn Du dieser Fehlerlosigkeit nicht entsprechen kannst und Deinen inneren Anker verlierst.
Also, was ist wahr? Die Geschichte zu Dir und Deinem gespiegelten Antlitz, die Dir Dein Gehirn erzählt, oder das Gefühl in Dir, das im Kontakt mit dem Leben aufblüht?
Eigentlich nehmen wir das Leben über unsere Sinne wahr. Unser Sehen ist nicht unsere einzige Sinnesgabe. Aber die mächtigste. Über das Sehen sind wir verführbar und auch lenkbar.
Ich glaube, das unverfälschte und authentische Leben ist wahr. Alles ist Frequenz. Jene Frequenz, die am meisten Energie generiert, ist die Authentizität.Und die ist ungeschminkt. Sie ist so pur und wild wie die Augenbrauen von Frida Kahlo es waren.
Gefühle, die wir authentisch zulassen, geben uns Lebensenergie. Aber wenn wir uns mehr auf unsere Hülle und auf die Projektionsfläche anderer fokussieren, entfernen wir uns von unserem Inneren und nehmen uns selbst mehr in dem Quecksilber-Raum hinter dem Glas des Spiegels wahr, als das Wesen in uns selbst zu spüren.
Unsere identifizierende Selbstwahrnehmung wird von innen weggenommen und nach außen übertragen. Sie verliert sich in der Endlosigkeit der Abstraktion einer Spiegelung. Der Anker verschiebt sich von dem abgesteckten Innen in das ungreifbare Außen.
Wir versuchen, zu sehen, was ein spiegelverkehrtes Bild uns zeigt, aber spüren können wir nur IN uns, was – jenseits von Materie – wirklich DA ist.
Viele Menschen werden für das unangenehme Gefühl, den inneren Konflikt und seinen Ausdruck schon in der Kindheit abgelehnt und wenden sich dann gegen diese inneren Anteile, weil sie im Außen abhängig von ihren Versorgern und deren Urteil sind.
Kinder wollen den Eltern gefallen, um nicht emotional oder existentiell verstoßen zu werden. Es ist ein Überlebensmodus. In Konkurrenz mit Geschwistern verstärkt sich diese Dynamik sogar manchmal, besonders dann, wenn man nicht das goldene Kind ist.
In der Jugend verschiebt sich die Anpassung an Fremdvorgaben auf Gleichaltrige. Je mehr die Peer Group durch äußere Ideale programmiert wird, desto mehr fokussieren sich die Heranwachsenden mit ihrer Hülle, um positive Rückmeldungen zu bekommen und dazugehören zu dürfen.
Was geschieht in dem Raum zwischen einem Fotografen und einem menschlichen Motiv?
Der Moment wird eingefangen. Das Motiv posiert und versucht im besten Fall verbunden mit dem Inneren zu bleiben und die eigene Präsenz wirken zu lassen. Menschen, die das beruflich tun, wissen schon genau, was zu tun ist, wenn ein bestimmter visueller Effekt erziehlt werden soll.
Der Fotograf versucht, diese Energie aus dem Motiv herauszulocken. Das innere Leuchten soll mit dem Scheinwerferlicht zusammen auf dem Sensor eingefroren werden. Und wenn das Ergebnis bestimmten ästhetischen Vorgaben nahekommt, sind beide zufrieden.
Aber ist der Mensch auf dem Bild dann wirklich der Mensch im Raum? Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit, den authentischen Menschen auf einem Foto wiederzufinden, ist höher, wenn dieser Mensch während der Aufnahme in seiner Mitte ist, sich nur darauf fokussiert, dass er sich von dort aus spürt. Und doch kann der Fotograf diese Frequenz nur dann festhalten, wenn seine Sicht auf das Motiv sich nicht auf das Objektiv der Kamera überträgt, um etwas abzulichten, was im Kopf des Betrachters danach strebt, die Energie festzuhalten und zu verfälschen, da er etwas hineininterpretieren möchte und greifen will, was vielleicht gar nicht da ist.
Sieht das Fotograf das Innere des Menschen, dessen Äußeres er dem Jetzt entringen will?
Die Persönlichkeit entwickelt sich aus der Interaktion mit anderen. Was wir selbst an uns wahrnehmen, verschmilzt mit dem, was uns andere über ihre Sicht auf uns vermitteln, wenn wir interagieren und nicht nur uns, sondern auch andere fokussieren und erfassen. Wir lernen, zu kommunizieren, Spiegelneuronen auszubilden, andere in dem Maße zu spüren, wie wir uns selbst erlauben, uns zu spüren. Und doch gibt es überall Verführungen, die uns dazu verleiten, unser Gefühl zu verdrängen und uns im Außen zu verlieren. Gerade Bilder werden für diese Hypnose oft verwendet.
In der frühen Kindheit und in der Jugend üben wir das Erleben unserer eigenen Lebendigkeit über das Gefühl. Unser Sakralchakra öffnet sich in den ersten drei Lebensjahren, wenn wir – im Kontakt mit unserer Familie – zum ersten Mal mit bewusster Klarheit Regungen in uns spüren, die ungemütlich aber auch euphorisch sein können.
