Eine Psychologin erklärt, was in Beziehungen wichtig ist

The Pottymouth Guru erläutert Intention, Verletzung und Gaslighting wie folgt:


„Wisst ihr, was mich als Therapeutin und als Mensch so richtig aufregt? Absicht versus Auswirkung. Ich glaube, die meisten von euch wissen genau, was ich meine…

Mal ehrlich, außer man ist ein Sadist o.ä., will man doch niemandem wehtun, vor allem nicht dem Menschen, den man liebt. Und wisst ihr was? Manche tun es trotzdem.

Und dann muss ich  den Leuten sagen: „Eure Absicht ist egal, denn was zählt, ist die Auswirkung. Man kann es gut meinen und trotzdem jemanden verletzen.

Wenn ihr einen Teller zerbrecht, war’s vielleicht keine Absicht, aber der Teller ist trotzdem kaputt, oder? Gute Absichten können das Nervensystem nicht beruhigen. Nur das Verstehen der entstandenen Verletzung kann das.

All die guten Absichten können trotzdem eine Kluft zwischen dir und einem anderen Menschen erschaffen, denn die Auswirkung hängt nicht davon ab, wie du etwas gemeint hast. Es geht darum, wie es tatsächlich bei dem anderen ankam.

Wenn also jemand zu dir sagt: „Mann, das hat mich verletzt“, und du antwortest: „So habe ich das nicht gemeint“, dann passiert Folgendes:

In diesem Moment bist du nicht mit dieser Person verbunden. Du konzentrierst dich nur auf dich selbst und darauf, was das Benennen deines Fehlers oder die erzeugte Verletzung der Gefühle eines anderen über dich aussagt – du bist mit deinem Fokus bei dir, statt im Mitgefühl.

Der Fokus verschiebt sich von der Wiedergutmachung hin zur Verteidigung deiner Absicht. Und genau da entsteht Groll im Anderen.

Außerdem hast du nicht zu entscheiden, was jemanden verletzen kann und sollte.

Du kannst nicht sagen: „Mann, mich würde das nicht verletzen.“ Das betrifft vielleicht dich, nicht aber die andere Person.

Es geht um einen anderen Menschen als dich, eine andere Seele als deine, einen anderen Körper als deinen, eine andere Existenz als die deine, eine andere Geschichte als deine und um ein anderes Nervensystem.

Man kann das nicht vergleichen. Zu viele Menschen glauben, dass die meisten anderen immer so denken wie sie selbst, und damit müssen wir aufhören, denn das stimmt einfach nicht.

Die Absicht ist entscheidend für das Verständnis.

Die Auswirkung aber ist entscheidend für die Wiedergutmachung.

Und wenn jemand verletzt wird, konzentrieren wir uns zunächst auf die Auswirkung, und später, falls nötig, können wir uns der Absicht und einem tieferen Verständnis zuwenden.

Für eine echte Verbindung braucht man beides.

Denn wenn jemand mit Absicht, statt mit Hinzunahme einer möglichen Auswirkung handelt, passieren ein paar Dinge:

Das Nervensystem der verletzten Person kann keine Sicherheit in der Begegnung finden, weil ihre Erfahrung korrigiert wird, ihre Wahrnehmung negiert wird, statt dass auf sie eingegangen wird (Gaslighting). Das führt zu einem Gefühl der Entwertung, selbst wenn das nicht die beabsichtigte Absicht war.


Aus neurologischer Sicht erfasst das Gehirn die Absicht während eines Konflikts nicht.
Es erfasst Bedrohung, den Tonfall und das Ergebnis. Wenn man etwas hört wie: „So habe ich das nicht gemeint“, kommt es so rüber: „Du interpretierst deine Erfahrung falsch. Du solltest dich nicht so fühlen. Deine Gefühle sind völlig falsch.“

Dadurch gerät die Person, die das hört, in die Lage, entweder ihre Realität zu verteidigen oder ihre Bedürfnisse aufzugeben, um den Frieden und die Verbindung zu wahren. Und genau hier ziehen sich die Beteiligten entweder zurück oder verschärfen die Situation. Mit der Zeit wird daraus ein Muster in der Beziehung.

Eine Person versucht zu erklären, dass ihre Gefühle berechtigt sind, die andere verteidigt sich und versucht zu beweisen, dass sie nicht das Problem ist. Und schon steckt man in einem Teufelskreis: Erklären, Verteidigen, Verschärfen, Kontakt abbrechen.

Absichtsbezogene Reaktionen entstehen oft aus Schamgefühlen. In solchen Momenten denkt man: „Verdammt, ich habe etwas falsch gemacht“, und das ganze System schaltet auf Selbstschutz. Sie verdeutlichen also ihre Absicht, sich selbst zu regulieren, doch das geschieht auf Kosten des anderen und dessen Erfahrung.

Das Erkennen der Auswirkung schützt hingegen die Beziehung und die Verbindung, da Mitgefühl gezeigt wird. Die Absicht kann später folgen. Wenn also jemand sagt, er sei verletzt, ist dies der richtige Weg, um die Situation zu verbessern.

Bestätigen Sie, was angekommen ist, zeigen Sie, dass Sie es verstanden haben, und klären Sie es gegebenenfalls. Die Reihenfolge ist wichtig.“

Quelle

Anm.: Warum ist das wichtig? Weil ein Mensch, der sich nicht gesehen und verstanden fühlt, sich nicht gemeint und somit auch nicht geliebt fühlen kann. Er fühlt sich übergangen. Und wenn dem so ist und das so bleibt, macht Beziehung keinen Sinn und erzeugt Schmerz, statt Verbindung. 

Unbewusste Menschen können so Konflikte nutzen, um bewusster zu werden und in Beziehungen menschlich zu wachsen. Manipulative Menschen hingegen verleugnen ihre niederen Absichten, weil sie davon einen Vorteil haben: So kann ihr künstlicher Selbstwert oder auch ihr an ein vereinfachtes Mindset gebundenes Ego aufrecht erhalten werden. Geschieht dies auf Kosten des Selbstwertes eines anderen, IST DAS KEINE LIEBE ODER FREUNDSCHAFT, egal wie es sich verkleidet. 

Ob ein Mensch, der sich so verhält und die Wahrnehmung und das Erleben anderer der/dem seinen unterwirft, das tut, um ungemütliche Gefühle zu umgehen oder bewusst zu schaden, ist dann irrelevant. Denn wenn es an der Bereitschaft fehlt, zu validieren und eine Begegnung zu ermöglichen, in der BEIDE gesehen werden, ist es keine Begegnung auf Augenhöhe.