Nur jene mit Feuer im Herzen werden die schlichte Kraft in diesem Lied verstehen.
Laith ist ein unfassbarer Sänger. Und dieser Text von Oriah Mountain Dreamer ist so wunderschön und tief wie ein klarer Gebirgssee. Für mich beschreibt er so gut, was wirklich zählt, wenn man liebt. Und die Art, wie er das singt, nimmt einen mit wie eine Welle: nahbar, verletzlich, radikal konsequent und zugleich vollkommen bei sich.
Die Liebe ist nicht steuerbar. Sie passt nicht in all die weltlichen Konzepte hinein, die uns materielle Sicherheiten vorgaukeln, während sie unsere seelischen Bedürfnisse links liegen lassen. Die Liebe, von der sie spricht, steht mit allem für das Wunder ein, das uns sehr, sehr selten geschenkt wird. Nur die wirklich Mutigen lassen sich von ihr leiten und stehen für jene Wahrheit zwischen zwei Menschen gerade, die alles zu erneuern imstande ist.
Ich glaube, dass jemand, der das nie er- und gelebt, das Leben nicht genutzt hat.
Nur jene, die von der Liebe lernen, das Feuer zu nähren und zu behüten, können sich auch an ihm wärmen. Und da kaum noch jemand für irgendetwas oder irgendjemanden brennt, um nicht fallen und darauf vertrauen zu müssen, dass die Liebe alles zum Besseren wandeln kann, ist es so kalt geworden unter all den Ausgewachsenen. Die Sehnsucht der inneren Kinder ist verstummt, weil sie nicht ernst genommen werden.
Manchmal aber übernehmen Erwachsene Verantwortung für ihre Gefühle und stellen sich der Aufgabe. Um das zu erkennen, braucht es nicht viele Worte. Die Liebe möchte nur ein “Ja“ oder “Nein“ von uns hören. Und so viele Leute haben für ihr gegenüber nicht einmal dieses Minimum an Respekt übrig, ja nicht einmal für sich selbst. Ehrlich zu anderen zu sein, braucht die dafür nötige Klarheit in sich selbst. Viele taumeln aber von einem Tag in den nächsten hinein und haben keinerlei Ausrichtung in der Brust.
Um Deiner Träume Willen und Deiner Liebe Willen… Gib niemals auf und behüte die Flamme in Deinem Herzen vor jenen, die zu blind sind, ihren Wert zu erfassen. Erlaube niemandem, ein Feuer in Dir anzuzünden, soviel Wärme zu nehmen, wie er kriegen kann, und dann zu entschwinden. Solche Leute sind innerlich leer und raffen Energie an sich, ohne einzutauchen und zu lernen, selbst zu Generatoren zu werden. Sie sind zu ängstlich, um Wunder zuzulassen. Und sie sind vollkommen verantwortungslos mit den Seelen anderer. Sie wollen den Funken besitzen und das Wunder einfangen, ohne selbst ein Teil davon zu werden. Es fehlt ihnen die nötige Demut vor der Liebe, um ihrer würdig zu sein.
Lerne, rechtzeitig zu prüfen, ob jemand wirklich in der Lage ist, sein Leben dem Feuer zu schenken. Denn ist er es nicht, ist er ein Zombie und wird Dir nur Lebenszeit stehlen. Wer aufschieben muss, kann nicht “Ja“ sagen. Dann sage Du “Nein“, statt zu warten. Warte nicht. Lebe!
In den stillen Momenten bist immer noch Du selbst bei Dir. Und die Engel der Musik. Das Leben kann auch im leeren Raum lodern und – nur ganz leise und subtil – knisternd flüstern: “Ich liebe Dich. Immer.“
Laut und unter Kopfhörern… Kopf aus… Herz an… Licht aus… Augen zu… Die Live Version ist schöner als die überproduzierte Studioversion:
Laith Aldeen – Es interessiert mich nicht
Einladung
Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du
die Erfüllung deines Herzenswunsches zu träumen wagst.
Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich zum Narren zu machen
auf deiner Suche nach Liebe, nach deinem Traum,
nach dem Abenteuer des Lebens.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten ein Quadrat zu deinem Mond bilden.
Ich will wissen ob du deinem Leid auf den Grund gegangen bist
und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens geöffnet haben,
oder ob du dich klein machst und verschließt,
um dich vor neuen Verletzungen zu schützen.
Ich will wissen, ob du Schmerz – meinen oder deinen eigenen –
ertragen kannst, ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder zu lindern.
Ich will wissen, ob du Freude – meine oder deine eigene – aushalten,
dich hemmungslos dem Tanz hingeben und jede Faser deines Körpers
von Ekstase erbeben lassen kannst, ohne an Vorsicht und Vernunft zu appellieren
oder an die Begrenztheit des Menschseins zu denken.
Es interessiert mich nicht, ob das, was du mir erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du andere enttäuschen kannst,
um dir selbst treu zu bleiben;
ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst,
um deine eigene Seele nicht zu verraten;
ob du treulos sein kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben.
Ich will wissen, ob du die Schönheit des Alltäglichen erkennen kannst,
selbst wenn sie nicht immer angenehm ist
und ob ihre Allgegenwärtigkeit die Quelle ist,
aus der du die Kraft zum Leben schöpfst.
Ich will wissen, ob du mit Unzulänglichkeit leben kannst
– meiner oder deiner eigenen – und immer noch am Seeufer stehst
und der silbrigen Scheibe des Vollmonds ein uneingeschränktes „JA!“ zurufst.
Es interessiert mich nicht, wo du wohnst, oder wie reich du bist.
Ich will wissen, ob du nach einer kummervoll durchwachten Nacht
zermürbt und müde bis auf die Knochen aufstehen kannst,
um das Notwendige zu tun, damit deine Kinder versorgt sind.
Es interessiert mich nicht, wen du kennst, oder wie du hierher gekommen bist.
Ich will wissen, ob du inmitten des Feuers bei mir ausharren wirst,
ohne zurückzuweichen.
Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen heraus trägt, wenn alles andere wegbricht.
Ich will wissen, ob du mit dir selbst allein sein kannst und ob du den,
der dir in solch einsamen Momenten deines Lebens Gesellschaft leistet,
wirklich magst.
Oriah Mountain Dreamer (* 1954)