Ungemütlich direkte Wut gibt es nur da, wo es zuvor einen Mangel an Empathievermögen und tiefgründigem Interesse gab und Schmerz entstand, der nie gesehen wurde.
Und wisst Ihr, wo Menschen die Empathiefähigkeit in tiefgründigen Gesprächen nie üben können? Genau da, wo dem Diktat der Zurückhaltung der Ausdruck von Gefühl geopfert wird.
Solange, bis es irgendwann knallt – meist durch den schwingungsfähigen Symptomträger des Systems. Auf den wird dann mit dem Finger gezeigt.
Dabei manifestiert sich durch ihn nur das, was die anderen verdrängen. Der Symptomträger kanalisiert blockierte Frequenzen, für die alle anderen taub und blind sind. Und die nennen sich dann ‘erwachsen‘.
Erwachsen ist man aber erst, wenn man reguliert, was sich im Inneren regt, anstatt es zu ignorieren. Die ungelösten Wollknäuel dem schwarzen Schaf vor die Füße zu werfen, das sich nicht so gut ausschalten kann wie die weißen, bringt diesen Menschen im Optimalfall dazu, sich damit auseinanderzusetzen und zuerst das eigene in sich auseinanderzutüdeln und dann die Fadenklumpen der anderen dort liegen zu lassen, wo er zukünftig nicht mehr sein will.
Weil die fühlende Seele den Schmerz der Unterdrückung nicht mehr aushalten kann und sich abgrenzt.
Weil die Gesunden gesunde Reaktionen zeigen, wenn sie sich anderen zuliebe verstellen müssen und in ihrem wahren Sein mit ihrem echten Gefühl verleugnet oder sogar beschämt werden.
Weil manchmal die Selbstliebe stärker ist als das Betteln um Dazugehörigkeit und Anbindung.
Man wird erst gesund und frei von der Wut und Trauer all derer, die sie systemisch weiterreichen, wenn man nicht mehr zur Verfügung steht und authentisch mit der Wahrheit geht. Wenn man sich einfach nur um das Eigene kümmert und die Rolle ablegt, die einem von jenen zugewiesen wurde, die sich kein bisschen dafür interessieren, wer man wirklich ist. Hauptsache man passt in ihr Mindset.
Ja, dann ist man oft der Buh-Mensch und an allem schuld. Dann wird man zur Projektionsfigur erklärt, weil es leichter ist, den eigenen Schatten auf einen gemeinsamen Feind zu übertragen.
Na und? Lass sie doch reden! Die akzeptieren Dich eh nur dann, wenn Du Dich ihretwegen aufgibst.
Mit den Menschen aus Deiner Seelenfamilie wirst Du dagegen gar nicht wütend, denn DIE hören Dir bereits zu, wenn Du traurig bist. Da ist auf einmal alles ganz leicht und fließend. Mit ihnen kannst Du so sanft sein, wie Du es eigentlich bist: in einem gesunden, fühlenden Feld.
Und wühlt Dich etwas auf, haben sie keine Angst vor Dir, weil sie die Wut auch in sich selbst konfrontieren können. Sie ist doch nur ein Schwellenhüter. Die Wut trägt immer eine wichtige Botschaft an uns heran. Meist beschützt sie nur die Traurigkeit.
Wer andere wegen ihrer Wut ausgrenzt, anstatt zuzuhören, liebt nicht und löst schon gar keine gemeinsamen Probleme. Er schiebt sie nur dem Symptomträger rüber.
Jene, die nicht zuhören, sind oft dieselben, die lächelnd und auf zurückhaltende Art und Weise verletzen.
Und selbst wenn alle in der Familie, auf der Arbeit, bei der Ausbildung, in der Clique, in den Medien und in der Gesellschaft Dir die Problem-Rolle zuschieben, um sich mit ihren eigenen Gefühlen wie Wut, Trauer oder Angst nicht auseinandersetzen zu müssen, bedeutet das nicht, dass Du diesen Part weiterhin annehmen und bedienen musst. Du darfst diese ungesunde Dynamik verlassen und Dir Seelenverwandte suchen, die neugierig auf den Menschen sind, der Du eigentlich sein kannst. Du darfst die Ausgrenzung als Wink des Lebens verstehen. Die strafende Zurückweisung ist oft nichts anderes als göttlicher Schutz.
Vielleicht wird dann – in Resonanz auf Deinen selbstbestimmten Schlussstrich – eine Schmierenkampagne gegen Dich gestartet. Vielleicht wirst Du dann mit missgünstigen Pfeilen beschossen und musst lernen, Dein inneres Kind im Sturm der zischenden Metallspitzen in den Arm zu nehmen und einfach auf Gottes Schild zu vertrauen. Du hast die Möglichkeit, über all die fremden Wollknäuel hinwegzusteigen und trotz Deiner Traurigkeit weiterzugehen.
Weißt Du, welche Freundin Dir die Kraft dazu gibt, jene loszulassen, die Dir nicht auf Augenhöhe begegnen und Deine Seele verraten? Die Wut. Sie ist da, um Dir die Kraft zu geben, Dich von jenen abzuwenden, die Dich nicht verstehen wollen.
Du bist nicht, was andere in Dich hineinprojizieren.
Du bist, wer Du sein möchtest. Erst dann, kannst Du Deinen Weg und Frieden finden.
Stechende Blicke oder strafendes Schweigen berühren Dich nicht mehr, wenn Du gelernt hast, was Liebe ist. Letzteres liegt in Deiner Verantwortung. Lass Dich nicht mehr ein auf das Schauspiel, das Liebe verhindert. Und arbeite nicht mehr für andere auf, was sie nicht konfrontieren möchten. Das ist nicht Dein Job.
Lass den Lärm Lärm sein.
Wer Dich – so wie Du bist – nicht akzeptieren und stattdessen mobben oder verleugnen will, muss ohne Dich zurechtkommen.
Da draußen gibt es viele wie Dich. Und gute Mächte führen Dich dorthin, wo Du ihnen begegnen kannst.