Sanktionieren uns unsere erwachsenen Bezugspersonen, weil wir „anstrengend“ werden, anstatt uns zu halten, wenn wir im Durchleben dieser Lebendigkeit emotionale Stabilität erlernen sollen, lehnen wir uns – in Konfrontation mit diesen Emotionen – auch selbst ab, wie wir abgelehnt werden – schlicht deshalb, weil wir von diesen Leuten existenziell abhängig sind. Sie sind unsere Götter. Die Eltern sind unsere Vorbilder. Was sie uns vorleben und wie sie uns bewerten, prägt unsere Perspektive auf das, was wir uns erlauben, im Inneren zu empfinden.
Sobald ein Kind begreift, dass es ja doch nicht eins mit allen anderen, sondern ein Individuum ist, wünscht es sich die Verbindung zurück. Es ist eine brutale Erfahrung für ein Kind, für seine emotionalen Aspekte, die es im Inneren eigentlich nicht ablehnen und von sich abspalten sollte, nicht geliebt zu werden.
In den ersten drei Jahren ist es vorrangig die Mutter, die diesen emotionalen Halt und Schutzraum bieten sollte, weil sie der direkte Draht zum Urvertrauen ist. Ihr Geruch und ihre Stimme sind das Erste, was das Kind erlebt, weil es in ihrem Bauch Teil des inneren Empfindens der Mutter war, in ihr heranwuchs, ihren Herzschlag und ihre Worte hörte, ihre Überforderung oder Seligkeit mitspürte, ihren Duft als Anker brauchte, sobald es den Mutterleib verlassen musste und sich an ihrer Brust beruhigte und satt einschlief.
Aber wenn die Mutter dann in das System zurückgesogen wird und vielleicht selbst ihre Emotionen nicht annehmen kann, weil sie funktionieren muss und keinen männlich geschützten Raum um sich hat, steht sie dem Kind wahrscheinlich emotional nicht genug zur Verfügung. Vielleicht hat sie sogar mit schwierigen Umständen zu tun, erlebt seelische oder körperliche Gewalt, Stress, Existenzdruck und hat daraufhin Selbstwert-Themen und ein dysreguliertes Nervensystem. Ihr Gehirn interpretiert ihr Spiegelbild auf eine im System erlernte Gnadenlosigkeit, weil sie den Schönheitsidealen nicht mehr entspricht, nachdem ihr Körper dieses Wunder vollbracht hat. Wenn eine Mutter sich emotional sicher fühlt, ist sie eher in der Lage, die Gefühlsbrücke für ihr Kind zu sein, als wenn sie dem Leben und ihren Bezugspersonen vielleicht nicht gänzlich vertrauen kann und nicht genügend Zeit bekommt, die wundersamen Prozesse der Natur in sich selbst zu durchleben und zu integrieren.
In unserer Gesellschaft werden Menschen sanktioniert, wenn sie unangenehme Gefühle zulassen. Warum? Weil die meisten von ihnen sie selbst nie zulassen durften und ihre Individualität in der Anpassung an äußere ideale nie ganz entwickeln konnten. All das geschieht bei vielen Menschen in einem unbewussten Prozess und verstärkt über die Jahre vermeidende Mechanismen und Kommunikationsautomatismen.
Was, wenn es keine Spiegel und keine Kameras gäbe? Wenn niemand mehr verhalten wäre, wenn andere ihn im Moment lebendig betrachteten? Was, wenn jeder Mensch sich nur aus seinem Inneren heraus spüren und erkennen könnte? Wären wir vielleicht glücklicher?
Ich glaube, wir wären zumindest nicht so ichbezogen, sondern viel, viel neugieriger auf die inneren Prozesse anderer. Wir wären überhaupt nicht oberflächlich, weil wir nicht versuchen würden, unsere Erscheinung durch die Augen anderer zu bewerten, unsere Ich-Definition von der Projektion anderer auf uns beeinflussen zu lassen.
Ich glaube, die Menschen würden weniger versuchen, andere zu täuschen, um in deren Augen fehlerfreier eingeschätzt zu werden, als sie wirklich sind. Sie würden besser zuhören und insgesamt mehr in sich ruhen.
Ich glaube, der Schlüssel ist, dem Gefühl mehr zu vertrauen, als dem bewertenden Verstand, der auch durch die fremdbestimmte Definition und Projektion von Schönheit manipulierbar ist.
Ich glaube, dass jene, die aus dem Herzen heraus leben, viel glücklicher sind als diejenigen, die sich mithilfe ihrer Kognition und den mit ihr erlernten Tricks in die Köpfe anderer hineinprojizieren wollen. Sie leben in der Wahrnehmung ANDERER, ohne zu erkennen ,was sich in ihrem Inneren nach ihrem Fokus sehnt.
Heute haben wir nicht nur Spiegel und Abziehbilder, in denen wir uns verlieren können. Heute ist die unendliche Projektion unseres Antlitzes in den Tiefen potenziell aller Bildschirme festgehalten und wird durch alle Augen, die es betrachten, mit Informationen verwoben, die außerhalb von uns liegen.
