der Topf, der Deckel und die Geduld

An die einsamen Herzen da draußen, die so groß und wunderbar einzigartig sind, dass man sich immer wieder fragt, warum sie noch solo sind:
Wenn ein Typ eine Frau abserviert, weil sie zu viel quatscht, zu emotional ist und zu wenig Prestige vorzuweisen hat, ist eigentlich er die arme Sau.
Bei umgekehrter Geschlechtsverteilung natürlich auch.

Will heißen: wenn ein potentieller Partner so viele uneingestandene Defizite hat, dass er/sie eine/n Partner/in sucht, die/der was vorzuweisen hat und ihm/ihr in Gefühlskälte nicht hinterherhinkt, dann ist nicht die Frau, die darunter leidet, dass nach so einem Abend die Sms ins Leere laufen, das Problem.
Der Mann bzw. die Frau, der/die nichts mehr empfinden kann und in äußeren Umständen die Schachfiguren zusammenstellen will, die sein/ihr Leben wieder adäquat machen, wenn er sich ungenügsam fühlt, ist das Problem.
Liebe kann man nicht im Katalog bestellen. Und niemand ist perfekt.
Da kannst du froh sein, wenn der Kelch an dir vorüberzog.

Was ist eigentlich aus dem guten alten Kuss an der Haustür geworden, aus dem man so viel ablesen konnte?
Mädels und Jungs da draußen, die ihr noch nicht aufgegeben habt und magische Abende beim Schopfe packen wollt, lasst Euch sagen:
geht lieber noch zwei, drei Mal Kaffeetrinken. Schreitet am magischen Abend allein durch die Eingangstür eures Hauses.
Denn sensible Leute können nüchtern besser zwischen den Zeilen lesen und erkennen, wenn eine/r nur blendet, um die eigene Unzulänglichkeit nicht spüren zu müssen.
Und da ist es egal, ob er/sie im Kaschmirmäntelchen oder im hippen Hoodie daherkommt.
Lasst Euch nicht benutzen.
Erkennt Euren Wert.
Wenn der andere ihn wirklich erkennt, wird er sich auch tagsüber nochmal melden.
Wenn nicht, war es ein schöner Abend, und gut is.
Die Abende in einer netten Bar mit guten Freunden oder schrägen Typen mit dem Herz am rechten Fleck auf dem Barhocker daneben sind sowieso die nettesten.
In den Neunzigern gab es eine Brausewerbung mit dem Motto:
„sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?“
Nur ein schräger Deckel mit der richtigen Einkerbung passt auf den schrägen Topf mit der richtigen Beule.
Und wenn man sich zum Gedichtelesen in der Küche mit Freunden trifft, die Sonntag Mittag auch ans Telefon gehen, ist dort mit tausend Mal mehr Nähe zu rechnen, als man sie von Nachtschwärmern erwarten kann, die nur zu oft kalkulieren und das Drehbuch des Lebens kontrollieren wollen.

Seid frech und frei und wunderbar!

Eure Lina 🙂