Lina Hawk

der kollektive, gesunde Egoismus oder die kollektive Selbstliebe

Schade, dass es keinen allgemeingültigen und umgangssprachlichen Begriff für einen kollektiven, gesunden Egoismus gibt. Von einer kollektiven Selbstliebe, wagt man ja nicht zu sprechen. Sie erscheint einem zu weit hergeholt.
Der kollektive, gesunde Egoismus wäre wirklich langsam einmal angebracht.
Stattdessen haben wir Milliarden egoistische Einzel-Egos, die ungesunde Entscheidungen für sich und den Planeten treffen, und noch dazu sich selbst dafür beweihräuchern, wie erfolgreich sie sind oder werden wollen.
„Solange ich nur selbst weiterhin im goldenen Käfig sitzen und die Dinge verdrängen kann, die mich überfordern und außerhalb meiner Wirkkraft entschieden werden, kümmere ich mich um mein eigenes Leben, denn mehr schaffe ich nicht. Demonstrieren? Als ob das etwas nützen würde.“
So denken doch die meisten Menschen. Solange sie ihre Rechnungen bezahlen können, werden sie den Mund nicht aufmachen, wo ein Abteilungsleiter, Chef oder Neukunde Wind davon bekommen könnte, dass sie die Marktwirtschafft in frage stellen. Außerdem haben sie nicht genug Faktenwissen, um sich aus dem Fenster zu lehnen.
Und dann noch die Spirituellen oder andere, die „an sich arbeiten“. Sie behaupten, dass nur die getane Arbeit an sich selbst im Außen eine Veränderung erzeugen kann. Sie lassen das Außen weiterlaufen und drehen sich um sich selbst, bis ihnen ganz zentriert zumute ist. Aber was derweil in der NATO so geschieht oder über Ramstein andernorts, naja, shit happens.
Wir belügen uns selbst, wo wir nur können, zumindest aber haben wir oft sogar sehr gut klingende Begründungen dafür parat, dass wir uns nur für die eine Seite der Wahrheit interessieren und für die kollektiven Fehlschläge der Menschheit keine Mit-Verantwortung übernehmen wollen.
„Ich hab die ja nicht gewählt.“ Klappe zu, Wohnaltarklappe oder Fachbucheinschlag auf und dem Körpersprache-Guru das nächste gelobte Erfolgspralinchen abkaufen…
Bücher, Eintrittskarten, Business Coaches, NLP, für alles, wirklich alles, was noch nicht so ganz rund läuft und unperfekt rüberkommt, gibt es das passende Konzept der ICH-Kontrolle.

Kommen wir doch einmal auf den Kapitalismus zu sprechen.
Da kommt immer nur die selbe abgenudelte Leier vom gescheiterten Kommunismus. Dass der Kapitalismus an der Unmenschlichkeit und der Naturzerstörung gestolpert ist, will keiner hören. Läuft doch noch.
Und wenn man den Neoliberalismus erwähnt, sieht man einen Wald voller Fragezeichen:
„Was ist das?“
Selber Denken? Weiterdenken? Infragestellen? Lösungen? Wieso?

Gott lobe uns das Bruttosozialprodukt und das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld, solange die Finanzkrise sich noch nicht gänzlich durch das gefressen hat, was die meisten von uns noch als „real existierende Anlagen“ begreifen…

„jajajajetzt wird wieder in die Hände gespuckt…“