Wir trainieren uns auf diesen Raum, richten uns auf ihn aus und lernen, Maschinen für uns denken zu lassen.
Der Entfremdungsprozess, der uns aus uns selbst heraus zieht und unser Leben hinter Glas einsperrt, wird immer weiter automatisiert.
Was dies ermöglicht? Unser Unbewusstsein und die Verführung, die uns erlaubt, unsere Gefühle zu verdrängen und eine Scheinwelt für real zu halten, die nur aus Nullen und Einsen besteht, dissoziieren uns von unserer wahren Natur und unserem eigentlichen Potenzial.
Es wird Zeit, sich bewusst zu werden. Wir können mit den Bildern spielen und Momente einfangen, versuchen unserer – im Inneren gefühlten Wahrnehmung – damit so nah wie möglich zu kommen, damit wir ein Gefühl mit visuellen Reizen beschreiben können, wo Worte vielleicht nicht ausreichen würden.
Doch Worte erzeugen Bilder in den Köpfen anderer. Sie regen die Fantasie an, wo Fotos und Filme schon zu Ende geträumt und fertig geliefert werden. Am schlimmsten aber sind für mich die KI-generierten Bilder und Filme. Sie verursachen in meinem Inneren ein Unbehagen, das eine Gefahr für die Seele ausruft. Leblosigkeit ist und kann auch niemals schön sein, denn was unbeseelt ist, ist ohne Leben.
Dass das Tote an dieser überperfektionierten Ästhetik so wenigen Menschen überhaupt auffällt, geschweige denn Widerstände in ihnen erzeugt, ist für mich ein Zeichen, wie wenig Kontakt die Menschen noch zu ihrem inneren Licht und ihrer natürlichen Wahrnehmung von Schönheit haben. Die Normalisierung einer Schönheit, in der kein Hauch von Wunder mehr mitschwingt, lässt mich erschrocken Abstand nehmen. Zu so einem abgestumpften Kollektiv möchte ich gar keinen Kontakt mehr aufnehmen, weil ich das Gefühl habe, dass Augen, die auf diese Art von Scheinexistenz trainiert wurden, mich nicht erkennen könnten, wenn ich meine Seele offenbarte.
Ich hoffe, die inflationär genutzte Retorte wird bald ein Ladenhüter sein.
Ich glaube, dass die Instanz, die uns erschaffen hat, der Gegenpol zu jener Instanz ist, die Bildschirme, Roboter, KI-Automation und völlig unnatürliche, entseelte Ideale erschaffen hat.
Der Teufel versteckt sich in dem Schwarz hinter Deinem Monitor, aber er flieht vor Dir, sobald Du seine Präsenz mit Deinem Herzen erspürst und ihn schweigend ansiehst.
Hab keine Angst. Allein das Licht Deiner Aufmerksamkeit wird Dir Deinen freien Willen zurückgeben. Wenn Du die Fratze der Austauschbarkeit erkennst, wie sie Dich hohl und ohne Zauber anstarrt, wird sie Dich so langweilen, dass Dir jedes schmerzvolle Gefühl, das Du in die Tiefen Deines Unterbewusstseins verdrängt hast, um geliebt zu werden, lieber sein, als an diesem spirituellen Suizid auch nur eine Sekunde länger teilzunehmen.
Kommt her, all meine authentischen Gefühle! Ich spüre den stampfenden Trotz der Dreijährigen, die mehr wollte, es sie haben durfte. Ich schreie den Schmerz hinaus, den niemand halten wollte. Ich weine jede einzelne Träne, für die andere sich nicht zuständig fühlten, die nur an meiner Hülle interessiert waren und perfekte Bilder von mir in ihrer Erinnerung eingesperrt haben. Ich nehme meine Energie zu mir zurück von allen geistigen Orten, wo ich nie Zuhause war. Ich nehme mir Farben und Töne und Worte und Wünsche und erschaffe aus ihnen das Unperfekte, in dem meine Seele sich wiedererkennt.
Und in den Spiegel sehe ich immer seltener. Die Fotos, die ich selbst von mir mache, gefallen mir mittlerweile am besten, weil ich fokussiere, was ich mit meinem Inneren abgleichen kann. Sie sind nur kleine Sumpfdotterblumen am Wegesrand, während wilde Blumenwiesen in meiner Brust immer neue Düfte aussenden, auch wenn ich allein bin.
Wichtig ist, was mir das Leben, das ich BIN, beibringen kann, und das ist ein Gefühl. Ein Gefühl, in mir anzukommen. Je tiefer ich da reingehe, desto weniger suche ich noch im Außen.
Und wenn mir jemand begegnet, mit dem ich auf dieser Frequenz schwingen kann, fühle ich mich genauso gesehen, wie ich mich selbsz in meinem Herzen wahrnehme. Es ist vollkommen unwichtig, was die Augen meines Gegenübers sehen, wenn sein Gehirn mich nicht katalogisiert. Wer mit dem HERZEN sieht, braucht keinen materiellen Beweis für die Schönheit – er spürt ihn. Und dann erkennt man sie erst.